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Volleyball-Schiedsrichter werden: die drei Wege

Irgendwann im September fällt die Nachricht: unsere Mannschaft muss diese Saison sechsmal pfeifen. Danach passiert meistens nichts, bis zum Freitag vor dem ersten Einsatz. Die Frage, die dann hochkommt, ist immer dieselbe — darf ich das eigentlich, ohne Papiere? Die Antwort lautet öfter ja, als Trainer denken, aber darunter liegen drei deutlich verschiedene Wege.

Lesezeit: 8 Min.

Warum dein Verein dich überhaupt bittet zu pfeifen

Ligavolleyball läuft mit Schiedsrichtern, die die Vereine selbst stellen. Verbände setzen erst ab einem bestimmten Niveau eigene, angesetzte Schiedsrichter ein; unterhalb dieses Niveaus ist es der Heimverein, der jemanden auf den Stuhl stellt. Ein Verein mit zehn Mannschaften organisiert damit schnell mehr als hundert Spiele pro Jahr, bei denen jemand aus den eigenen Reihen pfeifen muss. Das ist die ganze Erklärung hinter der Pfeifpflicht, die deine Mannschaft auferlegt bekommen hat: es ist keine Schikane des Spielwarts, es ist eine Rechnung, die irgendwo landen muss.

Was passiert, wenn ein Verein diese Einsätze nicht besetzt, unterscheidet sich je nach Verband: manche berechnen eine Geldstrafe pro nicht besetztem Spiel, andere arbeiten mit Punktabzügen oder mit der Auflage, zusätzliche ausgebildete Mitglieder zu stellen. Frag das einmal bei deinem eigenen Spielwart nach und schreib die Antwort auf, denn sie bestimmt, wie verbindlich die Absprachen in deinem Verein sein müssen.

Wichtiger für dich als Trainer oder Spieler: auf „darf ich pfeifen" gibt es fast nie nur eine Antwort. Es hängt vom Niveau des Spiels ab. Deshalb laufen drei Wege nebeneinander her, und die meisten Menschen durchlaufen sie in dieser Reihenfolge.

Weg 1: pfeifen ohne Lizenz

Für einen großen Teil dessen, was an einem Samstag in einer Sporthalle passiert, brauchst du überhaupt kein Papier. Denk an vereinsinterne Spiele, Testspiele, Vereinsturniere, Trainingsspiele zwischen zwei Mannschaften und — bei den meisten Verbänden — die untersten Jugendligen und die Mini-Volleyball-Formen. Die Faustregel: je niedriger das Niveau und je weniger vom Ergebnis abhängt, desto häufiger darf der Verein selbst bestimmen, wer pfeift.

Wo genau die Grenze zwischen „das besetzt der Verein selbst" und „hier muss ein ausgebildeter Schiedsrichter stehen" liegt, unterscheidet sich je nach Verband und sogar je nach Spielklasse innerhalb desselben Verbands. Das ist eine Frage an deinen Spielwart, mit einer Antwort, die eine ganze Saison hält. Stell sie im August, nicht im November.

Dieser Weg ist auch die nützlichste Art herauszufinden, ob es dir liegt. Pfeif erst drei interne Spiele oder ein Vereinsturnier, bevor du dich für einen Kurs anmeldest. Du merkst innerhalb von zwei Sätzen, ob es dir Spaß macht, Entscheidungen zu treffen, zu denen dreißig Leute eine Meinung haben — und darauf läuft dieses Amt letztlich hinaus.

Was du mindestens kennen musst, bevor du auf dem Stuhl stehst

Ohne Lizenz zu pfeifen heißt nicht, ohne Vorbereitung zu pfeifen. Vier Themen decken zusammen den weitaus größten Teil dessen ab, was dir in einem Amateurspiel begegnet, und die kannst du an einem Abend durchgehen:

Willst du es in einem Zug breiter angehen, fang bei der Regelübersicht an und lies danach nur die Teile, die auf deinem Niveau vorkommen. Regeln über Hinterspielerangriffe musst du nicht parat haben, wenn du eine Gruppe Zwölfjähriger pfeifst.

