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Wie viele Challenges hast du beim Volleyball, und wann?

Der Ball fällt knapp neben die Linie, dein Spieler hebt die Hand, und du stehst auf der Bank mit der einzigen Regelfrage, bei der du selbst den Knopf drückst. Im Fernsehen zeichnet der Trainer ein Rechteck in die Luft, und kurz darauf rollt eine Entscheidung aus einem Computer. In deiner Halle hängt keine Kamera. Dieser Artikel handelt von beidem: davon, wie das Challenge-System funktioniert und wann es dir etwas bringt, und davon, was du ohne Kameras trotzdem verlangen kannst.

Lesezeit: 8 Min.

Zuerst das: in den meisten Hallen gibt es die Challenge gar nicht

Eine Video-Challenge ist keine Spielregel, sondern eine Installation. Nötig sind Kameras auf den Linien, dem Netz und den Antennen, ein Operator, ein Kontrollmonitor neben dem Feld und eine Festlegung in der Wettkampfordnung. Das gibt es bei internationalen Turnieren und in den höchsten nationalen Ligen, und sonst so gut wie nirgends.

Für die meisten Leser lautet die Antwort auf die Frage, wie viele Challenges man hat, also nicht zwei, sondern null. Im normalen Vereins- und Ligabetrieb kannst du keine einzige Entscheidung überprüfen lassen, egal wie eindeutig du es gesehen hast. Das ist kein Versäumnis des Schiedsrichters; das System ist schlicht nicht da.

Unter der Frage steckt eine zweite: was passiert, wenn der Schiedsrichter es deiner Meinung nach falsch sieht? Auf Topniveau ist das die Challenge. Auf Vereinsniveau ist es ein kleineres Instrumentarium — das es sehr wohl gibt und das die meisten Trainer nicht nutzen. Die zweite Hälfte dieses Artikels handelt davon.

Wie viele Challenges bekommst du pro Satz?

In der gängigen FIVB-Variante bekommt jede Mannschaft pro Satz eine feste Zahl erfolgloser Challenges, meistens zwei. Die Formulierung ist wichtiger als die Zahl. Es funktioniert so:

Eine Challenge kostet dich in dieser Variante weder eine Auszeit noch einen Punkt: es sind zwei getrennte Guthaben nebeneinander, und deine zwei Auszeiten pro Satz bleiben unangetastet. Die Zahl der Challenges, die Frage, ob eine unberechtigte Anfrage noch etwas extra kostet, und die Liste der anfragbaren Fälle stehen nicht in den allgemeinen Spielregeln, sondern in der Ordnung des jeweiligen Wettbewerbs. Sie unterscheiden sich also je nach Verband und Spielklasse: manche Wettbewerbe geben eine pro Satz, andere zwei, und in wieder anderen darf auch der Schiedsrichter selbst eine Bildkontrolle starten. Spielst du auf einem Niveau, auf dem das System läuft, such diese Passage vor deinem ersten Spiel heraus — nicht in dem Moment, in dem du sie brauchst.

Welche Entscheidungen kannst du prüfen lassen, und welche nie

Eine Challenge ist kein allgemeiner Einspruch gegen den letzten Ballwechsel. Du beantragst die Überprüfung eines bestimmten Falls, und dieser Fall muss auf der Liste stehen, die vor dem Spiel bekannt gegeben wird. Diese Fälle stehen am häufigsten darauf:

Je nach Wettbewerb stehen manchmal auch ein Angriffsfehler eines Hinterspielers, ein Mittellinienfehler oder ein Aufstellungsfehler darauf. Was nie darauf steht, in keinem Wettbewerb: Beurteilungsentscheidungen zur Ballbehandlung. Ein geführter Ball, ein doppelt gespielter Ball, ein Ball, der deiner Meinung nach zu lange in den Händen lag — das bleibt das Urteil des ersten Schiedsrichters. Ebenso wenig anfragbar: etwas aus einem früheren Ballwechsel und etwas, das gar nicht gepfiffen wurde. Fragst du so etwas trotzdem an, wird es abgelehnt und kostet dich je nach Ordnung trotzdem eine Challenge.

