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Handzeichen des Zuspielers: Angriffscodes im Volleyball

Dein Zuspieler schaut kurz vor dem Aufschlag über die Schulter, hebt einen Finger — und niemand reagiert. Zwei Ballwechsel später hängt deine Mitte in der Luft für einen Ball, der nie kam. Ein Zeichensystem, das halb funktioniert, ist schlechter als gar keines: Es macht deinen Angriff langsamer statt schneller, weil Spieler auf Informationen warten, die nicht ankommen. So baust du es auf, damit es nach drei Trainings wirklich läuft.

Lesezeit: 8 Min.

Ein Zeichen ist etwas anderes als ein Zuruf

Zwei Dinge werden fast immer in einen Topf geworfen. Ein Zuruf ist laut und passiert während des Ballwechsels: Dein Angreifer ruft seinen Ball, während die Annahme unterwegs ist, damit der Zuspieler weiß, wer verfügbar ist, ohne hinzusehen. Ein Zeichen ist still und passiert vor dem Ballwechsel: Der Zuspieler zeigt mit der Hand, welchen Ball ein Angreifer bekommt, wenn die Annahme gut fällt. Das Erste kostet nichts und funktioniert immer; das Zweite kostet Absprachen und Disziplin und funktioniert nur in der Aufschlagannahme. Die meisten Mannschaften brauchen dringend das Erste und glauben, sie bräuchten das Zweite.

Was ein Zeichen bringt, ist genau eine Sache, und die reicht: Der Angreifer weiß schon vor dem Aufschlag, welcher Ball kommt, also startet er seinen Anlauf auf die Annahme statt auf das Zuspiel. Bei einem schnellen Angriff über die Mitte ist das der Unterschied zwischen Existenz und Nichtexistenz: Wer erst losläuft, wenn der Ball die Hände des Zuspielers verlässt, kommt per Definition zu spät. Welche Tempi es gibt und was jedes Tempo von deiner Annahme verlangt, steht in Angriffstempi vom hohen Ball bis zum ersten Tempo.

Noch eine Abgrenzung: Dieser Artikel handelt von den Zeichen, die du bewusst gibst. Wie ein Blocker die unbeabsichtigten Signale eines Zuspielers liest — Schulterachse, Hände, Abstand zum Netz — steht in den Zuspieler lesen. Dieselbe Münze, andere Seite.

Bringt es auf deinem Niveau etwas? Drei Voraussetzungen

Bevor du ein System einführst, das deine Mannschaft monatelang beschäftigt: Zeichen bringen erst dann etwas, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind.

  1. Deine Annahme landet öfter in der Zuspielzone als nicht. Passiert das selten, verfällt das Zeichen meistens ohnehin (siehe weiter unten), und du trainierst etwas, was du fast nie spielst.
  2. Du hast einen festen Zuspieler. Jemanden, der jeden Ballwechsel den zweiten Ball spielt und die Codes damit täglich benutzt. Rotiert diese Rolle mit, verdoppelt sich die Zahl der Leute, die sie fehlerfrei beherrschen müssen.
  3. Du hast mindestens einen Angreifer, der einen schnellen Ball verarbeiten kann. Ohne Tempounterschied gibt es nichts zu codieren: Dann ist jedes Zeichen ein umständlicher Weg, „hoher Ball außen“ zu sagen.

Fehlt eine davon, bringt Rufen mehr als Zeichen. Rufen kostet keine Vorbereitung, funktioniert auch im Ballwechsel und zwingt deinen Angreifer, sich festzulegen. Bei Freizeitgruppen und in der Jugend ist das fast immer die richtige Antwort: Fang mit Rufen an und füge Zeichen erst hinzu, sobald der Gegner gut genug ist, um auf dieses Rufen zu reagieren. Genau dann bekommen Zeichen ihren Wert. Was sonst noch von deinem Zuspieler erwartet wird, steht in die Rolle des Zuspielers.

Der Moment, die Reihenfolge und das Nicken

Ein Zeichen hat nur ein brauchbares Fenster: die paar Sekunden zwischen dem Ende des vorigen Ballwechsels und dem Pfiff zum Aufschlag. Die Reihenfolge darin liegt fest: Erst geht jeder auf seinen Platz in der Annahmeformation, dann gibt der Zuspieler seine Zeichen, dann pfeift der Schiedsrichter. Wer es umdreht und Zeichen gibt, während seine Mannschaft noch läuft, gibt sie Leuten, die auf ihre Füße schauen.

