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Das eigene Kind trainieren: Absprachen, die wirklich helfen

Die meisten Jugendtrainer stehen vor der Gruppe, weil ihr eigenes Kind darin spielt. Das ist die normalste Sache der Welt und gleichzeitig die schwierigste Trainersituation überhaupt: du beurteilst jemanden, mit dem du danach im Auto sitzt. Das sind die Absprachen, die das machbar halten.

Lesezeit: 6 Min.

Zwei Fallen, beide gleich schädlich

Eltern-Trainer kippen fast immer zu einer von zwei Seiten. Die strenge Seite: du nimmst dein eigenes Kind härter ran, um zu beweisen, dass du es nicht bevorzugst. Die Folge ist ein Kind, das in jedem Training zusätzliche Kritik bekommt und irgendwann einfach mit Volleyball aufhört. Die bevorzugende Seite: du gönnst deinem Kind etwas öfter diese Aufschlagserie oder diesen Platz in der Startsechs. Das merken Mitspieler schneller, als du denkst, und es kostet dich Autorität bei der ganzen Gruppe. Beides passiert selten bewusst — deshalb sind Absprachen vorher wirksamer als gute Vorsätze.

Es gibt noch einen dritten Effekt, der seltener genannt wird: dein Kind hat keine trainerfreie Zone mehr. Während Mitspieler nach dem Training nach Hause gehen und loslassen, sitzt dein Kind mit jemandem am Tisch, der das Spiel noch durchdenkt. Für viele Kinder ist das der Grund abzuspringen, nicht das Coaching selbst.

Mach die Rollen ausdrücklich

Sprich vor der Saison mit deinem Kind darüber, und halte es konkret: „In der Halle bin ich der Trainer und du nennst mich beim Vornamen, genau wie die anderen. Außerhalb der Halle bin ich einfach dein Vater." Vereinbart auch, wie du mit Kritik umgehst: bekommt er sie in der Gruppe oder unter vier Augen? Manche Kinder wollen gerade nicht zur Seite genommen werden, weil das auffällt; frag einfach. Und vereinbart, was zu Hause nicht besprochen wird — die Aufstellung für nächste Woche zum Beispiel, oder was andere Spieler gut oder schlecht machen. Dein Kind sollte keine Informationen haben, die seinen Mitspielern fehlen; das ist eine Last, kein Vorrecht.

Die Autofahrt nach Hause

Die Fahrt nach dem Spiel ist der Ort, an dem es am häufigsten schiefgeht, und die Lösung ist überraschend einfach: gib deinem Kind die Regie. Ein fester Eröffnungssatz — „willst du darüber reden oder lieber nicht?" — und du akzeptierst die Antwort. Will er nicht, geht das Radio an. Will er doch, hörst du als Elternteil zu und nicht als Analyst. Was du fürs Training aufhebst: technische Korrekturen, taktische Erklärungen und alles, was mit „du hättest" beginnt. Die Forschung zum Jugendsport weist seit Jahren darauf hin, dass der Satz, den Kinder nach einem Spiel am liebsten von ihren Eltern hören, der einfachste ist: „ich habe dir gern zugeschaut." Das gilt auch dann, wenn du zufällig auch der Trainer bist. Mehr zur Rolle der Eltern rund um das Feld steht in gute Absprachen mit den Eltern.

Spielübersicht mit der Spielzeit und dem Einsatz pro Spieler nach dem Spiel
Spielzeit in Minuten macht aus einem Gefühl eine Tatsache — und genau das braucht ein Eltern-Trainer.

Sorge dafür, dass deine Entscheidungen überprüfbar sind

Das beste Gegengift gegen den Vorwurf der Bevorzugung ist Transparenz. Der Spielzeitzähler in Koach zeigt in Minuten, wer tatsächlich gespielt hat, und das beendet die Diskussion darüber, ob das Kind des Trainers mehr Minuten bekommt. Mach diese Information nicht geheim: sag zu Saisonbeginn, dass du Spielzeit festhältst und jedes Elternteil danach fragen darf. Dasselbe gilt für deine Auswahlkriterien — wie du Spielzeit verteilst, ohne deine Mannschaft zu schwächen, steht in Spielzeit fair verteilen. Hol dir außerdem ein zweites Paar Augen: einen Assistenten, ein anderes Elternteil oder einen Trainerkollegen, der einmal im Monat zuschaut und ehrlich sagt, ob dein Kind zu viel oder zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Du selbst siehst es nämlich nicht.

Was du vorher mit Mannschaft und Eltern klärst

Wann du loslassen musst

Oft kommt ein Moment, in dem die Kombination nicht mehr funktioniert: dein Kind wird älter, will seinen eigenen Raum, oder der Niveauunterschied zur Gruppe wird zum Gesprächsthema. Signale, die du ernst nehmen solltest: dein Kind redet zu Hause nicht mehr über Volleyball, geht mit Widerwillen ins Training, wo es vorher Spaß hatte, oder fragt, ob es in eine andere Mannschaft darf. Letzteres ist keine Ablehnung von dir, sondern ein normaler Entwicklungsschritt. Übergib dann — oder trainiere selbst eine andere Gruppe. Es ist besser, eine Saison zu früh aufzuhören als eine Saison zu spät; das Volleyball deines Kindes dauert länger als deine Trainerzeit.

Der einfachste Maßstab: würdest du exakt dieselbe Entscheidung treffen, wenn dieser Spieler nicht dein Kind wäre? Kannst du diese Frage bei einem Wechsel oder einer Aufstellung nicht sofort mit Ja beantworten, lohnt es sich, jemand anderen draufschauen zu lassen.

Häufige Fragen

Muss mein Kind mich in der Halle Trainer nennen?

Nicht unbedingt Trainer, aber dasselbe wie der Rest der Mannschaft — meist deinen Vornamen. Es geht um das Signal an die Gruppe, dass in der Halle keine Sonderbeziehung gilt; zu Hause darf wieder alles normal sein.

Wie verhindere ich, dass ich mein eigenes Kind härter anfasse?

Zähl es einmal buchstäblich nach: lass einen Assistenten während eines Trainings festhalten, wie oft du jeden Spieler korrigierst. Fast jeder Eltern-Trainer erschrickt über das Ergebnis, und diese Zahl korrigiert dein Verhalten schneller als jeder Vorsatz.

Was, wenn andere Eltern finden, dass ich bevorzuge?

Lade das Gespräch ein, statt dich zu verteidigen, und komm mit Fakten: Spielzeit pro Spieler, deine Kriterien und wo die vereinbart wurden. Sorge außerdem dafür, dass es im Verein jemand anderen gibt, bei dem sie ihren Einwand vorbringen können.

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