Wie die Anfrage praktisch abläuft

Der Trainer beantragt die Challenge; hat die Mannschaft keinen Trainer, macht es der Spielkapitän. Das Zeitfenster ist klein: direkt nach dem Ballwechsel und bevor der erste Schiedsrichter den nächsten Aufschlag freigibt. In der Praxis sind das ein paar Sekunden. Ist einmal zum Aufschlag gepfiffen, ist die Gelegenheit vorbei — auch wenn sich die ganze Bank inzwischen einig ist.

Du gibst das übliche Handzeichen, ein Rechteck in der Luft, das einen Bildschirm darstellt, und du benennst den Fall: Berührung am Block, Antenne, Netzberührung. Nicht „schauen Sie sich das bitte noch einmal an", denn dann weiß der Operator nicht, worauf er achten soll. Der erste Schiedsrichter unterbricht das Spiel, die Bilder werden angesehen, er übernimmt die Entscheidung oder lässt sie bestehen und zeigt das mit einem Zeichen an — seine übrigen Zeichen stehen in Schiedsrichterzeichen erklärt.

Einer Versuchung solltest du widerstehen: eine Challenge bricht den Rhythmus eines Gegners, der gerade drei Punkte in Folge gemacht hat, und das fühlt sich an wie eine kostenlose Auszeit. Das ist es nicht. Eine Anfrage ohne inhaltlichen Grund kostet dich schlicht deine Challenge. Willst du den Rhythmus brechen, nimm eine Auszeit — dafür ist sie da.

Live-Spielstandsanzeige in der Koach-App mit dem Stand 16:6, der Aufschlagreihenfolge beider Mannschaften und einer Schaltfläche, um die letzte Aktion rückgängig zu machen
Ein falsch notierter Punkt ist keine Beurteilungsentscheidung, sondern eine Tatsache — und genau die Art Fehler, die du noch vor dem nächsten Aufschlag korrigieren lassen kannst.

Wann ist eine Challenge es wert? Rechne in Punkten, nicht in Rechthaben

Hier hört fast jede Erklärung auf, und hier fängt das Coachen an. Denn die Frage ist nicht, ob du recht hast, sondern ob dir das Rechtbekommen genug einbringt, um das Guthaben aufzugeben. Geh in diesen paar Sekunden drei Fragen durch, in dieser Reihenfolge.

  1. Steht dieser Fall auf der Liste? Wenn nein: fertig, keine Anfrage. Ein geführter Ball ist nie eine Challenge, wie offensichtlich er auch war.
  2. Wer hat es gesehen, und wie sicher ist derjenige? Nicht die Tribüne, nicht der Spieler, der den Punkt verloren hat, sondern die Person, die in diesem Moment auf genau diese Berührung geschaut hat. Zweifelt sie, lautet die Antwort nein.
  3. Was ist dieser Punkt bei diesem Spielstand wert? Das ist die Frage, die den Ausschlag gibt.

Denn der Preis einer Challenge ist nicht der Punkt und nicht die Auszeit. Der Preis ist die Challenge, die du bei 23:23 nicht mehr hast. Und der Wert eines Punktes steigt stark, je weiter der Satz fortschreitet. Bei 5:2 im ersten Satz müssen noch mindestens zwanzig Punkte fallen, bis der Satz vorbei ist; darin verschwindet ein zurückgenommener Punkt. Bei 22:22 braucht der Gewinner nur noch drei, und derselbe Punkt ist damit ein Drittel dessen, was noch zu gewinnen ist — plus ein Aufschlagrecht.

Daraus folgt eine brauchbare Faustregel, keine Spielregel:

Zwei Situationen, in denen Trainer challengen, ohne dass es etwas zu gewinnen gibt. Die erste: der Fehler, den du gesehen hast, der aber den Punkt nicht entschieden hat — eine Netzberührung in einem Ballwechsel, den du anschließend ohnehin gewonnen hast. Da gibt es nichts zurückzunehmen. Die zweite, und die ist viel verbreiteter: die Anfrage aus Ärger über die vorige Entscheidung. Dann kaufst du keinen Punkt, sondern ein Gefühl, und bei 24:23 stehst du mit leeren Händen da.

Kernpunkt: eine Challenge kostet dich in der gängigen Variante weder einen Punkt noch eine Auszeit, wohl aber die Challenge, die du später brauchst. Rechne also nicht in Rechthaben, sondern in Punkten: je weiter der Satz fortgeschritten und je knapper der Stand, desto weniger Sicherheit brauchst du, um sie einzusetzen — und eine Challenge, die du am Satzende ungenutzt in der Tasche behältst, hat dir nichts gebracht.

