Was ist ein Joust im Volleyball und warum pfeift niemand?
Angreifer und Blockspieler kommen gleichzeitig an den Ball, drücken gegeneinander, der Ball steht eine halbe Sekunde über dem Netzband still — und der Schiedsrichter pfeift nicht. Wer die Regel nicht kennt, sieht darin zwei geführte Bälle auf einmal. Es ist genau das Gegenteil.
Was ein Joust ist
Ein Joust (gesprochen: dschaust) ist die Situation, in der zwei Gegenspieler den Ball gleichzeitig über dem Netz berühren und kurz dagegendrücken. Deutsche Kommentatoren sprechen auch von einem „Netzduell“ oder schlicht davon, dass beide „gemeinsam über dem Netz“ sind. Die Spielregeln kennen den Begriff nicht, regeln die Situation aber sehr wohl — in zwei Artikeln.
Erstens: länger andauernder Ballkontakt durch zwei oder mehr Gegenspieler am Netz ist erlaubt. Was bei einem einzelnen Spieler sofort ein geführter Ball wäre, ist bei zwei Gegenspielern kein Fehler. Zweitens (Regel 9.1.2.2): berühren zwei Gegenspieler den Ball gleichzeitig über dem Netz und bleibt der Ball im Spiel, dann hat das Team, zu dem der Ball geht, erneut Anspruch auf drei Ballberührungen.
Warum es weder Doppelberührung noch geführter Ball ist
Die Regeln zu Doppelkontakt und geführten Bällen betreffen die Ballbehandlung eines einzelnen Spielers innerhalb seines eigenen Teams. Bei einem Joust drücken zwei Spieler verschiedener Teams von zwei Seiten gegen denselben Ball: keiner von beiden kann ihn sauber wegprellen, denn die Gegenkraft hält ihn auf. Würde man hier pfeifen, bestrafte man willkürlich einen der beiden Spieler für etwas, das der andere verursacht hat. Daher die Ausnahme.
Wichtig: alle anderen Regeln gelten weiterhin. Wer während des Jousts das Netz berührt, macht einen Netzfehler. Wer den Ballkontakt herstellt, während er als Hinterspieler über der Netzkante mitblockt, macht einen Blockfehler. Der Joust setzt nur die Ballbehandlungsregel aus, sonst nichts.

Wer einen Joust gewinnt, bekommt drei frische Berührungen und damit eine neue Angriffschance; den Punkt, der darauf folgt, hältst du in Koach ganz normal nach Art fest — Angriff, Block oder Aufschlag.
Wer ist danach am Ball?
Der Ball kommt nach dem Joust auf einer Seite herunter. Das Team auf dieser Seite hat drei volle Ballberührungen. Die Joust-Berührung zählt dabei nicht als Teamberührung, und der Spieler, der im Joust war, darf den Ball danach selbst erneut spielen — genau wie nach einem Block. In der Praxis passiert das auch: der Blockspieler, der den Joust verliert, fällt zurück und verteidigt seinen eigenen Ball.
Fällt der Ball nach dem Joust außerhalb des Feldes, ist das der Fehler des Teams auf der anderen Netzseite (Regel 9.1.2.2). Ging der Ball also hinter deiner Grundlinie ins Aus, geht der Punkt an dich: der Gegner hat ihn hinausgedrückt. Das fühlt sich an der Seitenlinie oft ungerecht an, ist aber die logische Umkehrung desselben Gedankens — die letzte Kraft kam von der anderen Seite.
Joust oder gleichzeitige Berührung im eigenen Team?
Verwechsle den Joust nicht mit der anderen Gleichzeitigkeitsregel. Berühren zwei Mitspieler den Ball gleichzeitig, zählt das als zwei Ballberührungen (außer beim Block), und keiner von beiden darf den nächsten Ball spielen — du hast dann nur noch eine Berührung übrig. Zwei Mitspieler, die gemeinsam zum selben Ball hechten, kosten dich also eine Berührung; zwei Gegenspieler über dem Netz kosten dich nichts.
So gewinnst du einen Joust
Ein Joust ist zu einem großen Teil Technik und zu einem kleinen Teil Timing:
- Wer zuletzt kommt, gewinnt oft. Den Ball mit gestreckten Armen am höchsten Punkt berühren, nicht früh nach dem Ball greifen. Wer früher drückt, ist früher ausgestreckt.
- Feste, leicht gekippte Handgelenke. Lockere Handgelenke bedeuten, dass der Ball auf deine Seite gedrückt wird. Blockspieler lernen das in der Blocktechnik.
- Nicht zurückziehen. Der häufigste Fehler ist Loslassen, sobald du Gegendruck spürst. Genau dann fällt der Ball auf deine Hälfte.
- Drücke nach oben, nicht nach vorne. Drückst du vorwärts, geht der Ball über ihren Block hinweg oder weit in ihr Feld — oft ins Aus. Drückst du leicht nach oben, fällt er auf ihrer Seite und du hast eine verteidigbare Situation.
- Klärt, wer den Rückfaller verteidigt. Verlierst du den Joust, kommt der Ball schnell und steil direkt hinter dem Block herunter. Vereinbart, dass eure Mitte hinten dort automatisch hingeht.
Jugend, Minivolleyball und Beach
Die Regel ist in allen Altersklassen identisch: ab etwa 13 Jahren wird ganz normal nach den FIVB-Regeln gepfiffen. Beim Minivolleyball wird auf den unteren Stufen nicht geblockt, also entsteht die Situation nicht. Im Beachvolleyball gilt dieselbe Ausnahme, mit einem wichtigen Unterschied: dort zählt eine Blockberührung sehr wohl als Teamberührung, ein gewonnener Joust bringt dir also nur noch zwei Berührungen. Mehr dazu in Hallenvolleyball vs. Beachvolleyball.
Häufige Fragen
Warum pfeift der Schiedsrichter bei einem Joust nicht?
Weil länger andauernder Ballkontakt durch zwei oder mehr Gegenspieler am Netz ausdrücklich erlaubt ist. Beide Spieler halten den Ball gegeneinander auf; keiner kann ihn sauber wegprellen, also ist niemandem etwas vorzuwerfen.
Wer darf den Ball nach einem Joust spielen?
Das Team, zu dem der Ball fällt, und dieses Team hat erneut drei volle Ballberührungen. Der Spieler, der im Joust war, darf den Ball danach selbst wieder spielen — die Joust-Berührung zählt nicht als Teamberührung.
Wer bekommt den Punkt, wenn der Ball nach einem Joust ins Aus geht?
Das Team auf der Seite, auf der der Ball ins Aus ging. Der Fehler liegt beim Team auf der anderen Netzseite, denn von dort kam die Kraft, die den Ball aus dem Feld drückte.
Was, wenn zwei Mitspieler den Ball gleichzeitig berühren?
Das ist etwas ganz anderes: es zählt als zwei Ballberührungen, und das Team hat danach nur noch eine Berührung übrig. Nur beim Block zählt die gleichzeitige Berührung von Mitspielern als eine Berührung.


