Über das Netz reichen: was ist beim Block erlaubt?
Zwei Hände, die knapp über dem Netzband auf der falschen Seite hängen: manchmal ist das ein perfekter Block, manchmal ein Fehler, der dich den Punkt kostet. Der Unterschied liegt nicht darin, wie weit du kommst, sondern in dem Moment, in dem du den Ball berührst.
Die Hauptregel: wo du den Ball berührst, entscheidet alles
Für den Angriff ist die Regel absolut: du darfst den Ball nur schlagen, wenn der Kontakt in deinem eigenen Spielraum stattfindet (Regel 13.2.1). Den Ball auf der Seite des Gegners zu berühren ist immer ein Fehler, wie hoch oder wie tief auch immer. Deine Hand darf nach dem Ballkontakt allerdings ganz normal über das Netz durchschwingen (11.1.2) — es geht ausschließlich um die Stelle, an der Ball und Hand sich treffen.
Für den Block liegt es anders. Regel 11.1.1: ein Blockspieler darf den Ball jenseits des Netzes berühren, sofern er das Spiel des Gegners vor oder während dessen Angriffsschlag nicht behindert. Und Regel 14.6.1 macht die Grenze hart: es ist ein Blockfehler, wenn der Blockspieler den Ball im Raum des Gegners vor oder gleichzeitig mit dem Angriffsschlag berührt.
Wann du also über das Netz reichen darfst
Übersetzt ins Spiel: deine Hände dürfen über dem Netz stehen, sobald:
- der Gegner seinen Angriffsschlag abgeschlossen hat — dann darfst du den Ball über ihrer Hälfte blocken;
- der Ball erkennbar auf dem Weg zu deiner Seite ist und der Gegner ihn nicht mehr spielen kann, etwa bei seiner dritten Berührung oder bei einer durchgerutschten Annahme.
Was du nicht darfst: den Ball über ihrer Hälfte berühren, während sie dafür noch Ballberührungen haben. Der klassische Fehler ist der Blockspieler, der das Zuspiel des Gegners wegtippt: der Zuspieler stellt den Ball bereit, der Blockspieler reicht hinüber und schlägt ihn weg, bevor der Angreifer geschlagen hat. Das ist ein Blockfehler — Punkt und Aufschlag für den Gegner.
Achtung: es geht um das Berühren des Balls. Die Hände über dem Netz zu halten, ohne den Ball zu berühren, ist für sich genommen kein Fehler, auch nicht während ihres Aufbaus. Ein Fehler ist es allerdings, wenn du damit den Spieler behinderst — dazu weiter unten mehr.

In der Übungsbibliothek von Koach stehen Blockübungen mit Animationen, damit Spieler lernen, über das Netz zu drücken, ohne es zu berühren.
Behindern: die andere Hälfte der Regel
Neben dem Ballkontakt gibt es einen eigenen Fehler: das Behindern des Gegners. Unter dem Netz durchzurutschen ist erlaubt, sofern du niemandem im Weg stehst (Regel 11.2). Konkret:
- Mit dem Fuß die Mittellinie oder sogar die andere Seite zu berühren ist erlaubt, solange ein Teil dieses Fußes auf oder über der Mittellinie bleibt.
- Mit anderen Körperteilen (Hand, Knie, Arm) die andere Seite zu berühren ist erlaubt, sofern du den Gegner damit nicht behinderst.
- Vollständig durchzurutschen in das Spielfeld des Gegners ist immer ein Fehler, genauso wie jede Aktion, die einen Gegner am Spielen hindert.
Dieses Behindern kann also auch über dem Netz passieren: ein Blockspieler, der mit den Armen über dem Netz im Gesicht des Zuspielers hängt oder den Arm des Angreifers festsetzt, macht einen Fehler — auch ohne den Ball zu berühren. Die verwandten Netzkontaktregeln stehen in den Netzfehlerregeln.
Vier Praxissituationen
- Blockspieler berührt den Ball über ihrer Hälfte, nach dem Schmetterschlag. Regelkonformer Block — oft ein Blockpunkt.
- Blockspieler tippt ihr Zuspiel weg, vor dem Schmetterschlag. Blockfehler: Punkt für den Gegner.
- Blockspieler blockt einen dritten Ball, der bereits über das Netz kommt. Regelkonform: der Gegner hatte keine Berührungen mehr.
- Angreifer berührt den Ball auf der anderen Seite des Netzes. Immer ein Fehler, auch wenn der Ball durch ein schlechtes Zuspiel dorthin geriet.
Was du damit trainierst
Zwei Fähigkeiten entscheiden, ob dein Team hier Punkte gewinnt oder hergibt. Die erste ist das Penetrieren: mit gestreckten Armen und leicht gekippten Handgelenken über das Netz drücken, statt die Arme senkrecht nach oben zu halten. Das verkleinert die Lücke zwischen Block und Netz und schickt den Ball nach unten statt nach oben. Die Technik steht in der Blocktechnik, Übungsformen in Blockübungen.
Die zweite ist das Timing: zu früh zu springen bedeutet, dass deine Hände über ihrer Hälfte hängen, während ihr Zuspieler noch stellen muss. Bring deinen Blockspielern bei, den Ball zu lesen statt den Angreifer, und erst zu springen, wenn der Angreifer seine Schlagbewegung einleitet. Wie du das mit deiner ganzen Blockfront organisierst, steht in den Block organisieren.
Jugend, Minivolleyball und Beach
Ab etwa 13 Jahren gilt exakt dieselbe Regel. Beim Minivolleyball wird auf den unteren Stufen nicht geblockt, die Situation kommt also nicht vor. Im Beachvolleyball gelten dieselben Bestimmungen zu Reichen und Behindern, mit einem Unterschied: unter dem Netz hindurchzulaufen ist dort vollständig erlaubt, weil es keine Mittellinie gibt — solange du den Gegner nicht behinderst.
Häufige Fragen
Darf man beim Blocken über das Netz reichen?
Ja, solange du den Ball nicht vor oder gleichzeitig mit dem Angriffsschlag des Gegners berührst und ihr Spiel nicht behinderst. Nach dem Angriffsschlag darfst du den Ball ganz normal über ihrer Spielhälfte blocken.
Darf man beim Angriff über das Netz schlagen?
Nein. Beim Angriff muss der Ballkontakt in deinem eigenen Spielraum stattfinden. Deine Hand darf nach dem Kontakt über das Netz durchschwingen; es geht ausschließlich um die Stelle, an der Hand und Ball sich treffen.
Darf man das Zuspiel des Gegners wegblocken?
Nur wenn der Gegner keine Ballberührungen mehr hat oder der Ball erkennbar schon zu deiner Seite kommt. Ein Zuspiel wegzutippen, während der Angreifer noch schlagen muss, ist ein Blockfehler.
Ist über das Netz reichen ohne Ballberührung ein Fehler?
An sich nicht. Es wird erst dann ein Fehler, wenn du damit den Gegner behinderst, etwa indem du den Arm des Angreifers blockierst oder dem Zuspieler die Sicht nimmst.


