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Wie lernt man Angreifen im Volleyball? Technik in 5 Schritten

Der Angriffsschlag ist der Grund, warum die meisten Spieler einst mit Volleyball angefangen haben: hoch springen und den Ball hart auf den Boden schlagen. Aber ein guter Angriff ist keine Frage der Kraft — es ist eine Kette aus fünf Bewegungen, die genau ineinandergreifen müssen. Dieser Leitfaden baut die Technik so auf, wie es erfahrene Trainer tun.

Lesezeit: 7 Min.

Schritt 1: der Anlauf

Ein Angriff beginnt weit weg vom Ball. Der Standardanlauf für einen rechtshändigen Angreifer ist links–rechts–links: ein ruhiger erster Schritt, ein langer schneller zweiter Schritt und ein kurzer Beistellschritt, mit dem du beide Füße nebeneinander setzt. Der Anlauf startet außerhalb der Drei-Meter-Linie, schräg zum Netz — so hältst du den Ball vor deiner rechten Schulter. Dieser Rhythmus ist so bestimmend für deinen Sprung, dass er einen eigenen Artikel verdient: der Angriffsschritt und der 3-Schritt-Rhythmus.

Häufiger Fehler: zu früh losgehen. Warte, bis das Zuspiel unterwegs ist, und beschleunige dann — ein Angreifer, der unter dem Ball wartet, springt ohne Schwung und verliert Dutzende Zentimeter Sprunghöhe.

Schritt 2: der Absprung

Bei den letzten beiden Schritten gehst du in die Knie und beide gestreckten Arme schwingen nach hinten. Aus dieser Spannung explodierst du nach oben: Arme schwingen kräftig nach vorne und oben, Beine strecken. Der doppelte Armschwung liefert bis zu zwanzig Prozent mehr Sprunghöhe — Spieler, die mit hängenden Armen springen, lassen das liegen. Springe mit beiden Füßen gleichzeitig ab, die Zehen leicht Richtung Netz eingedreht, damit sich dein Körper bei der Landung nicht ins Netz dreht.

Schritt 3: der Armzug (das Spannen des Bogens)

In der Luft entsteht der Großteil der Kraft. Ziehe deinen Schlagarm hoch am Körper nach hinten — Ellbogen über Schulterhöhe, Hand am Ohr oder höher — und drehe deinen Oberkörper leicht ein. Dein Nichtschlagarm zeigt nach oben zum Ball: das ist dein Zielvisier und hält deine Schulter hoch. Denk an einen Bogen, den du spannst: Brust offen, Ellbogen hinten, Spannung im Rumpf.

Häufiger Fehler: der "tiefe Ellbogen". Wer den Ellbogen unter Schulterhöhe sinken lässt, schiebt den Ball statt zu schlagen und verliert Kraft und Reichweite. Das ist der häufigste technische Fehler bei der Jugend — korrigiere ihn früh.

Schritt 4: der Ballkontakt

Schlage den Ball am höchsten Punkt, den du erreichen kannst, vor deiner Schlagschulter. Der Kontakt erfolgt mit einer offenen, gespannten Hand mittig-oben auf dem Ball; das Handgelenk klappt aktiv durch ("Snap"), wodurch der Ball Topspin bekommt und ins Feld taucht statt hinauszufliegen. Dein Rumpf klappt nach vorne mit — die Kraft kommt aus der Kette Beine–Rumpf–Schulter–Arm–Handgelenk, nicht aus dem Arm allein.

Wähle erst eine Richtung, wenn der Kontakt stabil ist. Erst treffen lernen, dann platzieren: gerade nach vorne, dann diagonal, dann die Linie entlang. Wer das Schlagen beherrscht, aber gegen einen guten Block läuft, braucht Alternativen — siehe Lob, Tip und Roll-Shot.

Schritt 5: die Landung

Lande auf beiden Füßen gleichzeitig und gehe in die Knie, um den Aufprall abzufangen. Eine Landung auf einem Bein ist die größte Quelle von Knie- und Sprunggelenkverletzungen bei Angreifern. Trainiere die Landung ausdrücklich, gerade bei der Jugend: wer sauber landen lernt, spielt länger. Mehr zum Schutz von Knien und Sprunggelenken liest du bei Verletzungsprävention im Volleyball.

