Darf der Libero Kapitän sein? So steht diese Regel heute
Dein erfahrenster Spieler ist dein Libero, steht fast das ganze Spiel auf dem Feld und redet als Einziger ruhig mit dem Schiedsrichter. Logischer Kapitän, sollte man meinen. Jahrelang war das verboten; inzwischen ist es erlaubt — mit einem praktischen Haken, den Teams gerne übersehen.
Zwei Kapitäne: auf dem Papier und auf dem Feld
Volleyball kennt zwei Arten von Kapitän, und dieser Unterschied ist die Grundlage der ganzen Regel:
- Der Mannschaftskapitän steht auf dem Spielbericht, macht die Auslosung, unterschreibt den Bericht nach dem Spiel und kann einen Protest eintragen lassen.
- Der Spielkapitän ist der Kapitän, der in diesem Moment auf dem Feld steht. Er ist der einzige Spieler, der während des Spiels mit dem Schiedsrichter sprechen darf (Regel 5.1.2).
Solange der Mannschaftskapitän auf dem Feld steht, ist er auch Spielkapitän. Sobald er herausgeht — gewechselt oder als Hinterspieler vom Libero ersetzt — muss jemand anderes benannt werden. Der bleibt Spielkapitän, bis der Mannschaftskapitän zurückkommt.
Was sich geändert hat
In den älteren FIVB-Spielregeln stand es ausdrücklich in Artikel 19.1.3: der Libero durfte weder Mannschaftskapitän noch Spielkapitän sein. Die Begründung war praktisch: der Libero verlässt das Feld ständig, und ein Kapitän, der alle paar Ballwechsel verschwindet, macht die Kommunikation mit dem Schiedsrichter unübersichtlich.
Bei der Regelrevision von 2021 wurde diese Bestimmung gestrichen. In den aktuellen FIVB-Spielregeln — die die nationalen Verbände wie der DVV praktisch eins zu eins übernehmen — darf der Libero also sehr wohl Kapitän sein, sowohl auf dem Bericht als auch auf dem Feld. Spielst du in einer Liga, die mit einem älteren Reglement arbeitet (das kommt in manchen Freizeit- und Betriebsligen vor), prüfe dann die Ordnung dieses Verbands; nur dort kann das Verbot noch gelten.

Hast du die Wahl einmal getroffen, markierst du deinen Kapitän — und einen Ersatzkapitän — in deinem Kader in Koach, damit für alle festliegt, wer für das Team spricht.
Die Falle: der Libero wechselt ständig
Die Regel ist gelockert, die Praxis nicht. Ein Libero geht jedes Mal heraus, sobald der Spieler, den er ersetzt, auf Position 1 dreht und aufschlagen muss — siehe die Liberowechsel-Regeln. In diesem Moment steht dein Kapitän außerhalb des Feldes und du hast keinen Spielkapitän, ausgerechnet in der Rotation, in der du selbst aufschlägst und in der Diskussionen über die Aufschlagreihenfolge entstehen.
Entscheidest du dich trotzdem für deinen Libero als Kapitän, dann benenne vorher einen festen Vertreter, der die Rolle jedes Mal übernimmt — nicht spontan den nächstbesten Spieler. Das erspart dir einen Schiedsrichter, der nicht weiß, wen er ansehen soll, und es erspart deinem Libero das Gefühl, von der Seitenlinie aus weiter mitreden zu müssen. Das ist nämlich nicht erlaubt: außerhalb des Feldes ist er ein ganz normaler Spieler.
Was der Kapitän eigentlich darf
Viele Teams überschätzen die Rolle. Der Spielkapitän darf:
- um Erklärung zur Anwendung oder Auslegung einer Regel bitten — nicht zu einer Ermessensentscheidung wie einem geführten Ball;
- um Erlaubnis bitten, Trikot oder Schuhe zu wechseln, oder Aufstellung und Netzspannung überprüfen zu lassen;
- eine Auszeit oder einen Wechsel beantragen, wenn das Team keinen Trainer hat;
- sich nach dem Spiel bei den Schiedsrichtern bedanken und den Bericht unterschreiben — und, wenn er mit der Anwendung einer Regel nicht einverstanden ist, einen Protest eintragen lassen.
Was er nicht darf: über jede Entscheidung weiterreden. Wer nachbohrt, kassiert zuerst eine Verwarnung und danach eine Karte. Welche Zeichen der Schiedsrichter dabei verwendet, steht in Schiedsrichterzeichen erklärt.
Wie du es im Spielbericht festhältst
Der Mannschaftskapitän wird vor dem Spiel im Spielbericht mit einem großen C hinter seiner Rückennummer gekennzeichnet; die gemeldeten Spieler ohne diese Kennzeichnung sind es nicht. Wechselst du den Kapitän zwischen zwei Sätzen, meldest du das dem zweiten Schiedsrichter, der es notiert. Ein Kapitän, der während des Spiels ausfällt oder hinausgestellt wird, wird durch einen Spieler ersetzt, den der Trainer benennt — auch das läuft über den Schiedsrichter und nicht untereinander. In Ligen mit digitalem Spielbericht läuft diese Verwaltung über das Tablet am Anschreibertisch, und gerade dort fällt ein Libero mit einem C hinter seinem Namen auf: reglementarisch stimmt es, aber rechne damit, dass ein Schiedsrichter irgendwann danach fragt.
Ist der Libero eine gute Wahl?
Erlaubt ist es, aber es ist selten die praktischste Wahl. Der Libero steht am häufigsten auf dem Feld — schön — verpasst aber ausgerechnet die Aufschlagserien seines eigenen Teams und ist als Abwehrspezialist am wenigsten in die Angriffsentscheidungen eingebunden, bei denen ein Kapitän normalerweise mitdenkt. Wer einen Kapitän sucht, der das Spiel steuert, schaut häufiger auf den Zuspieler; wer jemanden sucht, der das Team aufrecht hält, schaut auf den Charakter. Wie du diese Abwägung triffst, steht in einen Kapitän wählen. Alle übrigen Liberoregeln — Wechseln, Trikot, was er am Netz darf — findest du in den Libero-Regeln.
Häufige Fragen
Darf der Libero Mannschaftskapitän sein?
In den aktuellen FIVB-Spielregeln ja: das alte Verbot aus Artikel 19.1.3 wurde bei der Revision 2021 gestrichen. Die nationalen Verbände folgen diesen Regeln, also ist es im Ligabetrieb erlaubt. Arbeitet deine Liga mit einem älteren Reglement, prüfe das gesondert.
Wer ist Spielkapitän, wenn der Libero herauswechselt?
Ein anderer Spieler auf dem Feld, der vorher vom Trainer oder Mannschaftskapitän benannt wurde. Solange der Kapitän außerhalb des Feldes steht, ist dieser Vertreter der Einzige, der mit dem Schiedsrichter sprechen darf.
Darf der Kapitän über jede Entscheidung diskutieren?
Nein. Er darf um Erklärung zur Anwendung oder Auslegung einer Regel bitten, aber nicht gegen Ermessensentscheidungen wie einen geführten Ball oder eine Linienentscheidung protestieren. Wer nachbohrt, bekommt eine Verwarnung und danach eine Karte.