Weg 2: der Einsteigerkurs deines Verbands

Jeder Verband hat eine Einsteigerausbildung für Vereinsschiedsrichter. Der Name unterscheidet sich von Land zu Land, der Aufbau ist auffallend vergleichbar und besteht praktisch überall aus vier Teilen:

  1. Theorie. Meistens ein Abend oder ein halber Tag zu Spielregeln, Handzeichen und der Zusammenarbeit mit dem Schreibertisch. Rechne mit ein paar Stunden, manchmal über zwei Abende verteilt, manchmal teilweise online.
  2. Ein Regeltest. Bei den meisten Verbänden ein kurzer Test mit Fallbeispielen. Durchfallen ist in der Regel folgenlos: du machst ihn noch einmal.
  3. Begleitete Spiele. Ein bis drei Spiele, in denen ein erfahrener Schiedsrichter neben dir steht oder hinterher mit dir durchgeht, was passiert ist. Das ist bei weitem der wertvollste Teil.
  4. Registrierung. Du kommst ins System deines Verbands, meistens mit einem Ausweis oder einem Eintrag im Vereinskonto, sodass der Verein dich für Spiele melden kann.

Zusammen ist das eine einmalige Investition von ein paar Abenden, keine Ausbildung über Monate. Wie viele Stunden es genau sind, was der Kurs kostet, ab welchem Alter du teilnehmen darfst und wie lange die Berechtigung gültig bleibt: das unterscheidet sich je nach Verband und ändert sich regelmäßig. Prüf diese vier Dinge auf der Seite deines eigenen Verbands oder bei eurem Schiedsrichterwart, und übernimm keinen Betrag, den jemand aus einem anderen Verein genannt hat.

Zwei praktische Ratschläge. Erstens: geht zu zweit aus derselben Mannschaft. Danach hast du jemanden zum Tauschen, jemanden zum Besprechen nach einem seltsamen Spiel, und eure Mannschaft liefert auf einen Schlag zwei berechtigte Leute statt einer. Zweitens: plane dein erstes echtes Spiel innerhalb von drei Wochen nach dem Kurs. Wer ein halbes Jahr wartet, hat die Hälfte vergessen und fängt trotzdem mit weichen Knien an.

Weg 3: wann eine Lizenz wirklich Pflicht wird

Oberhalb eines bestimmten Ligeniveaus bestimmt nicht mehr der Verein, wer pfeift. Dann setzt der Verband oder die Region einen Schiedsrichter mit gültiger Lizenz an, und der bekommt eine Ansetzung zugeschickt. Das ist der Moment, in dem das Amt sich von einem Vereinsdienst in eine Funktion verwandelt: du hast ein Niveau, du wirst beurteilt, bei den meisten Verbänden steht eine Fahrtkosten- oder Spielentschädigung dagegen, und du bewegst dich durch die Region statt durch deine eigene Sporthalle.

Was so eine Lizenz zusätzlich verlangt, ist in groben Zügen überall dasselbe: eine Aufbauausbildung über den Einsteigerkurs hinaus, eine Mindestanzahl an Spielen pro Saison, um die Lizenz aktiv zu halten, und regelmäßige Fortbildung. Die Zahlen und die Fristen unterscheiden sich je nach Verband, also gilt auch hier: einmal beim eigenen Verband nachschlagen und sich nicht darauf verlassen, was in einer Chatgruppe kursiert.

Für die meisten Leser dieses Artikels ist dieses Niveau nicht das Ziel, und das ist völlig in Ordnung. Es gibt Vereine mit zwanzig Mitgliedern, die einen Einsteigerkurs gemacht haben, und null Leuten mit höherer Lizenz, und die bekommen ihre Schiedsrichterversorgung vollständig rund. Der Lizenzweg ist interessant, wenn du merkst, dass es dir Spaß macht und du mehr Spiele pfeifen willst, als dein Verein dir bieten kann.

Was es an Zeit kostet, pro Saison

Das ist die Frage, an der Leute abspringen, meistens weil sie sie zu hoch einschätzen. Die Rechnung pro Einsatz:

Das sind ungefähr zwei bis zweieinhalb Stunden pro Einsatz. Bei vier Einsätzen pro Saison redest du also über acht bis zehn Stunden, plus einmalig den Kurs. Zum Vergleich: das ist in vielen Vereinen weniger, als ein Mitglied an Thekendiensten leistet. Dieser Vergleich ist kein rhetorischer Trick, sondern ein brauchbares Argument in der Mannschaftssitzung, in der niemand die Hand hebt.

Es steht auch etwas dagegen, das schwer zu messen, aber von fast jedem Trainer genannt wird: du siehst das Spiel danach anders. Wer zehnmal beurteilen musste, ob ein Ball geführt war, coacht danach ruhiger an der Seitenlinie und diskutiert weniger. Es macht sich außerdem in deiner Mannschaft bemerkbar: Spieler, die selbst gepfiffen haben, protestieren merklich seltener.