Das Timing: Anlauf und Zuspiel zusammenfallen lassen

Die fünf Schritte können technisch perfekt sein und der Angriff misslingt trotzdem — weil das Timing nicht stimmt. Die Faustregel für einen hohen Außenball: beginne deinen Anlauf in dem Moment, in dem das Zuspiel seinen höchsten Punkt erreicht. Bei einem niedrigeren, schnelleren Zuspiel gehst du früher los, manchmal schon, während der Zuspieler den Ball noch in den Händen hat. Timing lernst du nicht aus Erklärungen, sondern aus Wiederholungen mit demselben Zuspieler: jeder Zuspieler hat einen eigenen Bogen und ein eigenes Tempo, und ein Angreifer stimmt sich darauf ab wie ein Tänzer auf die Musik. Reserviere daher in jedem Angriffstraining Zeit für feste Paare Zuspieler-Angreifer statt ständig wechselnder Kombinationen.

So baust du den Angriff im Training auf

  1. Schlagbewegung aus dem Stand: Ball gegen den Boden schlagen, Fokus auf Ellbogen hoch und Handgelenkaktion.
  2. Anlauf ohne Ball: der 3-Schritt-Rhythmus mit doppeltem Armschwung, bis er automatisch läuft.
  3. Angriff aus einem geworfenen Ball: Trainer wirft einen hohen, vorhersehbaren Ball — sprinten, springen, schlagen.
  4. Angriff aus einem Zuspiel: jetzt mit Zuspieler, erst hohe Bälle, später schnelleres Tempo.
  5. Angriff gegen Block und in der Spielform: Entscheidungen unter Druck treffen.

Wechsle die Phasen innerhalb eines Trainings ab: zehn Minuten isoliert, danach in einer Spielform anwenden. Mehr Aufbauideen findest du in der Übungsbibliothek.

Tipp: filme den Anlauf einmal von der Seite mit deinem Handy. Spieler fühlen nicht, dass ihr Ellbogen sinkt oder dass sie zu früh losgehen — aber auf dem Bild sehen sie es sofort, und das korrigiert schneller als zehn Anweisungen.

Wie misst du Fortschritt?

Schau nicht nur darauf, wie hart der Ball geht, sondern auf die Effizienz: wie viele Angriffe bringen einen Punkt, wie viele gehen ins Aus oder ins Netz? Auf Mannschaftsebene heißt das die Angriffsquote. Bei beginnenden Angreifern siehst du die Quote oft erst sinken, sobald sie härter schlagen — das gehört dazu, solange die Technik stimmt. Nach ein paar Wochen kriecht die Effizienz über das alte Niveau hinaus.

Häufige Fragen

In welchem Alter kann man Angreifen lernen?

Die Schlagbewegung und den Anlaufrhythmus kannst du ab etwa acht bis neun Jahren spielerisch beibringen, an einem niedrigeren Netz und mit leichteren Bällen. Der vollständige Angriff auf Herrenhöhe folgt erst, wenn Kraft und Koordination mitwachsen.

Warum schlage ich den Ball ständig ins Netz?

Meist triffst du den Ball zu spät oder zu tief: er ist schon vor deine Schulter gesunken. Geh etwas später los, spring näher hinter den Ball und triff ihn am höchsten Punkt vor deiner Schlagschulter. Auch ein tiefer Ellbogen drückt den Ball nach unten.

Wie schlage ich härter, ohne ins Aus zu schlagen?

Kraft kommt aus der Kette Beine-Rumpf-Arm, Kontrolle aus der Handgelenkaktion. Schlage mittig-oben auf den Ball mit aktivem Handgelenk für Topspin — dann taucht ein harter Ball trotzdem ins Feld. Rein mit dem Arm draufhauen ergibt flache Bälle, die hinausfliegen.

Soll ich mit einem oder mit zwei Füßen abspringen?

In fast allen Fällen mit zwei Füßen: das ergibt einen stabilen, hohen Sprung und eine sichere Landung. Den einbeinigen Absprung gibt es zwar (bei schnellen Slides von Mittelblockern), er ist aber eine Spezialistenvariante für später.

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