Das Bankprotokoll: wer schaut, wer entscheidet

Das praktische Problem ist nicht die Regel, sondern die Aufmerksamkeit. Du hast auf deinen Zuspieler oder auf den Anlauf des Mittelblockers geschaut, nicht auf die Linie, an der der Ball fiel. Ein Trainer, der auf eigene Wahrnehmung hin challengt, rät.

Lös das mit einer Absprache vorab. Bestimm pro Spiel eine Person auf der Bank zum Beobachter — ein Auswechselspieler eignet sich dafür bestens. Sein Auftrag ist schmal: er verfolgt den Ball bis auf den Boden und achtet auf Blockfinger und Antenne. Sonst nichts.

Keine Kameras? Das kannst du trotzdem verlangen

Zurück in die Halle, in der die meisten von uns stehen. Dort gilt: der erste Schiedsrichter entscheidet, und bei einer Beurteilungsentscheidung ist sein Urteil endgültig. Gegen „drin", „draußen", „geführt" oder „Netzberührung" gibt es kein Mittel — nicht am Samstag und nicht im Nachhinein. Wer weiter darauf beharrt, bekommt erst eine Verwarnung und danach eine Karte.

Was möglich ist, läuft über den Spielkapitän — nicht über dich und schon gar nicht von der Grundlinie aus. Drei Dinge, schärfer abgegrenzt, als die meisten Mannschaften denken:

  1. Eine Erklärung zur Anwendung oder Auslegung einer Regel verlangen. Der Spielkapitän ist der einzige Spieler, der das während des Spiels darf, ruhig und zwischen zwei Ballwechseln. Die Grenze verläuft genau hier: über die Regel ja, über die Beurteilung nein. Was dein Kapitän sonst darf und nicht darf, steht bei der Rolle des Kapitäns.
  2. Einen sachlichen Fehler korrigieren lassen. Ein nicht notierter Punkt, eine falsche Aufschlagreihenfolge, ein Spieler auf der falschen Position, eine falsch gezählte Zahl von Wechseln: das sind keine Urteile, sondern Tatsachen, und die gehören berichtigt. Voraussetzung ist, dass du es sofort meldest, vor dem nächsten Aufschlag. Danach steht der Spielstand meist fest und du bist zu spät. Auf Vereinsniveau ist das bei Weitem das Wertvollste, was du tun kannst — und genau das tut so gut wie niemand.
  3. Eine Kontrolle durchführen lassen von Netzspannung, Netzhöhe oder Aufstellung des Gegners.

Drei Sätze, die dein Kapitän wörtlich benutzen kann: „Können Sie sagen, welche Regel Sie hier anwenden?" — „Unser Punkt bei 14:12 steht nicht auf der Anzeige, können Sie das vor dem nächsten Aufschlag prüfen lassen?" — „Wir spielen weiter, möchten aber vermerken lassen, dass wir damit nicht einverstanden sind." Mehr brauchst du nicht, und mehr bekommst du auch nicht. Wer live mitschreibt, muss beim zweiten Satz übrigens nicht raten: in Koach siehst du, bei welchem Ballwechsel der Punkt verloren ging, und das ist der Unterschied zwischen einem Verdacht und einer Meldung.

Du selbst darfst als Trainer eine Sache tun, die oft besser wirkt als Reden: eine Auszeit nehmen. Nicht, um die Entscheidung zurückzunehmen, sondern um zu verhindern, dass deine Mannschaft die nächsten zwei Ballwechsel auch noch verschenkt.

Wann ein Protest möglich ist

Ein Protest ist keine schwerere Form des Einspruchs, sondern ein anderes Mittel mit einem eigenen Gegenstand: es geht um die Anwendung einer Regel oder um Tatsachen des Spiels, nie um eine Beurteilung. „Der Schiedsrichter hat den Punkt nach einem Doppelfehler der falschen Mannschaft zugesprochen" ist protestierbar. „Der Ball war draußen" nicht, in keiner Instanz.

Das erklärt sofort, worum es bei Protesten in der Praxis geht: um Administration. Ein nicht spielberechtigter Spieler, eine falsch angewandte Wechselregel, ein falscher Ball. Die Kategorie „der Schiedsrichter hat es falsch gesehen" fällt durch, weil ein Protest dafür nicht gedacht ist.

