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Ball im Netz: so holst du ihn doch noch heraus

Ein Ball, der im Netz landet, wird von den meisten Amateurteams als verlorener Punkt behandelt. Zu Unrecht: er ist ganz normal im Spiel, und mit ein wenig Lesearbeit ist er überraschend gut zu retten. Das bringt pro Spiel schnell ein paar Punkte, mit denen niemand gerechnet hat.

Lesezeit: 5 Min.

Die Regel: er ist noch ganz normal im Spiel

Ein Ball, der das Netz berührt, ist nicht tot. Solange dein Team das Maximum von drei Berührungen noch nicht ausgeschöpft hat, darfst du ihn weiterspielen — das Netz zu treffen kostet dich nichts und zählt nicht als Berührung. Konkret heißt das: berührt der Ball das Netz bei der ersten Berührung, hast du noch zwei Bälle; passiert es bei der zweiten, hast du noch einen.

Zwei Dinge sind verboten. Du darfst das Netz während deiner Aktion nicht selbst berühren (der Ball darf es), und du darfst den Ball nicht unter dem Netz hindurch ins Feld des Gegners spielen. Alle Feinheiten zur Netzberührung stehen in den Netzfehlerregeln. Ansonsten ist es ein ganz normaler Ball, und die meisten Teams verlieren ihn nur, weil niemand weiß, wo er herauskommt.

Wo kommt der Ball heraus? Lies die Höhe

Das ist überraschend gut vorherzusagen, denn ein Volleyballnetz ist oben straff und unten locker:

Faustregel für den Spieler, der ihn holt: je tiefer der Ball das Netz trifft, desto näher und desto tiefer musst du sein. Bei einem Ball im Netzband gehst du dagegen einen Meter zurück.

Stell dich parallel zum Netz

Das ist das Detail, das am meisten bringt und das praktisch niemand macht. Der Reflex ist, frontal zum Netz zu laufen. Tu das nicht: stell dich mit den Schultern parallel zum Netz, mit dem Gesicht zur Seitenlinie. Zwei Vorteile. Erstens hängst du nicht im Netz, wenn du den Ball tief spielen musst. Zweitens — und das ist der Gewinn — lenkt dein Spielbrett den Ball dann automatisch am Netz entlang nach oben statt gerade hinein.

Die Haltung ist die eines Abwehrspielers: tief, Füße breit, Gewicht nach vorn, Spielbrett erst formen, wenn du weißt, wo der Ball hinkommt. Wer hier aufrecht stehen bleibt, kommt nicht mehr darunter. Die Basis steht bei Verteidigen im Volleyball.

Spiel ihn hoch und in die Mitte

Das Ziel ist kein schönes Zuspiel, das Ziel ist Zeit. Spiele den Ball hoch — drei Meter oder mehr — und Richtung Mitte deines eigenen Feldes, gut weg vom Netz. Von dort aus kann dein Team doch noch einen Angriff aufbauen oder zumindest einen anständigen Ball über das Netz bringen. Ein Ball aus dem Netz, den du straff am Netzband entlang spielst, ist ein Geschenk für den Block des Gegners.

Klappt es mit zwei Armen nicht, nimm einen Arm oder notfalls die flache Hand auf dem Boden. Jede Berührung zählt, und ein Ball, der aus einer unmöglichen Haltung hoch ins Feld kommt, ist eine gelungene Aktion, auch wenn sie hässlich aussieht.

Das ist eine Situation, die du einmal durchdenkst und die ganze Saison weiterverwendest. Speicherst du deinen Chaosball-Block in einer App wie Koach als festen Bestandteil deiner Trainingsvorlage, steht er im März immer noch da — und bis dahin sammelt dein Team Bälle auf, die der Gegner längst abgeschrieben hatte.

Trainingsprogramm aus Blöcken aufgebaut, bereit zum Speichern als Vorlage
Ein Chaosball-Block, den du einmal aufbaust und die ganze Saison wiederverwendest.

Wer nimmt ihn? Macht eine Absprache daraus

Die meisten Netzbälle fallen nicht, weil sie unerreichbar sind, sondern weil drei Spieler einander ansehen. Legt deshalb fest, wer geht:

  1. Der Spieler, der dem Netz am nächsten steht und den Ball nicht verursacht hat, geht darauf zu — meist der Angreifer auf Position 4 oder der Mittelspieler.
  2. Der Zuspieler bleibt weg vom Ball aus dem Netz, wenn es die erste oder zweite Berührung ist, damit er den nächsten Ball spielen kann.
  3. Wer geht, ruft. „Ich!“ in dem Moment, in dem der Ball das Netz trifft, nicht erst, wenn er schon herausfällt.
  4. Der Rest geht zurück. Ein Ball aus dem Netz kommt oft weich und kurz — zwei Spieler, die nach vorn hechten, stoßen zusammen, während hinten niemand steht.

Was du mit dem dritten Ball machst

Ist der Ball aus dem Netz deine dritte Berührung, muss er hinüber. Wähle dann bewusst: hoch und tief in die Ecke, nicht straff oder hart. Du stehst wahrscheinlich tief und aus dem Gleichgewicht, und ein erzwungener Angriff aus dieser Haltung ergibt fast immer einen Fehler. Spiele den Ball so, dass dein Team Zeit hat, sich zu erholen und auf den Gegenangriff zu organisieren — die Logik von Out-of-System spielen gilt hier vollständig.

Trainieren: wirf sie bewusst hinein

Diese Situation lernst du nur, indem du sie hundertmal erlebst. Stell dich selbst auf die andere Netzseite und wirf Bälle bewusst ins Netz: hoch ins Band, mittig, tief am Boden. Deine Spieler müssen daraus einen spielbaren Ball machen, der hoch in der Mitte ihres Feldes ankommt. Baue es danach zu einem vollen Ballwechsel aus, damit das Retten zu etwas führt.

Macht außerdem eine Teamregel daraus, dass ein Ball aus dem Netz nie stillschweigend aufgegeben wird. Allein die Tatsache, dass jemand darauf zugeht, bringt pro Spiel ein paar Ballwechsel, die du sonst hergegeben hättest.

Häufige Fragen

Darf man einen Ball, der ins Netz geschlagen wurde, noch spielen?

Ja. Solange dein Team seine drei Berührungen noch nicht ausgeschöpft hat, ist der Ball ganz normal im Spiel. Dass der Ball das Netz berührt, zählt nicht als Berührung und ist kein Fehler.

Wo kommt ein Ball aus dem Netz heraus?

Das hängt von der Höhe ab. Hoch im gespannten Netzband federt der Ball bis etwa einen Meter vom Netz zurück; mitten im Netz sinkt er praktisch senkrecht nach unten; tief im lockeren Teil fällt er senkrecht dicht am Boden.

Wie stellt man sich bei einem Ball aus dem Netz?

Tief und mit den Schultern parallel zum Netz, das Gesicht zur Seitenlinie. So spielst du den Ball automatisch am Netz entlang nach oben statt wieder hinein und hängst nicht im Netz, wenn du tief gehen musst.

Darf man den Ball unter dem Netz hindurch zurückspielen?

Nein. Der Ball muss zwischen den Antennen über das Netz gehen. Unter dem Netz hindurch ins Feld des Gegners zu spielen ist ein Fehler, auch wenn der Ball selbst noch im Spiel ist.

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