Der Einsatzplan: Einsätze verteilen, ohne dass dieselben drei Leute alles machen

Hier geht es bei den meisten Vereinen schief, und nicht bei der Ausbildung. Nimm einen Verein mit zehn Mannschaften, die jeweils etwa elf Heimspiele spielen: das sind rund 110 Einsätze pro Saison. Verteilt auf zehn Mannschaften sind das elf Einsätze pro Mannschaft — bei einer Gruppe von zwölf Mitgliedern noch nicht einmal ein Einsatz pro Person. Auf dem Papier ist also alles in Ordnung.

In der Praxis sind pro Mannschaft drei oder vier Leute berechtigt, und diese vier drehen zusammen diese elf Einsätze. Fast drei Stück pro Person, während der Rest der Mannschaft null macht. Das ist genau das Muster, nach dem Leute nach zwei Saisons abspringen. Die Lösung ist nicht, strenger zu planen, sondern den Teich zu vergrößern: lass jede Mannschaft pro Jahr zwei Mitglieder den Einsteigerkurs machen. Nach drei Saisons hat sich deine berechtigte Gruppe verdreifacht, und der Durchschnitt sinkt auf einen Einsatz pro Person und Jahr. Das ist eine Frage von Werbung und Ausbildung, keine Planungsfrage — dieselbe Logik, die beim Werben von Trainern gilt.

Daneben helfen sieben Planungsregeln, die du vor dem ersten Spieltag festlegst:

  1. Rechne zuerst die Vereinssumme aus. Anzahl der Heimspiele mal die Anzahl der Funktionen, die du pro Spiel brauchst (Schiedsrichter, Schreiber, manchmal ein zweiter Schiedsrichter). Ohne diese Zahl ist jede Diskussion über Fairness eine Gefühlssache.
  2. Verteile auf Mannschaftsebene, nicht auf Personenebene. Mannschaft 4 ist für elf Einsätze verantwortlich und verteilt sie selbst. Das erspart dem Koordinator hundert einzelne Mails und legt den Druck dorthin, wo die soziale Kontrolle sitzt.
  3. Veröffentliche die ganze Saison auf einmal. Vor dem ersten Spieltag, alle Termine gleichzeitig. Ein Plan, der monatlich erscheint, liefert monatlich dieselbe Diskussion.
  4. Tauschen ist ohne Genehmigung erlaubt, sofern die Vertretung berechtigt ist und die Änderung im Plan steht. Der Einsatz bleibt Eigentum der Mannschaft, nicht der Person.
  5. Leg die Befreiungen vorher fest. Wer zu dieser Zeit selbst spielt oder coacht und wer unter der Altersgrenze deines Verbands liegt, macht nicht mit. Ausnahmen im Nachhinein kosten dich den ganzen Plan.
  6. Eine leere Stelle eskaliert 72 Stunden vorher an den Schiedsrichterwart — nicht am Samstagmorgen an die Hallenaufsicht, die zufällig da ist.
  7. Führe einen sichtbaren Zähler darüber, wer wie viele Einsätze gemacht hat, und veröffentliche den Stand im Januar. Nichts wirkt so gut wie eine Liste, auf der jeder seinen eigenen Namen nachschlagen kann.

Praktisch gesehen ist ein Schiedsrichtereinsatz einfach ein Dienst mit einem Datum, einer Uhrzeit und einer Anzahl Plätze. In Koach setzt du ihn als Dienst in den Vereinskalender: Mitglieder sehen ihn zwischen ihren Trainings und Spielen stehen, können sich auf einen freien Platz melden und bekommen eine Benachrichtigung dazu. Für Thekendienste geht das sogar automatisch über das ganze Jahr — siehe Thekendienste planen — und der Schiedsrichterplan hängt am selben Kalender, sodass niemand eine separate Liste öffnen muss.

Kalender mit anstehenden Trainings, Spielen und eingeplanten Diensten nebeneinander
Ein Schiedsrichtereinsatz, der zwischen Trainings und Spielen im selben Kalender steht, wird von niemandem vergessen — ein separater Plan in einem geteilten Ordner schon.

Kernpunkt: ein Schiedsrichterplan kippt nicht durch schlechte Planung, sondern durch einen zu kleinen Teich. Zähl zuerst, wie viele Einsätze dein Verein pro Saison hat, und teil das durch die Anzahl berechtigter Mitglieder. Kommt dabei mehr als zwei heraus, ist Ausbilden deine Lösung und nicht strafferes Planen.