Der Weg dorthin läuft über deinen Kapitän und über den Spielberichtsbogen, und diese Schritte sind in digitaler Spielbericht oder Score-App ausgeschrieben. Merk dir hier eines: Verfahren und Fristen unterscheiden sich je nach Verband und Land, also such sie in der Ordnung deines eigenen Wettbewerbs heraus — am besten einmal in Ruhe zum Saisonstart, nicht an dem Samstagabend, an dem es schiefgegangen ist.

Was du deiner Mannschaft dazu beibringst

Ob du nun zwei Challenges hast oder null, die teuersten Sekunden sind dieselben: die zehn Sekunden nach einer Entscheidung, die gegen dich ausfällt. Mannschaften verlieren selten einen Satz durch einen falschen Pfiff und viel öfter durch die zwei Ballwechsel danach, in denen ein Teil der Mannschaft gedanklich noch an der Linie steht. Vereinbart deshalb eine Regel und haltet sie durch: nur der Kapitän redet, alle anderen spielen weiter.

Das lässt sich trainieren. Pfeif in einem Übungsspiel bewusst zwei Bälle falsch und schau, wer reagiert — nicht, um es ihnen vorzuhalten, sondern um sichtbar zu machen, dass es passiert. Legt danach die Reaktion fest, die du sehen willst: ein Satz zueinander, „nächster Ball", und aufstellen. Eine Mannschaft, die das beherrscht, braucht ein Challenge-System weniger, als eine Mannschaft, die es nicht beherrscht, jemals davon hätte. Der Rest der Regeln, auf denen all das aufbaut, steht gebündelt in der Übersicht der Volleyballregeln.

Häufige Fragen

Wie viele Challenges hat man beim Volleyball pro Satz?

In der gängigen FIVB-Variante zwei erfolglose Challenges pro Satz: bekommst du recht, behältst du dein Recht und kannst erneut anfragen. Mit jedem Satz beginnt das Guthaben von vorn. Die genaue Zahl steht in der Ordnung deines eigenen Wettbewerbs und unterscheidet sich je nach Verband und Spielklasse.

Gibt es Challenges auch im Vereins- und Ligabetrieb?

In der Praxis nicht. Eine Video-Challenge erfordert Kameras, einen Operator und einen Kontrollmonitor, und diese Installation steht fast nur bei internationalen Turnieren und in den höchsten nationalen Ligen. Ohne dieses System kannst du keine einzige Entscheidung überprüfen lassen; ob dein Wettbewerb es hat, steht in der Ordnung deines Verbands.

Welche Entscheidungen kann man nicht challengen?

Beurteilungsentscheidungen zur Ballbehandlung, etwa ein geführter oder doppelt gespielter Ball, stehen in keinem Wettbewerb auf der Liste. Dasselbe gilt für etwas aus einem früheren Ballwechsel und für Situationen, die nicht gepfiffen wurden. Welche Fälle anfragbar sind, wird vor dem Spiel bekannt gegeben.

Kostet eine Challenge eine Auszeit?

In der gängigen Variante nicht: Challenges und Auszeiten sind getrennte Guthaben und deine zwei Auszeiten pro Satz bleiben unangetastet. Nutz eine Challenge deshalb nie als verkappte Auszeit — eine Anfrage ohne Grund kostet dich schlicht deine Challenge.

Was kann ich tun, wenn der Schiedsrichter es meiner Meinung nach falsch sieht?

Gegen eine Beurteilungsentscheidung nichts: das Urteil des ersten Schiedsrichters ist endgültig. Dein Kapitän darf aber eine Erklärung zur Anwendung einer Regel verlangen, und einen sachlichen Fehler wie einen nicht notierten Punkt musst du sofort melden, vor dem nächsten Aufschlag.

Wogegen kann man Protest einlegen?

Gegen die Anwendung einer Regel oder gegen Tatsachen des Spiels, zum Beispiel einen nicht spielberechtigten Spieler oder eine falsch angewandte Wechselregel. Meld es direkt über deinen Kapitän, lass es im Bemerkungsfeld des Spielberichts aufnehmen und folge dem Verfahren deines Verbands; die Fristen unterscheiden sich je nach Verband.

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