Kindern das Pritschen beibringen, ohne gestauchte Finger
Fast jeder Jugendtrainer kennt das Bild: Ein Kind stochert mit gestreckten Fingern nach dem Ball, verzieht das Gesicht und hält sich den Rest des Trainings die Hand an den Körper. Gestauchte Finger sind selten Pech und fast immer die Folge eines technischen Fehlers, den man kommen sieht. Das geht schief – und so löst du es Schritt für Schritt.
Warum die Finger beim Pritschen wehtun
Ein offizieller Ball wiegt 260 bis 280 Gramm und kommt aus einem Bogen von vier oder fünf Metern herunter. Landet diese Masse auf zwei oder drei Fingerkuppen statt auf zehn Fingern gleichzeitig, trifft die gesamte Kraft eine Fläche von der Größe eines Geldstücks. Das Ergebnis ist ein überdehntes Gelenkband: schmerzhaft, meist harmlos, aber genug, damit ein Kind den Rest des Trainings vor jedem hohen Ball wegduckt.
Wichtig zu wissen: Es ist fast nie ein Kraftproblem. Achtjährige, die den Ball sauber mit zehn Fingern treffen, haben hinterher keine Schmerzen. Das Problem liegt darin, wo die Hände sind und wann sie dort ankommen.
Die vier Ursachen, nach Häufigkeit sortiert
- Die Hände kommen zu spät hoch. Das Kind schaut den Ball an, überlegt und hebt die Hände erst, wenn der Ball noch einen Meter entfernt ist. Die Finger spreizen sich im Moment des Kontakts noch.
- Die Hände stehen zu tief. Kontakt auf Brust- oder Nasenhöhe statt über der Stirn. Von unten kann man einen Ball nicht aufnehmen, sondern nur abwehren.
- Die Finger sind gestreckt und geschlossen statt zu einem Körbchen gespreizt. Daumen und Zeigefinger sollen zusammen ein Dreieck bilden; stehen die Finger steif, berührt der Ball nur die Kuppen.
- Gespielt wird nur mit den Armen. Ohne beugende Knie müssen die Finger die ganze Federung leisten. Der Ball wird von Beinen und Armen abgefedert, die Hände geben nur die Richtung.
Der Aufbau in sechs Schritten
Arbeite diese Reihenfolge ab und geh erst weiter, wenn acht von zehn Versuchen sitzen. Bei einer Gruppe von zehn Kindern dauert das meist drei bis fünf Trainings, verteilt auf Blöcke von höchstens acht Minuten.
- Handform ohne Ball. Hände über der Stirn, Daumen und Zeigefinger bilden ein Dreieck, Ellbogen nach außen. Lass die Kinder durch dieses Fensterchen zu dir schauen: Das ist sofort deine Kontrolle, ob die Hände hoch genug stehen.
- Fangen über der Stirn. Selbst hochwerfen, mit den Händen in dieser Form über der Stirn fangen und einfrieren. Du gehst die Reihe ab und prüfst: Liegen alle zehn Finger am Ball?
- Fangen und zurückdrücken. Dieselbe Fangbewegung, direkt danach den Ball mit beiden Armen streckend wieder nach oben schieben. Genau das ist die Pritschbewegung, nur mit einer Pause in der Mitte.
- Die Fangpause raus. Selbst hochwerfen und den Ball in einer fließenden Bewegung nach oben pritschen, dann fangen. Hier scheitern zuerst die Kinder, die zu spät mit den Händen kommen; lass sie laut „Hände“ rufen, sobald der Ball den höchsten Punkt passiert.
- Zu zweit. Ein Kind wirft einen hohen Bogenball, das andere pritscht ihn zurück, der Werfer fängt. Zehn Bälle, dann wechseln. Das Werfen ist hier der schwierigste Teil: Lass den Werfer nah stehen und wirklich hoch werfen, nicht hart und flach.
- Ballwechsel. Erst hoch zu sich selbst, dann zum Partner. Jetzt erst darf der Ball durchgehend in der Luft bleiben.
Koach enthält über zweihundert ausgearbeitete Übungen mit Animationen, darunter diesen Fang-und-Pritsch-Aufbau, sodass du ihn ohne Abschreiben ins Training der nächsten Woche setzen kannst. Willst du die Technik selbst im Detail nachlesen, steht sie in dem Artikel über das obere Zuspiel.

Material und Organisation machen die halbe Arbeit
- Ball. Unter zehn Jahren ein leichter oder weicher Ball von 150 bis 220 Gramm. Das ist keine Verniedlichung, sondern Sicherheit: Ein leichterer Ball fliegt langsamer und schenkt Kindern eine halbe Sekunde mehr, um die Hände hochzubringen.
- Wurfhöhe. Alle Bälle werden in einem hohen Bogen geworfen, nie hart. Ein flacher, scharfer Wurf erzwingt genau den Fehler, den du wegbekommen willst.
- Gruppengröße. Höchstens zwei Kinder pro Ball. Wer in einer Fünferreihe steht, macht viermal nichts und verliert die Form, die er gerade gelernt hat.
- Fingernägel. Kurze Nägel, keine Ringe. Ein langer Nagel bricht beim ersten sauberen Kontakt.
Was du von der Seitenlinie sagst
Kinder können nicht drei Hinweise gleichzeitig verarbeiten. Nutze pro Block ein festes Schlüsselwort: „Hände auf den Kopf“, „schau durch dein Fenster“ oder „drück mit den Beinen“. Was nicht funktioniert, ist die negative Variante: „nicht mit den Fingerspitzen“ lässt ein Kind genau an seine Fingerspitzen denken. Benenne stattdessen, was du sehen willst, und mach es einmal in Zeitlupe vor. Das gilt breiter für Techniktraining nach Altersgruppe: kurze Erklärung, viel Wiederholung, eine Sache nach der anderen.
Und wenn doch ein Finger umknickt
Einen gestauchten Finger kühlst du fünfzehn Minuten und schonst ihn; ihn in der ersten Woche an den Nachbarfinger zu tapen, hilft gegen das Überstrecken. Geh aber zum Arzt, wenn ein Finger schief steht, schnell dick wird, sich nicht mehr beugen lässt oder nach einer Woche noch schmerzt – bei Kindern sitzt Wachstumsfugengewebe in den Fingergliedern, und das willst du nicht übersehen haben. Lass ein Kind mit schmerzendem Finger nicht danebensitzen: Gib ihm die Rolle des Zählers oder lass es nur baggern, damit Wegbleiben nicht zur Gewohnheit wird. Mehr zum vernünftigen Umgang mit Beschwerden steht in Verletzungsprävention im Volleyball.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann man Kindern das Pritschen beibringen?
Ab etwa acht Jahren können die meisten Kinder die Fangform und die Handhaltung lernen. Wirklich durchspielen ohne Fangen klappt meist mit neun bis zehn Jahren – genau in dem Alter, in dem das motorische Lernvermögen am besten ist.
Soll ich die Finger junger Spieler tapen?
Nein, nicht vorbeugend. Tape überdeckt das Problem und nimmt Gefühl aus den Fingern, während ein Kind gerade spüren lernen soll, wo der Ball landet. Tape gehört zur Genesung nach einer Stauchung, nicht zur Standardausrüstung.
Warum tun die Finger beim einen Kind weh und beim anderen nicht?
Meist wegen des Timings. Kinder, die ihre Hände früh hochbringen, nehmen den Ball mit zehn Fingern auf; wer spät dran ist, trifft ihn mit zwei oder drei Fingerkuppen. Größe und Kraft spielen weit weniger mit, als Trainer denken.


