Hinterfeldangriff schlagen: Absprung, Timing und die Pipe
Ein Angriff aus dem Hinterfeld sieht kompliziert aus, ist technisch aber dieselbe Bewegung wie vorn. Anders sind nur: wo du beginnst, wann du startest und wie flach du schlägst. Wer diese drei Dinge im Griff hat, gibt seinem Team eine vierte Angriffsoption, die die meisten Gegner nicht decken.
Wo dein Anlauf beginnt
Der größte Fehler ist, zu dicht an der Drei-Meter-Linie zu beginnen. Du brauchst Raum für einen vollen Drei- oder Vierschritt-Anlauf und du musst deutlich hinter der Linie abspringen. Praktisch heißt das: beginne deinen Anlauf sechs bis sieben Meter vom Netz entfernt, also knapp vor der Grundlinie.
Von dort machst du denselben 3-Schritt-Rhythmus wie vorn, nur mit längeren Schritten. Viele Angreifer nutzen hinten einen Vierschritt-Anlauf: ein zusätzlicher Anlaufschritt, um Tempo zu machen, gefolgt vom bekannten Abschluss aus lang-schnell und kurz-explosiv.
Der Absprungpunkt: ein halber Meter Marge
Die Regel ist eindeutig: bei einem Ball, der sich vollständig über der Netzkante befindet, musst du hinter der Drei-Meter-Linie abspringen, und die Linie selbst gehört zur Vorderzone. Auf der Linie abzuspringen ist also ein Fehler. In der Vorderzone zu landen ist danach völlig in Ordnung — der Schiedsrichter achtet ausschließlich auf den Absprung. Die vollständige Regel steht in darf ein Hinterspieler angreifen.
Die praktische Absprache, die du mit deinen Angreifern triffst: spring etwa einen halben Meter hinter der Linie ab. Das kostet dich so gut wie keine Angriffskraft und nimmt die Zweifel aus der Situation. Angreifer, die die Linie suchen, sehen während ihres Anlaufs nach unten, und wer auf den Boden sieht, sieht nicht auf den Ball.
Timing: früher starten als vorn
Das ist der eigentliche Unterschied. Bei einem Außenangriff startest du, wenn das Zuspiel seinen höchsten Punkt erreicht. Bei einem Hinterfeldangriff muss der Ball ein paar Meter weiter reisen und du selbst musst mehr Meter zurücklegen, also startest du deutlich früher. Für eine Pipe im normalen Tempo lautet die Faustregel: du bist bereits unterwegs, wenn der Zuspieler den Ball berührt.
Wer zu spät startet, kommt im Laufen zum Ball und muss abbremsen — der klassische Hinterfeldangriff, bei dem der Spieler halb daneben springt. Wer zu früh startet, wartet und springt aus dem Stand. Das verlangt Wiederholung mit demselben Zuspieler, denn jeder Zuspieler hat seine eigene Flugkurve. Rechne mit ein paar Wochen fester Paare, bis es passt.
Das Zuspiel, das dazugehört
Ein Hinterfeldangriff steht und fällt mit dem Ball, den er bekommt. Für eine Pipe (der Angriff durch die Mitte von Position 6) lautet die Richtlinie: etwa einen bis anderthalb Meter über der Netzkante und zwei bis drei Meter vom Netz entfernt. Letzteres ist entscheidend: eine Pipe, die am Netz klebt, kann der Angreifer nicht treffen, ohne im Netz zu landen, und der Block steht obendrauf.
Für den Angriff von Position 1 (oft „D-Ball“ genannt) gilt dasselbe Prinzip mit einer etwas längeren Bahn zur rechten Seite. Welche Tempi dazu passen, liest du in Angriffstempo und erstes Tempo.
Überlege dir vorab auch, in welchen Rotationen du ihn nutzen kannst: dein bester Hinterfeldangreifer steht nur in drei von sechs Rotationen hinten. Arbeitest du deine Aufstellung in einer App wie Koach aus, gehst du vor dem Spiel Rotation für Rotation durch, wann diese Option verfügbar ist — genau die Art Vorbereitung, mit der Gegner nicht rechnen.

