Aufschlag berührt das Netz: zählt der Ball trotzdem?
Der Aufschlag tippt das Netzband an, verliert seine ganze Geschwindigkeit und fällt kerzengerade auf der anderen Seite herunter. Drei Annahmespieler sehen sich an, niemand kommt hin, Punkt. Unsportlich? Nein — seit über zwanzig Jahren völlig regelkonform, und eine der wenigen Regeländerungen, die das Spiel wirklich verändert haben.
Die Regel: das Netz berühren ist erlaubt
Ein Aufschlag, der das Netzband berührt und anschließend innerhalb des Durchgangsraums über das Netz geht, ist ganz normal im Spiel. Fällt er danach unberührt ins Feld des Gegners, ist es ein Punkt — und statistisch gesehen ein Ass. Es gibt keine Wiederholung, keinen zweiten Versuch, keine Ausnahme.
Das war nicht immer so. Bis zur Einführung des Rally-Point-Systems um das Jahr 2000 war ein Aufschlag, der das Netz berührte, schlicht fehlerhaft. Die FIVB hat diese Bestimmung gestrichen, um das Spiel schneller zu machen und den Aufschlag als Waffe zu stärken: seitdem ist jeder Ballwechsel einen Punkt wert, und ein aggressiver Aufschlag, der knapp über das Band schrammt, bringt schlicht Vorteil.
Wann ein Netzaufschlag doch fehlerhaft ist
Der Ball darf das Netz berühren, aber es gibt Grenzen (Regel 12.6.2):
- Der Ball kommt nicht hinüber. Bleibt der Aufschlag im Netz hängen oder fällt er auf deine eigene Hälfte zurück, ist es ein Aufschlagfehler: Punkt und Aufschlag für den Gegner.
- Der Ball berührt die Antenne. Sofort aus, auch wenn er danach im Feld landet.
- Der Ball passiert das Netz außerhalb des Durchgangsraums. Ganz oder teilweise außerhalb der Antennen ist ein Fehler — siehe Ball außerhalb der Antenne.
- Der Ball berührt das Netz außerhalb der Seitenbänder, oder einen Pfosten oder ein Spannseil. Auch dann ist er aus.
Kurz gesagt: das Netz selbst, zwischen den Antennen, ist erlaubt. Alles daneben nicht.

Ein Netzaufschlag, der innen landet, bringt genau so viel wie jedes andere Ass, und Koach zählt Asse und Aufschlagfehler pro Spieler automatisch mit.
Und während des Ballwechsels?
Dieselbe Logik gilt den ganzen Ballwechsel hindurch: der Ball darf das Netz unbegrenzt berühren, darüberrollen und trotzdem hinübergehen. Was nicht erlaubt ist: dass ein Spieler das Netz während der Aktion des Ballspielens berührt — das ist ein Netzfehler, mit allen Feinheiten in den Netzfehlerregeln. Der Unterschied ist also Ball gegen Spieler: der Ball darf alles mit dem Netz, der Spieler nichts.
Eine Situation sorgt immer wieder für Diskussion: der Ball, der auf dem Netzband liegen bleibt und langsam darüberrollt. Solange er innerhalb der Antennen auf der anderen Seite herunterkommt, ist das ganz normales Spiel — auch wenn es deine dritte Berührung war. Rollt er auf deine eigene Hälfte zurück, gilt dieselbe Regel wie immer: er ist noch im Spiel, solange du Berührungen übrig hast, und erst dann ein Fehler, wenn es deine dritte war.
Wie du einen Netzaufschlag annimmst
Ein Netzaufschlag ist schwierig, weil er zwei Dinge gleichzeitig tut: er verliert Geschwindigkeit und ändert die Richtung, meist steiler nach unten. Drei Absprachen, die funktionieren:
- Der mittlere Annahmespieler geht standardmäßig nach vorne. Fast jeder Netzaufschlag fällt kurz, in das Dreieck zwischen Drei-Meter-Linie und Netz. Wer sich dafür vorher zuständig fühlt, ist auch da.
- Rufen, bis der Ball liegt. Ein Netzaufschlag erzeugt Zweifel, und Zweifel führt dazu, dass zwei Spieler gleichzeitig stehen bleiben. Lass deine Annahmespieler bis zur Berührung durchrufen.
- Oben ist erlaubt. Ein kurzer, langsamer Ball lässt sich oft besser im oberen Zuspiel annehmen als im Bagger — sofern deine Spieler das trainieren. Die Technik steht in oberes Zuspiel.
- Trainiere ihn absichtlich. Lass in Aufschlagübungen bewusst Bälle gegen das Band schlagen und lass die annehmende Seite sie ausspielen. Dann ist der Netzaufschlag keine Überraschung mehr, sondern eine bekannte Situation.
Was es für deine Aufschläger bedeutet
Der Netzaufschlag ist keine Taktik — niemand kann ihn steuern. Aber er ist ein Argument dafür, flach über das Band aufzuschlagen. Ein Flatteraufschlag, der das Band knapp verfehlt, erzeugt die meisten Annahmeprobleme; dass er ab und zu das Band trifft, ist dann kein Risiko, sondern ein Bonus. Wer hoch und sicher über das Netz aufschlägt, schenkt der annehmenden Mannschaft einen leichten Ball. Wie du diese flache Flugbahn beibringst, steht in dem Flatteraufschlag, und wohin du ihn schickst in zielgerichtet aufschlagen.
Jugend, Minivolleyball und Beach
Die Regel ist überall identisch: ab etwa 13 Jahren wird nach den FIVB-Spielregeln gepfiffen und der Netzaufschlag zählt ganz normal. Beim Minivolleyball ist das nicht anders, auch wenn der Ball dort auf den unteren Stufen aus kürzerer Distanz ins Spiel gebracht wird. Auch im Beachvolleyball ist ein Aufschlag, der das Netz berührt und hinübergeht, vollständig gültig — dort bestand die alte Regel genauso wenig fort.
Häufige Fragen
Zählt ein Aufschlag, der das Netz berührt und hinübergeht?
Ja. Seit etwa 2000 ist der Netzaufschlag ganz normal gültig: berührt der Ball das Netz zwischen den Antennen und geht er innerhalb des Durchgangsraums hinüber, ist er im Spiel. Fällt er unberührt ins Feld, ist es ein Punkt und ein Ass.
Wann ist ein Netzaufschlag doch fehlerhaft?
Wenn der Ball nicht über das Netz kommt, wenn er die Antenne berührt, wenn er die Netzebene ganz oder teilweise außerhalb des Durchgangsraums passiert, oder wenn er das Netz außerhalb der Seitenbänder, einen Pfosten oder ein Spannseil berührt.
Wurde ein Netzaufschlag früher wiederholt?
Nein, früher war ein Aufschlag, der das Netz berührte, schlicht fehlerhaft. Bei der Einführung des Rally-Point-Systems wurde diese Bestimmung gestrichen, um das Spiel schneller zu machen und dem Aufschlag mehr Gewicht zu geben.
Darf der Ball während des Ballwechsels das Netz berühren?
Ja, unbegrenzt: der Ball darf das Netz berühren, darüberrollen und trotzdem hinübergehen. Nur ein Spieler darf das Netz während der Aktion des Ballspielens nicht berühren.


