Darf der Libero schmettern oder blocken? Die Netzregeln
Der Ball kommt hoch zurück, dein Libero steht zufällig vorne und schlägt ihn weg. Punkt — oder Fehler? Am Netz gelten für den Libero zwei getrennte Verbote, die etwas anders funktionieren, als die meisten Spieler denken, und der Unterschied liegt in der Höhe des Balls.
Blocken: niemals, und nicht einmal ein Versuch
Regel 19.3.2.2 ist die strengste Einschränkung, die ein Volleyballer kennt: der Libero darf nicht blocken und keinen Blockversuch unternehmen. Das geht weiter als die Regel für gewöhnliche Hinterspieler, die nur bestraft werden, wenn sie bei einer Blockaktion den Ball berühren. Für den Libero ist die Handlung selbst schon ein Fehler: am Netz mit den Händen über der Netzkante hochzuspringen ergibt einen Fehler, auch ohne Ballkontakt.
Auch Teil eines kollektiven Blocks zu sein ist nicht erlaubt. Ein Gruppenblock, in dem der Libero mitsteht, ist fehlerhaft, sobald er an dieser Aktion teilnimmt. Den Unterschied zur Hinterspielerregel behandeln wir in darf ein Hinterspieler blocken.
Angreifen: nur über der Netzkante verboten
Hier steckt die Nuance, die oft übersehen wird. Regel 19.3.2.1 verbietet dem Libero das Abschließen eines Angriffsschlags von jeder beliebigen Stelle — Spielfeld und Freizone — wenn der Ball im Moment des Kontakts vollständig höher ist als die Oberkante des Netzes.
Zwei Dinge folgen daraus:
- Der Ort spielt keine Rolle. Anders als bei gewöhnlichen Hinterspielern hilft dem Libero ein Absprung hinter der Drei-Meter-Linie nicht. Auch aus sechs Metern darf er einen Ball, der vollständig über der Netzkante ist, nicht abschließen.
- Die Höhe spielt sehr wohl eine Rolle. Ist der Ball im Kontaktmoment nicht vollständig über der Netzkante — ragt noch ein Teil unter die Netzoberkante — dann darf der Libero ihn ganz normal mit Kraft über das Netz spielen. Ein Downball, ein niedriger Lob oder ein strammer Bagger über das Netz sind also erlaubt.
Der Vergleich mit den gewöhnlichen Hinterspielerregeln steht in den Drei-Meter-Regeln: die drehen sich um den Ort des Absprungs, diese um die Höhe des Balls.

Weil der Libero einen Ballwechsel nie am Netz abschließt, beurteilst du ihn an den Zahlen, die tatsächlich zählen: Annahmebewertungen und Abwehraktionen pro Satz werden in Koach pro Spieler mitgeführt.
Die dritte Einschränkung: das Zuspiel in der Vorderzone
Es gibt noch eine Regel, die indirekt mit dem Netz zu tun hat. Spielt der Libero den Ball oben mit den Fingern aus der Vorderzone zu, dann darf sein Mitspieler diesen Ball nicht angreifen, wenn er ihn vollständig über der Netzkante trifft. Der Fehler liegt dann beim Angreifer, nicht beim Libero. Die vollständige Ausarbeitung steht in darf der Libero oben zuspielen.
Was der Libero sehr wohl darf
Die Liste ist kürzer als die Verbotsliste, aber sie ist das Herz der Rolle:
- Annehmen und verteidigen an jeder Stelle im Feld und in der Freizone.
- Den zweiten Ball spielen, oben oder unten — mit der oben genannten Einschränkung für den Angreifer, der folgt.
- Springen für eine Abwehraktion oder ein Zuspiel, solange es keine Blockaktion am Netz ist.
- Den Ball über das Netz spielen, sofern er im Kontaktmoment nicht vollständig über der Netzkante ist.
- Unbegrenzt wechseln mit Hinterspielern — siehe die Liberowechsel-Regeln.
Aufschlagen darf er nicht; das behandeln wir gesondert in darf der Libero aufschlagen.
Kurz zusammengefasst: alles, was der Libero tut, passiert unter der Netzkante oder weit weg vom Netz. Über der Netzkante ist er schlicht kein Spieler.
Wo es in der Praxis schiefgeht
- Der Reflexsprung am Netz. Ein Libero, der bei einem herübergerutschten Ball mitspringt, macht bereits einen Fehler, bevor er irgendetwas berührt. Bring ihm bei: am Netz bleiben die Hände unten.
- Der dritte Ball unter Druck. Der Libero steht hinten, der Ball kommt hoch zurück und er will ihn abschließen. Hängt dieser Ball über der Netzkante, ist das ein Fehler — wie verlockend auch immer.
- Das „einfach kurz hinübertippen“. Das ist gerade erlaubt, solange der Ball nicht vollständig über dem Netz ist. Viele Liberos lassen diesen Ball zu Unrecht laufen.
Jugend, Minivolleyball und Freizeitligen
Ab etwa 13 Jahren sind die Regeln mit denen der Erwachsenen identisch. Beim Minivolleyball gibt es die Rolle des Liberos nicht, weil Kinder dort gerade alle Aufgaben lernen sollen. In Freizeit- und Betriebsligen wird regelmäßig mit einem „Libero“ gespielt, der alles darf — das ist dann eine Hausregel und kein offizieller Libero; was dort gilt, steht im Reglement dieser Liga. Die übrigen Bestimmungen — Trikot, Benennung, zweiter Libero — findest du in den Libero-Regeln.
Häufige Fragen
Darf der Libero blocken?
Nein, niemals. Der Libero darf nicht blocken und nicht einmal einen Blockversuch unternehmen: am Netz mit den Händen über der Netzkante hochzuspringen ist bereits ein Fehler, auch ohne den Ball zu berühren.
Darf der Libero schmettern?
Nur wenn der Ball im Moment des Kontakts nicht vollständig über der Oberkante des Netzes ist. Ist er das doch, darf der Libero ihn nirgends abschließen — auch nicht von weit hinter der Drei-Meter-Linie.
Darf der Libero den Ball über das Netz spielen?
Ja, solange der Ball im Kontaktmoment nicht vollständig über der Netzkante ist. Ein Downball, ein niedriger Lob oder ein strammer Bagger über das Netz sind also ganz normal erlaubt.
Worin unterscheidet sich der Libero von einem gewöhnlichen Hinterspieler?
Bei einem gewöhnlichen Hinterspieler geht es um den Ort des Absprungs gegenüber der Drei-Meter-Linie, und nur ein vollendeter Block ist ein Fehler. Beim Libero geht es um die Höhe des Balls, das Angriffsverbot gilt überall, und schon ein Blockversuch ist ein Fehler.