Der Kontakt: flacher schlagen, nicht steiler
Von drei Metern hinter der Linie kannst du den Ball nicht steil nach unten schlagen — den Winkel gibt es schlicht nicht. Wer es trotzdem versucht, schlägt den Ball ins Netz oder knapp dahinter, wo er leicht verteidigt wird. Schlage stattdessen flach durch den Ball hindurch mit viel Topspin, gezielt auf die hinteren drei Meter des Feldes. Die Rotation sorgt dafür, dass der Ball doch noch abtaucht.
Der Kontaktpunkt bleibt derselbe wie vorn: höchster Punkt, vor der Schlagschulter, Hand oben in der Mitte des Balls mit aktivem Handgelenk. An deinem Armzug ändert sich also nichts, nur an dem, worauf du zielst. Wer hier das Gefühl verliert, geht zurück zu den Grundlagen des Schmetterschlags.
Rufen, und danach zurück
Zwei praktische Dinge. Erstens: ruf deinen Angriff an. Ein Zuspieler, der nicht weiß, dass du kommst, gibt deinen Ball jemand anderem, und eine Pipe, die niemand angekündigt hat, endet in einem Zusammenstoß mit dem Mittelangreifer. Ruf früh, während der Annahme.
Zweitens: du bist Hinterspieler, nach deinem Angriff stehst du also in der Abwehr. Lande auf zwei Füßen, komm sofort zurück Richtung deiner Abwehrposition und rechne mit dem Blockball. Hinterfeldangreifer, die nach ihrem Schlag stehen bleiben und zuschauen, lassen genau die Bälle fallen, die der Block zurückprallen lässt.
So baust du ihn im Training auf
- Anlauf ohne Ball: von der Grundlinie, Absprung einen halben Meter hinter der Drei-Meter-Linie, zehnmal, bis das Gefühl stimmt.
- Angeworfener Ball auf fester Höhe: der Trainer wirft zwei Meter vom Netz, der Angreifer timet seinen Start.
- Aus dem Zuspiel: mit festem Zuspieler, erst hoch, danach schneller.
- Aus der Annahme: Annahme-Zuspiel-Pipe in der Reihenfolge, wie sie im Spiel abläuft — und das ist die einzige Möglichkeit, das Timing wirklich zu lernen.
Speichere die Aufstellung, in der dieser Angreifer an der richtigen Stelle steht, damit du sie nicht jede Woche neu ausdenken musst — siehe Aufstellungen speichern und wiederverwenden.
Häufige Fragen
Wo muss man bei einem Hinterfeldangriff abspringen?
Hinter der Drei-Meter-Linie, wobei die Linie selbst zur Vorderzone gehört — darauf zu stehen ist also ein Fehler. Vereinbart in der Praxis einen halben Meter Marge. In der Vorderzone zu landen ist danach erlaubt; der Schiedsrichter beurteilt nur den Absprung.
Wann startet man den Anlauf bei einer Pipe?
Früher als bei einem Außenangriff: bei einer Pipe im normalen Tempo bist du bereits unterwegs, wenn der Zuspieler den Ball berührt. Der Ball und du müsst mehr Meter zurücklegen, bis zum höchsten Punkt des Zuspiels zu warten ist also zu spät.
Wie weit vom Netz muss eine Pipe liegen?
Zwei bis drei Meter vom Netz, etwa einen bis anderthalb Meter über der Netzkante. Eine Pipe am Netz ist nicht zu schlagen, ohne im Netz zu landen, und der Block steht obendrauf.
Warum schlage ich meinen Hinterfeldangriff ständig ins Aus?
Meist, weil du zu flach ohne Topspin triffst oder zu spät startest und dadurch hinter dem Ball her schlägst. Schlage flach durch den Ball mit aktivem Handgelenk und ziele auf die hinteren drei Meter — die Rotation lässt den Ball doch noch abtauchen.


