Doppelberührung, geführter Ball und mehr technische Fehler erklärt
Kein Pfiff löst so viel Seufzen aus wie der für eine „Doppelberührung“ oder einen „geführten Ball“. Teils zu Recht: es sind zum Teil Ermessensentscheidungen, bei denen der Schiedsrichter interpretiert. Aber die Regeln dahinter sind klarer, als die Tribüne oft denkt — inklusive einiger Ausnahmen, die das Spiel überhaupt erst möglich machen.
Doppelberührung: zweimal hintereinander derselbe Spieler
Ein Spieler darf den Ball nicht zweimal hintereinander berühren. Trifft der Ball beim oberen Zuspiel erst die eine und dann die andere Hand, ist das formal eine Doppelberührung — deshalb pfeifen Schiedsrichter bei einem „eiernden“ Zuspiel: der Ball verrät, dass beide Hände ihn nicht gleichzeitig berührt haben. Aber es gibt zwei wichtige Ausnahmen:
- Die erste Teamberührung. Beim ersten Ball des Teams — der Annahme oder einer Abwehraktion — darf der Ball in einer Aktion mehrere Körperteile nacheinander berühren. Ein harter Aufschlag, der über deine Unterarme gegen deine Schulter prallt, ist also kéin Fehler.
- Nach einem Block. Eine Blockberührung zählt nicht als Teamberührung. Der Blockspieler darf den Ball direkt danach noch einmal spielen, und das Team hat anschließend ganz normal noch drei Berührungen.
Für Zuspieler ist die Doppelberührung der Berufsfehler: beim oberen Zuspiel müssen beide Hände den Ball gleichzeitig berühren. Wie streng das beurteilt wird, unterscheidet sich je Niveau — international ist die Linie in den letzten Jahren kulanter geworden, in der niederländischen Halle wird meist strenger gepfiffen.
Geführter Ball: fangen und werfen
Der Ball muss geschlagen oder abgeprallt werden, nicht gefangen oder geworfen. Sobald der Ball in den Händen zur Ruhe kommt — und sei es nur für den Bruchteil einer Sekunde — pfeift der Schiedsrichter einen geführten Ball (auch „gehaltener Ball“, „Lift“ oder „held ball“ genannt). Typische Beispiele: ein niedriger Ball, der mit der Handfläche nach oben „geschaufelt“ wird, ein oberer Ball, der zu tief in die Finger sinkt, oder eine einhändige Rettungsaktion, bei der der Ball sichtbar begleitet wird. Die Grenze ist Auslegungssache, aber das Kriterium steht fest: hatte der Ball einen Kontaktmoment, oder wurde er geführt?
Vier Berührungen
Ein Team hat höchstens drei Berührungen, um den Ball zurück über das Netz zu bringen. Berührt ein vierter Mitspieler den Ball, pfeift der Schiedsrichter „vier Berührungen“. Denk dabei an die Blockausnahme: der Block zählt nícht mit. Block, Abwehr, Zuspiel, Angriff — das sind also vier Kontakte, aber drei Teamberührungen, und völlig legal. Berühren zwei Mitspieler den Ball gleichzeitig, zählt das als zwéi Berührungen (außer beim Block), und jeder der beiden darf danach ganz normal den nächsten Ball spielen.
Die übrigen technischen Fehler in Kürze
- Unterstützter Schlag: sich auf einen Mitspieler oder Gegenstand zu stützen, um an den Ball zu kommen, ist ein Fehler.
- Ball unter dem Netz hindurch: der Ball muss zwischen den Antennen über das Netz; darunter hindurch oder außen vorbei ist ein Fehler — siehe auch die Netzfehlerregeln.
- Angriffs- und Blockfehler von Hinterspielern und Libero: behandelt in den Drei-Meter-Regeln und den Libero-Regeln.
- Aufschlagfehler: Fußfehler an der Grundlinie, nicht innerhalb von 8 Sekunden aufschlagen oder den Ball nach dem Hochwerfen fallen lassen, ohne ihn zu schlagen.
So gehst du als Coach damit um
Technische Fehler sind teils niveauabhängig: bei den Minis wird bewusst großzügig gepfiffen, um das Spiel am Laufen zu halten, in den höchsten Ligen wird jeder eiernde Ball abgepfiffen. Drei praktische Ratschläge: bring deinen Spielern bei, dass der erste Ball Freiheit bietet (eine Aktion, mehrere Kontakte erlaubt), trainiere das obere Zuspiel, bis die Doppelberührung heraus ist, statt das obere Spiel zu meiden, und diskutiere nie über einen geführten Ball — es ist eine Ermessensentscheidung, die kein Schiedsrichter zurücknimmt. Zählst du die Fehlerarten während des Spiels mit, siehst du schnell, ob technisch fehlerhaftes Spiel strukturell Punkte kostet — siehe Punkttypen im Volleyball.
Wusstest du: bei der ersten Teamberührung darf der Ball sehr wohl zwei Körperteile nacheinander berühren, aber nicht gefangen werden. „Doppelt“ ist beim ersten Ball also fast nie ein Fehler — „geführt“ bleibt es immer. Wer diesen Unterschied kennt, versteht neun von zehn Pfiffen bei der Annahme.
Zum Schluss noch eine Beruhigung: auf jedem Niveau pfeift der Schiedsrichter im Geist dieses Niveaus. Was in der Eredivisie, der höchsten niederländischen Liga, eine Doppelberührung ist, ist in der dritten Klasse oft einfach Weiterspielen. Erwarte also keine identische Linie von Woche zu Woche, aber sehr wohl Konsistenz innerhalb eines Spiels — und danach darfst du als Kapitän höflich fragen. Alle Fehlerkategorien zusammen findest du im Überblick alle Volleyballregeln im Überblick.
Häufige Fragen
Wann ist ein Ball „geführt“?
Sobald der Ball nicht geschlagen, sondern gefangen und/oder geworfen wird: er kommt sichtbar zur Ruhe oder wird begleitet statt abzuprallen. Es ist eine Ermessensentscheidung des ersten Schiedsrichters.
Darf der Ball bei der Abwehr zwei Körperteile berühren?
Bei der ersten Teamberührung ja, sofern es in einer Aktion geschieht: ein Aufschlag, der über deine Arme gegen deine Brust prallt, ist kein Fehler. Bei der zweiten und dritten Teamberührung gilt das nicht — da ist jeder Doppelkontakt ein Fehler.
Zählt ein Block als eine der drei Berührungen?
Nein. Eine Blockberührung zählt nicht als Teamberührung, und der Blockspieler darf den Ball direkt nach seinem Block erneut spielen. Nach einer Blockberührung hat das Team also noch drei volle Berührungen.
Darf man den Ball mit dem Fuß spielen?
Ja, der Ball darf mit jedem Körperteil gespielt werden, auch mit Fuß und Bein. Die Regeln über Doppelkontakt und Führen gelten dann ganz normal weiter; nur beim Aufschlag muss der Ball mit einer Hand oder einem Arm geschlagen werden.

