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Oberes Zuspiel: Technik des Zuspielers

Das Zuspiel ist die präziseste Technik des Volleyballs: mit zehn Fingern gibst du dem Ball exakt die Höhe, Richtung und Geschwindigkeit, die dein Angreifer braucht. Jeder in der Mannschaft muss es können — aber für den Zuspieler ist es ein Handwerk. So funktioniert die Technik.

Lesezeit: 6 Min.

Die Handhaltung: ein Körbchen über der Stirn

Forme mit beiden Händen die Konturen des Balls: Finger gespreizt und entspannt, Daumen und Zeigefinger bilden grob ein Dreieck, Hände ein paar Zentimeter auseinander. Dieses "Körbchen" hältst du über und etwas vor deiner Stirn — nicht vor der Brust. Schau gewissermaßen durch das Fenster deiner Daumen und Zeigefinger zum Ball.

Der Kontakt erfolgt mit den oberen Gliedern aller zehn Finger gleichzeitig, nie mit den Handflächen. Die Finger federn mit wie Stoßdämpfer und strecken sich sofort wieder: Ball rein, Ball raus, in einer fließenden Bewegung. Bleibt der Ball sichtbar liegen oder rollt er durch die Hände, pfeift der Schiedsrichter für einen geführten oder doppelt gespielten Ball.

Die Bewegung: Kraft aus den Beinen

  1. Komm unter den Ball: verschiebe zuerst deine Füße, sodass der Ball direkt über deine Stirn kommt. Rechter Fuß etwas vorne ist die Konvention bei Zuspielern — das hält das Zuspiel vom Netz weg.
  2. Geh leicht in die Knie: die Feder, die du so eindrückst, liefert später die Kraft.
  3. Strecke alles gleichzeitig: Beine, Rumpf, Arme und Finger strecken in einer Welle Richtung Ziel. Der Ball verlässt die Hände, wenn der Körper vollständig gestreckt ist.
  4. Zeig dem Ball nach: Hände und Arme enden gestreckt Richtung Ziel — du "wirfst" den Ball mit deinem ganzen Körper, nicht mit den Handgelenken.

Häufiger Fehler: zuspielen mit nur Armen und Handgelenken aus einer aufrechten Haltung. Das ergibt kurze, harte Zuspiele ohne Kontrolle. Die Regel ist einfach: kleine Distanz, kleine Beine; große Distanz, große Beine.

Was macht ein Zuspiel gut?

Ein gutes Zuspiel ist eines, an dem der Angreifer nichts mehr tun muss. Konkret: der Ball kommt in einem festen Abstand zum Netz (etwa einen halben bis einen ganzen Meter, nie darangedrückt), mit einem Bogen, der zum Tempo passt, und er "steht still" am höchsten Punkt, wo der Angreifer ihn trifft. Konstanz gewinnt gegen Kreativität: ein Zuspieler, der zehn Mal denselben sauberen Ball liefert, ist mehr wert als einer, der zwischen brillant und unspielbar wechselt. Welche Tempi es gibt — vom hohen Ball bis zum ersten Tempo — ist der nächste Schritt nach einer stabilen Technik.

Aufbau in Übungen

  1. Zuspiel gegen sich selbst: tief über der Stirn hochhalten, dann abwechselnd tief und hoch — Gefühl für den federnden Kontakt.
  2. Zuspiel zu zweit: auf drei bis vier Meter, Fokus auf Körbchen und Beinstreckung. Danach Distanz vergrößern.
  3. Verschieben und zuspielen: der Ball wird links oder rechts vom Zuspieler geworfen; erst Füße, dann erst Hände.
  4. Aus der Annahme: Annahme-Zuspiel-Fangen, später Annahme-Zuspiel-Angriff — die Kette, wie sie im Spiel läuft.
  5. Unter Druck: Zuspiel aus einer mäßigen Annahme, am Netz entlanglaufend aus der Abwehrposition — die echte Arbeit des Zuspielers.

Die häufigsten Fehler

Aufstellung in der Koach-App mit der ZS-Badge auf dem Zuspieler
Der Spieler mit der ZS-Badge spielt fast jeden zweiten Ball — Grund genug, dieser Technik die meiste Aufmerksamkeit zu geben.

Jeder spielt zu, einer ist Zuspieler

Auch wenn der Zuspieler die meisten Wiederholungen bekommt: trainiere das Zuspiel bei allen deinen Spielern. Jeder Ballwechsel, in dem die Annahme wegfällt, verlangt, dass jemand anderes den zweiten Ball spielt — und eine Mannschaft, in der nur der Zuspieler zuspielen kann, bleibt dann stehen. Für die Rolle, die Positionswahl und das Spielverständnis des echten Zuspielers liest du weiter bei der Zuspieler: Rolle und Bestimmung und den Zuspieler positionieren. Und siehst du lieber Zahlen als durch die Finger: in den Mannschaftsstatistiken erkennst du eine gute Zuspielwoche an einer steigenden Angriffsquote — das Zuspiel selbst steht selten auf der Anzeigetafel, steckt aber in jedem Angriffspunkt verborgen.

Häufige Fragen

Wann ist ein Zuspiel ein geführter Ball?

Wenn der Ball sichtbar in den Händen zum Stillstand kommt oder mitgenommen statt gefedert wird. Der Schiedsrichter beurteilt den Kontaktmoment: eine fließende Rein-und-raus-Bewegung ist gut, fangen-und-werfen ist ein Fehler.

Darf man den ersten Ball des Gegners oben spielen?

Ja, auch ein Aufschlag darf oben gespielt werden, sofern der Ball nicht gefangen oder geworfen wird. Bei der ersten Teamberührung wird eine Doppelberührung außerdem nicht bestraft, solange es in einer Aktion geschieht.

Warum gehen meine Zuspiele in alle Richtungen?

Meist stehst du nicht unter dem Ball und korrigierst mit deinen Armen. Verschiebe schneller, nimm den Ball über deiner Stirn an und richte nach der Streckung beide Hände zum Ziel. Ungleicher Fingerkontakt — eine Hand früher als die andere — ist der zweite große Übeltäter.

Mit welchem Fuß vorne soll ein Zuspieler zuspielen?

Die Konvention ist rechter Fuß etwas vorne, mit den Schultern Richtung Außenangreifer. Das macht das Zuspiel nach vorne und hinten am neutralsten und hält den Ball vom Netz weg. Wichtiger als der Fuß ist, dass die Haltung bei jedem Zuspiel gleich ist.

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