Drei Absprachen machen dieses Fenster nutzbar:

Eine Situation verdient besondere Aufmerksamkeit, und sie ist zugleich die Stelle, an der Zeichen als Erstes stillschweigend übersprungen werden. Steht dein Zuspieler vorn — in einem 5-1-System die Hälfte deiner Rotationen —, dann steht er schon am Netz, mit dem Rücken zum restlichen Feld. Verabredet, dass er seine Zeichen gibt, bevor er ans Netz läuft, oder dass seine Angreifer einen Schritt auf ihn zu machen.

Bau auf bis vier Zeichen — und fang mit zwei an

Der klassische Fehler ist, ein komplettes System einzuführen: acht Codes an einem Abend — A bis D für die Mitte, drei Bälle für die Außenangreifer und einer für den Hinterfeldangriff. Zwei Wochen später spielt die Mannschaft immer noch hohe Bälle nach außen, nur jetzt mit schlechtem Gewissen. Bau in Stufen auf, und halte jede Stufe so lange, bis sie von selbst läuft.

  1. Stufe 1 — zwei Zeichen. Ein hochgestreckter Zeigefinger heißt „kurz Mitte“, eine flache Hand heißt „hoch außen“. Mehr nicht. Diese beiden liegen im Tempo am weitesten auseinander, Verwechslung ist also fast unmöglich, und zusammen decken sie die Bälle ab, die du bei guter Annahme am häufigsten spielst.
  2. Stufe 2 — das dritte Zeichen. Wähl eines: den schnellen flachen Ball nach außen oder die Pipe über die Mitte hinten. Nicht beide zugleich, so verlockend es auch ist.
  3. Stufe 3 — das vierte Zeichen. Der Ball nach hinten zum Angreifer auf rechts, oder ein bewusst verabredeter eigener Angriff des Zuspielers.

Der Test, bevor du ein Zeichen hinzufügst, muss messbar sein, sonst fügst du nach Gefühl hinzu. Nimm diesen: drei Trainings hintereinander ohne ein einziges Missverständnis, und zwei Spiele, in denen jedes gegebene Zeichen auch wirklich einen Anlauf bekommen hat. „Läuft ganz ordentlich“ ist kein Test.

Über vier hörst du auf, und dafür gibt es eine Rechnung. Eine Mannschaft spielt an einem Trainingsabend vielleicht dreißig Angriffe aus der Annahme. Verteilst du die auf zwei Codes, bekommt jeder Code fünfzehn Wiederholungen; verteilst du sie auf sechs Codes, sind es fünf — und fünf Wiederholungen pro Woche automatisieren gar nichts. Vier Zeichen, die blind laufen, schlagen acht Zeichen, die du nachschlagen musst.

Aufstellung in der Koach-App mit den sechs Positionen rund ums Netz und dem Z-Abzeichen beim Zuspieler
Welche Zeichen überhaupt zu geben sind, hängt von der Rotation ab: Steht deine Mitte hinten, entfällt der Schnellangriff, und es bleiben die Zeichen für deine Außenangreifer.

Was ein Zeichen sagt — und was nie

Ein Zeichen enthält eine Sache: welcher Ball, also die Kombination aus Stelle am Netz und Tempo. Es enthält nie die Richtung, in die der Angreifer schlagen soll. Die hängt nämlich vom Block ab, und der steht erst, nachdem aufgeschlagen wurde — dein Angreifer sieht ihn aus größerer Nähe und später als du. Wer auch die Richtung vorschreibt, nimmt ihm die einzige Entscheidung ab, die er besser treffen kann.

Wähl außerdem Gesten, die sich auf fünf Meter Entfernung und in einer mäßig beleuchteten Halle deutlich unterscheiden: ein Finger, eine Faust, eine flache Hand, ein Daumen. Zwei Finger neben drei Fingern ist eine Einladung zum Ärger. Und denk über die umgekehrte Variante nach, die in kleinen Mannschaften oft besser funktioniert: Lass die Angreifer ihren Ball anfordern und den Zuspieler nur nicken oder den Kopf schütteln.

Für die Codes selbst sind grob drei Familien im Umlauf, und sie lassen sich ineinander umrechnen:

Für die meisten Vereins- und Breitensportmannschaften ist die dritte Variante die richtige Wahl, aus einem Grund: Jeder Übersetzungsschritt kostet Zeit, und Zeit ist genau das, was du mit Zeichen gewinnen willst. Nimm das Zahlensystem nur, wenn deine Spieler in Mannschaften aufrücken, in denen es bereits läuft. Schreib deine Codes auf jeden Fall auf — Geste, Ball und Angreifer auf einer Karte hinter deinem Aufstellungszettel. Was nirgends steht, existiert nach der Winterpause nicht mehr.

