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Darf der Libero schmettern oder blocken? Die Netzregeln

Der Ball kommt hoch zurück, dein Libero steht zufällig vorne und schlägt ihn weg. Punkt — oder Fehler? Am Netz gelten für den Libero zwei getrennte Verbote, die etwas anders funktionieren, als die meisten Spieler denken, und der Unterschied liegt in der Höhe des Balls.

Lesezeit: 6 Min.

Blocken: niemals, und nicht einmal ein Versuch

Regel 19.3.2.2 ist die strengste Einschränkung, die ein Volleyballer kennt: der Libero darf nicht blocken und keinen Blockversuch unternehmen. Das geht weiter als die Regel für gewöhnliche Hinterspieler, die nur bestraft werden, wenn sie bei einer Blockaktion den Ball berühren. Für den Libero ist die Handlung selbst schon ein Fehler: am Netz mit den Händen über der Netzkante hochzuspringen ergibt einen Fehler, auch ohne Ballkontakt.

Auch Teil eines kollektiven Blocks zu sein ist nicht erlaubt. Ein Gruppenblock, in dem der Libero mitsteht, ist fehlerhaft, sobald er an dieser Aktion teilnimmt. Den Unterschied zur Hinterspielerregel behandeln wir in darf ein Hinterspieler blocken.

Angreifen: nur über der Netzkante verboten

Hier steckt die Nuance, die oft übersehen wird. Regel 19.3.2.1 verbietet dem Libero das Abschließen eines Angriffsschlags von jeder beliebigen Stelle — Spielfeld und Freizone — wenn der Ball im Moment des Kontakts vollständig höher ist als die Oberkante des Netzes.

Zwei Dinge folgen daraus:

Der Vergleich mit den gewöhnlichen Hinterspielerregeln steht in den Drei-Meter-Regeln: die drehen sich um den Ort des Absprungs, diese um die Höhe des Balls.

Entwicklungsgrafik eines Spielers mit dem Verlauf über die Saison
Ein Libero leistet seinen Beitrag vor dem Angriff — und genau darüber sollten seine Zahlen etwas aussagen.

Weil der Libero einen Ballwechsel nie am Netz abschließt, beurteilst du ihn an den Zahlen, die tatsächlich zählen: Annahmebewertungen und Abwehraktionen pro Satz werden in Koach pro Spieler mitgeführt.

Die dritte Einschränkung: das Zuspiel in der Vorderzone

Es gibt noch eine Regel, die indirekt mit dem Netz zu tun hat. Spielt der Libero den Ball oben mit den Fingern aus der Vorderzone zu, dann darf sein Mitspieler diesen Ball nicht angreifen, wenn er ihn vollständig über der Netzkante trifft. Der Fehler liegt dann beim Angreifer, nicht beim Libero. Die vollständige Ausarbeitung steht in darf der Libero oben zuspielen.

Was der Libero sehr wohl darf

Die Liste ist kürzer als die Verbotsliste, aber sie ist das Herz der Rolle:

Aufschlagen darf er nicht; das behandeln wir gesondert in darf der Libero aufschlagen.

Kurz zusammengefasst: alles, was der Libero tut, passiert unter der Netzkante oder weit weg vom Netz. Über der Netzkante ist er schlicht kein Spieler.

Wo es in der Praxis schiefgeht

Jugend, Minivolleyball und Freizeitligen

Ab etwa 13 Jahren sind die Regeln mit denen der Erwachsenen identisch. Beim Minivolleyball gibt es die Rolle des Liberos nicht, weil Kinder dort gerade alle Aufgaben lernen sollen. In Freizeit- und Betriebsligen wird regelmäßig mit einem „Libero“ gespielt, der alles darf — das ist dann eine Hausregel und kein offizieller Libero; was dort gilt, steht im Reglement dieser Liga. Die übrigen Bestimmungen — Trikot, Benennung, zweiter Libero — findest du in den Libero-Regeln.

Häufige Fragen

Darf der Libero blocken?

Nein, niemals. Der Libero darf nicht blocken und nicht einmal einen Blockversuch unternehmen: am Netz mit den Händen über der Netzkante hochzuspringen ist bereits ein Fehler, auch ohne den Ball zu berühren.

Darf der Libero schmettern?

Nur wenn der Ball im Moment des Kontakts nicht vollständig über der Oberkante des Netzes ist. Ist er das doch, darf der Libero ihn nirgends abschließen — auch nicht von weit hinter der Drei-Meter-Linie.

Darf der Libero den Ball über das Netz spielen?

Ja, solange der Ball im Kontaktmoment nicht vollständig über der Netzkante ist. Ein Downball, ein niedriger Lob oder ein strammer Bagger über das Netz sind also ganz normal erlaubt.

Worin unterscheidet sich der Libero von einem gewöhnlichen Hinterspieler?

Bei einem gewöhnlichen Hinterspieler geht es um den Ort des Absprungs gegenüber der Drei-Meter-Linie, und nur ein vollendeter Block ist ein Fehler. Beim Libero geht es um die Höhe des Balls, das Angriffsverbot gilt überall, und schon ein Blockversuch ist ein Fehler.

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