Ball auf der Linie: drin oder draußen im Volleyball?
Der Ball landet auf der Grundlinie, die eine Hälfte der Halle ruft „aus“, die andere „drin“. Die Regel ist glasklar und die Diskussion damit überflüssig — auch wenn in der Beurteilung mehr Feinheit steckt, als die meisten Spieler denken.
Die Regel: die Linie gehört zum Feld
Der Ball ist drin, sobald er den Boden des Spielfelds berührt, inklusive der Begrenzungslinien (Regel 8.3). Diese Linien sind 5 Zentimeter breit und werden innerhalb der Feldmaße gezogen: die 18 mal 9 Meter sind bis einschließlich der Außenkante der Linien gemessen. Ein Ball, der die Linie auch nur um einen Millimeter berührt, ist also drin.
Die Kehrseite steht in Regel 8.4.1: der Ball ist aus, wenn der Teil des Balls, der den Boden berührt, vollständig außerhalb der Begrenzungslinien liegt. Es geht also nicht darum, wo der Ball zu fallen scheint, sondern um die Auflagefläche auf dem Boden. Die Feldmaße und alle Linien stehen in Abmessungen eines Volleyballfelds.
Wo die Auflagefläche liegt
Ein Volleyball ist kein Punkt, sondern eine Kugel, die beim Aufkommen flach gedrückt wird. Diese flachgedrückte Fläche — bei einem harten Schmetterschlag schnell zehn bis fünfzehn Zentimeter breit — ist das, was zählt. Ein Ball, der schräg einfällt und optisch neben der Linie zu landen scheint, kann mit seiner Auflagefläche trotzdem die Linie berühren. Deshalb schaut ein Linienrichter nicht auf den Ball in der Luft, sondern auf den Moment des Aufkommens, und das am liebsten von der Seite entlang der Linie.
Zwei hartnäckige Missverständnisse, die du aus deinem Team holen kannst:
- „Er ist ins Feld gesprungen, also war er drin.“ Unsinn. Wohin der Ball nach dem Aufkommen springt, bestimmt der Drall und sagt nichts über den Kontaktpunkt aus.
- „Ich habe Licht zwischen Ball und Linie gesehen.“ Aus einem Winkel siehst du die Auflagefläche nie; diese Wahrnehmung ist physikalisch unzuverlässig.

Eine einzige Linienentscheidung kann einen Satz kippen lassen — scorst du live in Koach mit, liest du hinterher nach, bei welchem Ballwechsel das passierte.
Wer entscheidet was
Der erste Schiedsrichter entscheidet, immer. Bei Spielen auf höherem Niveau helfen zwei oder vier Linienrichter: Fahne nach unten bedeutet drin, Fahne nach oben bedeutet aus, Fahne nach oben mit einem Tippen auf die Spitze bedeutet „berührt“ (der Ball ist aus, aber über den Block oder einen Abwehrspieler), und ein Schwenken entlang der Grundlinie zeigt einen Fußfehler des Aufschlägers an. Der erste Schiedsrichter darf ein Fahnenzeichen überstimmen; das führt auf der Tribüne zu Empörung, ist aber vollkommen korrekt. Alle Zeichen stehen in Schiedsrichterzeichen erklärt.
In unteren Ligen gibt es keine Linienrichter und oft steht sogar nur ein Schiedsrichter am Feld, der schräg über das Feld schaut. Das erklärt, warum Linienentscheidungen dort häufiger strittig sind — nicht weil die Regel anders wäre, sondern weil es buchstäblich weniger Augen gibt. Auf höchstem Niveau existiert daneben eine Videochallenge, bei der der Trainer eine begrenzte Anzahl Mal pro Satz eine Überprüfung verlangen kann.
Andere Linien, andere Folgen
Nicht jede Linie funktioniert gleich:
- Die Begrenzungslinien (Seiten- und Grundlinie): gehören zum Feld — Ball darauf ist drin.
- Die Angriffslinie (Drei-Meter-Linie): gehört zur Vorderzone. Ein Hinterspieler, der mit der Ferse auf der Linie abspringt, springt in der Vorderzone ab und macht damit einen Fehler — siehe die Drei-Meter-Regeln.
- Die Grundlinie beim Aufschlag: gehört zum Feld und ist damit verbotenes Terrain für den Aufschläger — siehe Fußfehler beim Aufschlag.
- Die Mittellinie: gehört zu beiden Spielhälften und darf deshalb von beiden Teams berührt werden.
So organisierst du das Rufen
Die meisten an Linienbällen verlorenen Punkte entstehen nicht durch falsche Beurteilungen des Schiedsrichters, sondern dadurch, dass Spieler selbst den Ball fallen lassen, der drin war. Drei Absprachen, die das lösen:
- Der Spieler, der der Linie am nächsten steht, ruft. Nicht der Spieler, der beim Ball steht — der schaut auf den Ball und nicht auf die Linie.
- Im Zweifel: spielen. Ein Ball, den du spielst und der aus war, kostet nichts; ein Ball, den du fallen lässt und der drin war, kostet einen Punkt.
- Ruf erst „aus“, wenn der Ball schon vorbei ist. Wer zu früh ruft, lässt den Ball auf Basis einer Einschätzung fallen, die hinterher knapp falsch war.
Bei Jugend und Minivolleyball gilt exakt dieselbe Regel: Linien gehören zum Feld. Beim Minivolleyball wird auf verkleinerten Feldern gespielt, die oft mit Bändern abgesteckt sind — dann lautet die Absprache vorher, dass das Band selbst ebenfalls zum Feld gehört. Der vollständige Regelüberblick steht in alle Volleyballregeln im Überblick.
Häufige Fragen
Ist ein Ball auf der Linie drin oder draußen?
Drin. Die Begrenzungslinien sind 5 Zentimeter breit und gehören zum Spielfeld, also ist ein Ball, der die Linie auch nur berührt, drin. Das gilt für die Seitenlinien genauso wie für die Grundlinie.
Worauf schaut der Schiedsrichter genau?
Auf den Teil des Balls, der den Boden berührt. Ein Ball wird beim Aufkommen flach gedrückt, und diese Auflagefläche entscheidet — nicht, wohin der Ball danach springt oder wie er von der Seite zu fallen scheint.
Gehört die Drei-Meter-Linie auch zum Feld?
Die Drei-Meter-Linie ist keine Begrenzungslinie, sondern gehört zur Vorderzone. Für einen Hinterspieler, der über Netzhöhe angreifen will, bedeutet ein Absprung auf der Linie also ein Absprung in der Vorderzone, und das ist ein Fehler.
Darf der Schiedsrichter einen Linienrichter überstimmen?
Ja. Der erste Schiedsrichter entscheidet immer und darf ein Fahnenzeichen übergehen. Das ist regeltechnisch vollkommen korrekt, auch wenn es an der Seitenlinie oft für Verwunderung sorgt.