In der Annahme funktioniert es, im Ballwechsel nicht

Zeichen funktionieren in der Aufschlagannahme, weil dort alles stimmt, was ein Zeichen braucht: Es gibt eine Pause, alle stehen still auf ihrem Platz, und der Zuspieler hat die Hände frei und die Augen noch für nichts anderes gebraucht. Genau das fehlt im Ballwechsel. Nach einem Block oder einer Abwehr steht niemand still, und der Zuspieler schaut auf den Ball, der auf ihn zukommt. Ein Zeichen, das du dort geben willst, kommt zu spät und kostet dich obendrein den Blick, den du in diesem Moment am dringendsten brauchst. Im Ballwechsel gilt also Rufen — welche Wörter das sind und wie du sie trainierst, steht in Übungen für die Kommunikation.

Daraus folgt die wichtigste Absprache deines ganzen Systems, und deine Spieler müssen sie wörtlich aussprechen können: Läuft der Zuspieler, verfällt das Zeichen. Sobald die Annahme so weit von der Zuspielzone fällt, dass dein Zuspieler Schritte dafür machen muss, gilt der Code nicht mehr, und die Mannschaft fällt auf den Standardball zurück. Ohne diese Regel macht deine Mitte weiter ihren Schnellanlauf bei einem Ball, der vier Meter vom Netz liegt — und dann steht sie genau ihrem Außenangreifer im Weg, der dort gerade seinen Anlauf nehmen wollte. Was stattdessen passieren soll, steht in out of system spielen.

So bleibt dein Code ein Spiel lang geheim

Ein Gegner, der deine Zeichen liest, tut das in zwei Schritten: Er sieht die Geste, und er verknüpft diese Geste mit dem, was danach passiert. Beide Schritte lassen sich blockieren, aber nicht gleich leicht.

Der erste ist eine Frage der Haltung: Hand tief, Seite oder Rücken zum Netz, und alle Zeichen innerhalb von zwei Sekunden in derselben Reihenfolge. Das eigentliche Leck ist aber der zweite Schritt, und der sitzt nicht in deiner Hand: Wenn auf Zeichen X immer dasselbe folgt, muss niemand deinen Code knacken. Dann schaut der Gegner einfach auf deine Angreifer und zieht nach anderthalb Sätzen seinen Schluss.

Darauf gibt es zwei Antworten. Die erste ist gratis: Gib auch Zeichen, die du nicht ausführst. Eine Mitte, die ihren Anlauf macht, ohne je den Ball zu bekommen, hält den Mittelblocker im Zentrum und macht deinen hohen Ball nach außen leichter. Die zweite ist noch günstiger: Wechsle die Bedeutung, nicht die Gesten. Ein Satz in der Auszeit — „ab jetzt ist die Faust die Pipe“ — und dein ganzer Code ist wieder geheim, ohne dass jemand eine neue Geste lernen muss. Mach das höchstens einmal pro Spiel, und nur, wenn deine Spieler die erste Bedeutung blind beherrschen.

Bleib dabei nüchtern. Im Breitensport geht meistens eher in der eigenen Mannschaft etwas schief als bei einem Gegner, der deine Hand zu lesen versucht — steck deine Energie also zuerst ins System selbst. Triffst du doch auf einen Block, der strukturell früher losgeht als er sollte, ist das dein Signal zu wechseln.

Wenn es schiefgeht: der Angreifer, der nicht hingeschaut hat

Drei Dinge gehen schief, und für alle drei gibt es eine Absprache, die es löst.

Miss es danach ein Spiel lang, mit drei Spalten auf deinem Zettel: gegeben, ausgeführt, Punkt. Ein Zeichen, das in zwei Spielen null Mal zu einem Angriff geführt hat, ist kein Zeichen, sondern ein Ritual — streich es und geh zurück auf die Zahl, die lief. Erfasst du deine Punkte pro Spieler und pro Punktart in Koach, siehst du außerdem, ob dieser schnelle Ball wirklich mehr bringt als der hohe, statt dass es sich nur so anfühlt.

Zwanzig Minuten pro Training, drei Trainings lang

Du musst dafür keinen Trainingsabend freiräumen. Zwanzig Minuten, drei Trainings hintereinander, und danach einmal im Monat als Auffrischung.