Was der Verein für dich regeln sollte

Wer Ja zum Pfeifen sagt, tut dem Verein einen Gefallen. Das Mindeste, was dagegensteht, ist, dass der Verein den Papierkram wegnimmt. Sechs Dinge sollten geregelt sein, bevor jemand sein erstes Spiel macht:

Läuft bei euch auch der Schreibertisch über Freiwillige, regle diese zwei Dinge in einem Zug. Ein Schreiber, der den Spielberichtsbogen kennt, macht die Arbeit einer beginnenden Schiedsrichterin erheblich leichter; die Schritt-für-Schritt-Anleitung dazu steht in den Spielberichtsbogen ausfüllen.

Weiterkommen — oder ehrlich sagen, dass es nicht zu dir passt

Merkst du, dass es dir liegt, ist der nächste Schritt selten ein großer Sprung. Frag nach drei oder vier Spielen, ob eine erfahrene Schiedsrichterin einmal zuschauen kommt, oder setz dich selbst neben jemanden, der eine Klasse höher pfeift. Wer danach aufsteigen will, meldet sich bei der Schiedsrichterkommission seiner Region; wie der nächste Schritt heißt und welche Ausbildung dazugehört, steht auf der Seite deines Verbands.

Und wenn es nicht zu dir passt: sag das, und sag es im September. Ein Verein kann gut mit „ich mache den Schreibertisch und das Fahren, aber pfeifen will ich nicht" umgehen — darauf lässt sich ein Plan anpassen. Was ein Verein nicht auffangen kann, ist jemand, der am Freitagabend für das Spiel am nächsten Morgen absagt. Die unangenehmsten Samstage in einer Sporthalle entstehen fast nie durch einen Schiedsrichter, der einen Fehler macht, sondern durch einen Schiedsrichter, der nicht da ist.

Häufige Fragen

Darf ich ohne Lizenz pfeifen?

Bei vereinsinternen Spielen, Testspielen, Vereinsturnieren und bei den meisten Verbänden auch in den untersten Jugendklassen darf der Verein selbst bestimmen, wer pfeift. Ab einer bestimmten Spielklasse verlangt der Verband einen ausgebildeten oder angesetzten Schiedsrichter. Wo diese Grenze genau liegt, unterscheidet sich je nach Verband: frag es einmal bei deinem Spielwart nach.

Was kostet ein Schiedsrichterkurs und wer bezahlt ihn?

Der Preis unterscheidet sich je nach Verband und Land, schau also auf der Seite deines eigenen Verbands nach. Bei den allermeisten Vereinen bezahlt der Verein den Kurs, weil er die ausgebildeten Mitglieder braucht, um seine eigene Pfeifpflicht zu erfüllen. Musst du selbst vorstrecken, lass dir das vorher schriftlich zusagen.

Ab welchem Alter kann man Volleyball-Schiedsrichter werden?

Das Mindestalter für den Einsteigerkurs unterscheidet sich je nach Verband und liegt meistens irgendwo im Teenageralter. Jünger pfeifen geht fast überall bei internen Spielen und Vereinsturnieren, unter Begleitung einer erwachsenen Person. Prüf die genaue Altersgrenze bei deinem eigenen Verband.

Wie viel Zeit kostet ein Schiedsrichtereinsatz?

Rechne mit zwei bis zweieinhalb Stunden: eine halbe Stunde vor Beginn anwesend, 75 bis 100 Minuten Spiel und zehn Minuten nach Schluss für den Spielberichtsbogen. Bei einem Heimspiel in der eigenen Halle kommt keine Fahrtzeit dazu.

Was machen wir, wenn in unserer Mannschaft niemand berechtigt ist?

Meld das sofort dem Schiedsrichterwart und tausch den Einsatz mit einer Mannschaft, die berechtigte Mitglieder hat, gegen einen anderen Vereinsdienst. Davon abgesehen ist das ein Ausbildungsproblem: lass jede Mannschaft pro Jahr zwei Mitglieder den Einsteigerkurs machen, dann ist es nach drei Saisons strukturell gelöst.

Muss ich alle Spielregeln auswendig können?

Nein. Vier Themen decken den weitaus größten Teil eines Amateurspiels ab: Aufschlagreihenfolge und Positionen, Wechselregeln, Netz- und Mittellinienfehler mit der Anzahl der Ballberührungen, und die Handzeichen. Seltene Situationen schlägst du nach oder fragst den zweiten Schiedsrichter; niemand erwartet, dass du das Regelwerk zitieren kannst.

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