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Aufschlag oder Annahme nach dem Losentscheid?

Die Kapitäne stehen beim Schiedsrichter, es wird gelost, und dann fällt in zwei Sekunden eine Entscheidung, die die meisten Teams nie besprochen haben. Aufschlag oder Annahme? Es gibt eine Rechnung, die die Antwort liefert — mit einer deutlichen Ausnahme für Amateurteams.

Lesezeit: 5 Min.

Was du beim Losentscheid genau wählst

Der Gewinner der Auslosung wählt eines von zwei Dingen: er wählt den Aufschlag (aufschlagen oder annehmen) oder er wählt die Spielfeldhälfte. Der Verlierer bekommt, was übrig bleibt. Entscheidest du dich also für „Annahme“, darf der Gegner die Seite aussuchen.

Wichtig zu wissen: die Wahl gilt nur für diesen Satz. Im zweiten Satz dreht es sich automatisch um — das Team, das im ersten Satz aufgeschlagen hat, nimmt im zweiten an, und so wechselt es Satz für Satz weiter. Kommt es zum Entscheidungssatz, folgt vor diesem Satz eine neue Auslosung, und die Teams wechseln bei acht Punkten die Seiten. Was im Entscheidungssatz sonst noch anders ist, lohnt sich nachzulesen.

Die Rechnung hinter dem Side-out

Im Rally-Point-System bringt jeder Ballwechsel einen Punkt, und das annehmende Team gewinnt diesen Ballwechsel häufiger als das aufschlagende. Genau das misst Side-out. Auf Amateurniveau schwankt die Side-out-Quote zwischen 50 und 60 Prozent, in der Spitze liegt sie über 65 Prozent.

Wählst du also Annahme, beginnst du mit einem Ballwechsel, den du statistisch öfter gewinnst als verlierst. Du holst die erste Führung, zwingst den Gegner zum ersten Side-out und liegst danach den ganzen Satz einen Punkt vorne — der klassische Satzverlauf, in dem das eine Team immer wieder ausgleicht und das andere immer wieder wegzieht. Der Effekt ist klein, aber er ist da, und er kostet nichts.

Warum praktisch jedes Topteam annimmt

Je höher das Niveau, desto größer dieser Vorteil. Bei Teams, die zwei von drei Annahmeballwechseln gewinnen, ist der Eröffnungsballwechsel ein fast sicherer Punkt. Dazu kommt ein zweites Argument: Topteams wissen genau, mit welcher Rotation sie beginnen wollen, und durch die Annahme liegt ihre stärkste Side-out-Rotation sofort auf dem Tisch. Der Aufschlag kommt von allein hinterher.

Spielübersicht mit Satzständen und Teamstatistiken in der Koach-App
Zwei Zahlen aus deinen eigenen Spielen — Side-out und die Länge deiner Aufschlagserien — entscheiden die Wahl beim Losentscheid.

Was für dein Team am besten ist, musst du nicht raten: deine Side-out-Werte und deine Aufschlagserien in Koach sagen dir, welche der beiden Varianten zu dir passt.

Warum es auf Amateurniveau anders liegen kann

In den unteren Klassen kippt das Bild aus einem Grund: dort ist ein guter Aufschlag viel tödlicher als weiter oben. Ein Spieler mit einem straffen Flatteraufschlag oder einem Sprungaufschlag kann in einer Einsteigerklasse locker sechs oder sieben Punkte am Stück machen, gegen ein Team, das den Ball schlicht nicht hochbekommt. Solche Aufschlagserien sind auf diesem Niveau die größte Punktquelle überhaupt — und mit „Annahme“ setzt du sie erst als Zweites ein.

Es gibt noch einen praktischen Punkt: viele Amateurteams beginnen nervös. Die erste Annahme eines Spiels ist einer der aufregendsten Bälle des Tages, während der erste eigene Aufschlag etwas ist, das du selbst in der Hand hast. Für ein junges oder unsicheres Team kann „wir schlagen auf“ deshalb ruhiger beginnen als „wir nehmen an“.

Eine Entscheidungsregel für dein Team

Was es mit deiner Rotationsreihenfolge macht

Die Wahl hat eine Folge, die oft vergessen wird. Beginnst du mit dem Aufschlag, ist dein P1-Spieler sofort an der Reihe und dein Team hat noch keinen einzigen Ballwechsel gespielt. Beginnst du mit der Annahme, spielt dein Team erst einen Annahmeballwechsel, und dein P1-Spieler schlägt erst auf, nachdem ihr gepunktet habt. In beiden Fällen bestimmt deine Startaufstellung, welche Rotation du zu Beginn des Satzes ausspielst — und das ist am Ende ein größerer Regler als der Losentscheid selbst.

Besprich es vor dem Spiel, nicht beim Schiedsrichter. Sag deinem Kapitän: gewinnen wir die Auslosung, wählen wir Annahme — oder Aufschlag, mit dieser Begründung. Ein Kapitän, der an Ort und Stelle nachdenken muss, wählt das, was der Gegner letzte Woche gewählt hat.

Häufige Fragen

Ist es besser, im Volleyball aufzuschlagen oder anzunehmen?

Statistisch ist Annahme leicht im Vorteil, weil das annehmende Team den Ballwechsel häufiger gewinnt als das aufschlagende. Auf niedrigerem Niveau, wo ein starker Aufschläger lange Serien machen kann, wiegt dieser Vorteil weniger schwer.

Darf man beim Losentscheid auch die Spielfeldhälfte wählen?

Ja. Der Gewinner der Auslosung wählt entweder den Aufschlag oder die Spielfeldhälfte; der Gegner bekommt die andere Wahl. In Hallen mit viel Sonnenlicht oder schwierigem Hintergrund kann die Seite schwerer wiegen als der Aufschlag.

Ändert sich die Wahl pro Satz?

Die Wahl gilt nur für den ersten Satz; danach dreht es sich Satz für Satz um. Kommt es zum Entscheidungssatz, folgt davor eine neue Auslosung, und die Teams wechseln bei acht Punkten die Spielfeldhälfte.

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