  1. Fünf Minuten trocken, ohne Ball. Mannschaft in Annahmeformation, der Zuspieler gibt seine Zeichen, die Angreifer bestätigen. Du zeigst auf jemanden: Was hast du bekommen? Zwei Runden pro Rotation, und achte besonders auf die Rotationen, in denen der Zuspieler vorn steht.
  2. Zehn Minuten Annahme und Angriff, nur gute Aufschläge. Eine Bedingung: Ein Ballwechsel, der ohne Zeichen beginnt, zählt nicht, auch nicht, wenn er einen Punkt bringt. So wird Überspringen teurer als Nachdenken.
  3. Fünf Minuten mit einem schlechten Aufschlag von dreien. Jetzt trainierst du nicht das Zeichen, sondern sein Verfallen — den Ball, für den der Zuspieler laufen muss und bei dem alle automatisch auf den Standardball zurückfallen. Das ist der Teil, den Mannschaften überspringen und im Spiel am teuersten bezahlen.

Merkst du beim zweiten Mal, dass der dritte Block am meisten bringt, dann stimmt das: Dein System ist nicht so gut wie dein bester Ball, sondern so gut wie der Ballwechsel, in dem es schiefgeht.

Kernpunkt: Ein Zeichensystem ist erst etwas wert, wenn es unter Druck von selbst läuft, und dahin kommst du mit weniger Codes, nicht mit mehr. Fang mit zwei Zeichen an, füge ein drittes erst nach drei Trainings ohne Missverständnis hinzu, und verabredet eine Regel, die alles andere übersteuert: Läuft der Zuspieler, verfällt das Zeichen.

Häufige Fragen

Was sind Handzeichen des Zuspielers im Volleyball?

Vorher verabredete Handsignale, die der Zuspieler vor dem Aufschlag tief hinter dem Rücken oder am Oberschenkel gibt. Sie sagen jedem Angreifer, welchen Ball er bekommt, wenn die Annahme in die Zuspielzone kommt, damit er seinen Anlauf auf die Annahme statt auf das Zuspiel starten kann. Sie sind etwas anderes als das Rufen während des Ballwechsels.

Mit wie vielen Zeichen fängst du an?

Mit zwei: kurz Mitte und hoch außen. Diese beiden liegen im Tempo am weitesten auseinander, Verwechslung ist damit fast ausgeschlossen, und zusammen decken sie die Bälle ab, die du bei guter Annahme am häufigsten brauchst. Ein drittes fügst du erst nach drei Trainings ohne ein einziges Missverständnis hinzu, plus zwei Spielen, in denen jedes Zeichen auch wirklich einen Anlauf bekommen hat.

Funktionieren Zeichen auch während eines Ballwechsels?

Nein. In der Transition gibt es keine Pause, niemand steht still, und der Zuspieler schaut auf den Ball — ein Zeichen kommt dort zu spät und kostet genau den Blick, den du brauchst. Im Ballwechsel arbeitest du mit kurzen Rufwörtern. Verabredet außerdem, dass das Zeichen verfällt, sobald der Zuspieler für die Annahme laufen muss.

Wie verhinderst du, dass der Gegner deine Zeichen liest?

Halt die Hand auf Hüfthöhe oder tiefer, mit der Seite zum Netz, und gib alle Zeichen innerhalb von zwei Sekunden. Das größere Leck ist, dass auf dasselbe Zeichen immer derselbe Ball folgt: Gib deshalb auch Zeichen, die du nicht ausführst, und wechsle notfalls in einer Auszeit die Bedeutung einer Geste statt der Geste selbst.

Welches Codesystem nimmst du am besten?

Auf Vereins- und Breitensportniveau selbst gewählte Wörter wie kurz, hoch, Pipe und hinten, weil kein Übersetzungsschritt nötig ist. Das Zahlensystem mit Zonen und Tempi ist präziser und sinnvoll, wenn deine Spieler in Mannschaften aufrücken, die es bereits nutzen. Achtung: Die Nummerierung und die Bedeutung der Buchstaben unterscheiden sich je nach Land und Verband, prüf es also bei deinem eigenen Verband.

Was machst du, wenn ein Angreifer das Zeichen nicht gesehen hat?

Nichts wiederholen und nicht rufen: Du spielst den Standardball. Ohne Bestätigung — ein kurzes Nicken oder ein Klaps auf den Oberschenkel — gilt das Zeichen nicht. Ein Zuspieler, der trotzdem den schnellen Ball zu jemandem spielt, der nichts bestätigt hat, gibt einen Ball an niemanden, und das kostet mehr als ein vorhersehbarer hoher Ball nach außen.

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