Ball außerhalb der Antenne: aus, oder noch zu retten?
Die Annahme rutscht durch, der Ball segelt weit außerhalb der Antenne aus dem Feld und alle lassen ihn laufen. Schade — denn in einer der beiden Situationen ist dieser Ball überhaupt nicht tot und du hättest ihn ganz regulär zurückholen dürfen. Der Unterschied liegt in der Netzseite, auf der sich der Ball befindet.
Was die Antenne markiert
Die beiden Antennen sind flexible Stäbe von 1,80 Metern, die am Netz befestigt sind, genau über der Außenkante der Seitenlinien; 80 Zentimeter ragen über das Netz hinaus. Zusammen mit der Oberkante des Netzes, der gedachten Verlängerung der Antennen nach oben und der Decke begrenzen sie den Durchgangsraum: den Raum, innerhalb dessen der Ball das Netz passieren muss, um ins Feld des Gegners zu gelangen (Regel 10.1.1).
Alles außerhalb dieses Durchgangsraums — links und rechts der Antennen und unter dem Netz hindurch — heißt Außenraum. Diese Unterscheidung ist der Schlüssel zur ganzen Regel. Wo die Antennen genau stehen, liest du in den Abmessungen eines Volleyballfelds.
Wann der Ball wirklich aus ist
Der Ball ist aus, sobald er (Regel 8.4):
- die Antenne berührt — auch wenn er danach sauber im Feld landet;
- das Netz außerhalb der Seitenbänder berührt oder einen Pfosten oder ein Spannseil trifft;
- die senkrechte Netzebene ganz oder teilweise außerhalb des Durchgangsraums passiert und damit auf der anderen Seite ankommt;
- den Boden außerhalb des Feldes, die Decke oder eine Person außerhalb des Spiels berührt.
Achte auf den dritten Punkt: teilweise außerhalb des Durchgangsraums genügt bereits. Ein Ball, der mit dem Rand an der Antenne vorbeischrammt und halb dahinter durchgeht, ist aus — auch wenn er von der Seite betrachtet innen durchzugehen scheint. Berührt er die Antenne, ist es ohnehin vorbei.
Die Ausnahme: außen herum zurückholen
Jetzt die Regel, die Ballwechsel rettet (10.1.2.2). Geht der Ball in die Freizone des Gegners, ganz oder teilweise durch den Außenraum, dann ist er noch nicht tot. Dein Team darf ihn innerhalb der verbleibenden Ballberührungen zurückholen, unter einer Bedingung: der Ball muss die Netzebene erneut passieren, und zwar durch denselben Außenraum, auf derselben Feldseite. Ging er links außen an der Antenne weg, muss er auch links wieder zurück.
Zwei Dinge werden oft falsch verstanden. Erstens: es gibt keine Höhenvorgabe. Der Ball darf unter Netzhöhe zurück, knapp über dem Boden entlang, quer durch den Außenraum — solange er nur auf derselben Seite zurückkommt. Zweitens: nachdem du ihn zurückgeholt hast, muss er innerhalb deiner drei Berührungen trotzdem sauber durch den Durchgangsraum über das Netz. Die Rettungsaktion kostet also eine Berührung.

Ballwechsel, die du so rettest, lassen einen Satz umschlagen — und hinterher siehst du an der Momentumlinie in Koach genau, an welchem Punkt dieser Umschwung stattfand.
Was der Gegner darf und was nicht
Der Gegner darf diese Aktion nicht verhindern. Er darf den Ball in seiner eigenen Freizone nicht wegtippen oder blocken, um deine Rettung unmöglich zu machen; tut er das, ist es sein Fehler. Sehr wohl darf er den Ball selbst spielen, wenn dieser seine Seite noch nicht berührt hat — dann ist es schlicht sein Ball geworden und die Berührung zählt als seine erste.
Und du selbst darfst in die Freizone des Gegners, um den Ball zu holen, sofern du ihn nicht behinderst (Regel 11.2.4). Unter dem Netz hindurchzulaufen ist also erlaubt, solange niemand dadurch gestört wird; was am Netz sonst noch erlaubt ist und was nicht, steht in den Netzfehlerregeln.
Dieselbe Regel, zwei Praxisbilder
- Überspielte Annahme außerhalb der Antenne. Ein harter Aufschlag prallt beim Gegner ab und segelt außerhalb der Antenne in deine Freizone. Das ist die umgekehrte Situation: jetzt darf er ihn außen herum zurückholen. Lass deine Abwehrspieler also weiterspielen, bis der Ball den Boden berührt.
- Durchgerutschte Annahme. Dein Annahmespieler schickt den Ball außerhalb der Antenne Richtung Gegenseite. Dein Außenangreifer sprintet hinterher, spielt ihn in der Freizone des Gegners auf derselben Seite zurück, und dein Zuspieler kann noch etwas daraus machen. Das ist regelkonform und spektakulär — und genau der Grund, warum Teams, die Out-of-System-Situationen trainieren, mehr Ballwechsel gewinnen.
So trainierst du es
Der Grund, warum dieser Ball liegen gelassen wird, ist fast nie Unwissenheit beim Trainer und fast immer Zögern beim Spieler. Bau deshalb eine feste Übung ein: wirf Bälle bewusst außerhalb der Antenne Richtung Gegenseite und lass das Team drei Berührungen daraus machen. Legt fest, wer hinterherläuft (in der Regel der Außenangreifer auf dieser Seite) und wer das Netz freihält. Zweimal pro Saison zehn Minuten genügen, um das Zögern herauszubekommen. Der Rest des Regelrahmens steht in alle Volleyballregeln im Überblick.
Häufige Fragen
Ist ein Ball, der die Antenne berührt, immer aus?
Ja. Die Antenne zu berühren macht den Ball sofort aus, auch wenn er danach innerhalb der Linien landet. Dasselbe gilt für das Netz außerhalb der Seitenbänder, die Pfosten und die Spannseile.
Darf man einen Ball außen an der Antenne vorbei zurückholen?
Ja, wenn der Ball in die Freizone des Gegners gegangen ist. Du darfst ihn innerhalb deiner verbleibenden Berührungen zurückholen, sofern er die Netzebene wieder durch denselben Außenraum auf derselben Feldseite passiert.
Darf dieser Ball unter Netzhöhe zurückkommen?
Ja. Beim Zurückholen außen herum gibt es keine Höhenvorgabe: der Ball darf knapp über dem Boden an der Antenne vorbei zurück, solange er auf derselben Seite bleibt. Danach muss er allerdings innerhalb deiner drei Berührungen sauber durch den Durchgangsraum über das Netz.
Darf der Gegner diese Rettungsaktion verhindern?
Nein. Der Gegner darf den zurückkehrenden Ball nicht wegtippen oder blocken, um deine Aktion unmöglich zu machen; das ist sein Fehler. Er darf den Ball aber ganz normal spielen, wenn er ihn auf seiner Seite selbst übernehmen will.


