Trainer Dennis Boekhout über Spieleraccounts: die eigenen Zahlen ja, die eines Mitspielers nie, und Side-out pro Rotation gar nicht.
Wer sein Team in eine App einlädt, gibt elf Menschen den Schlüssel zu Zahlen, die vorher nur auf einem Handy lagen. Was Spieler in der App sehen, ist deshalb eng abgesteckt: die eigene Anwesenheit, die eigenen Punkte, die eigene Spielzeit – und von den Mitspielern nicht mehr als Name und Rückennummer. Dennis Boekhout erklärt, warum diese Grenze so scharf gezogen ist.
Ein Gespräch über Spieleraccounts: was auf dem Bildschirm eines Spielers erscheint und was nicht, warum Side-out pro Rotation komplett wegbleibt und warum eine Rangliste im eigenen Team mehr kaputtmacht, als sie bringt.
„Weil ich sonst ihr Postbote bin. Früher saß ich sonntagabends im Gruppenchat und zählte zusammen, wer am Dienstag kann: fünf Nachrichten, drei Daumen hoch, zwei, die gar nichts sagten. Das übertrug ich dann in eine Tabelle, die nur ich lesen konnte. Ein Spieler mit Account meldet sich selbst an oder ab, und ich sehe es sofort.
„Aber sobald du jemanden hereinlässt, musst du eine Frage beantworten, die du vorher nicht hattest: Was darf er sehen? Ich habe Zahlen über elf Menschen auf dem Handy. Das ist eine Menge, um es einfach so zu öffnen.“
„Seinen eigenen Bildschirm. Oben Deine Anwesenheit, ein Balken mit seinem Prozentwert für die Saison. Darunter Deine Leistungen: Angriff, Block und Aufschlag mit den Zahlen daneben. Dann Spielstatistiken – gewonnen, verloren, Sätze – und das nächste Training und Spiel.
„Alles auf diesem Bildschirm dreht sich um ihn. Es ist keine abgespeckte Version meines Trainerbildschirms, es ist ein anderer Bildschirm.“
„Dann passiert nichts. Die Liste sieht er schon – Namen, Nummern, wer Kapitän ist, wer verletzt ist – aber nur seine eigene Zeile hat einen Pfeil. Die anderen öffnen sich nicht. Selbst das Alter eines Mitspielers steht bei ihm nicht dabei; das sehe ich als Trainer, er nicht.“
„Sobald ein Spieler die Zahlen eines Mitspielers sieht, ist es kein Team mehr, sondern eine Rangliste. Und eine Rangliste in der Kabine kostet dich mehr, als sie bringt. Der mit den meisten Punkten weiß das ohnehin; der ganz unten schleppt es die restliche Saison mit sich herum.
„Ich will, dass sie sich auf dem Feld anschauen und nicht auf der Bank die Statistiken der anderen. Vergleichen ist meine Aufgabe, nicht ihre.“
„Fast alles, was das Team betrifft. Das Ergebnis mit den Satzständen, wer da war und wer nicht, die Fehlerverteilung, das Momentum pro Satz. Bei Annahme steht der Teamschnitt einfach da, mit der Anzahl der Bälle daneben – und darunter nur sein eigener Wert.
„Bei Leistungen, Spielzeit und Aufschlagserien steht genau eine Zeile: seine. Wo bei mir Spielerleistungen steht, steht bei ihm Deine Leistungen. Gleiches Spiel, andere Seite.“
„Bekommt er gar nicht. Weder seinen eigenen Wert noch den des Teams – diesen Block lässt die App bei einem Spieleraccount weg.
„Side-out pro Rotation ist keine Zahl über einen Spieler, sondern über sechs Leute, die in diesem Moment zusammen auf dem Feld stehen. Steht Rotation zwei bei 38 Prozent, ist das ein Gespräch: über den Aufschlag des Gegners, über die Annahme, darüber, wer gerade vorne steht. Dieses Gespräch führe ich in der Halle. Nicht über einen Balken, den jemand auf der Bank aufklappt und auf sich bezieht.“
„Beim Training sind es zwei Knöpfe: Ich komme, oder ich kann nicht. Wählt er den zweiten, fragt die App nach einem Grund, und den lese ich mit. Beim Spiel gibt es eine dritte Antwort: Ich schaue zu. Klingt klein, spart mir jede Woche Ärger – verletzt, aber an der Seitenlinie ist etwas anderes als abwesend.
„Und es gibt einen Knopf, mit dem er sich für alle Trainings auf einmal anmeldet. Wer sowieso immer kommt, ist mit einem Tippen fertig und muss sich nur abmelden, wenn es mal nicht klappt. Wer sonst kommt, darf er übrigens sehen: Das ist keine Zahl über jemanden, das ist schlicht praktisch.“
„Ich öffne eine Übung, tippe auf Als Hausaufgabe mitgeben und hake ab, wer sie zu Hause üben soll – alle, oder drei Namen. Bei diesen Spielern erscheint die Übung auf dem Startbildschirm, mit der Zeile darunter: von deinem Trainer mitgegeben, um zu Hause zu üben.
„Er öffnet sie und sieht dieselbe Animation wie ich. Kein Foto von einem Whiteboard, keine Nachricht mit ‚mach das mal‘. Er sieht, wie es aussehen soll.“
„Sein eigenes Ziel. Auf seiner Karte gibt es eine Zeile, die er antippen kann, um ein persönliches Ziel zu setzen – da halte ich mich raus. Nach einem Spiel darf er außerdem für den Spieler des Spiels stimmen. Das machen die Spieler, nicht ich.
„Und wenn ich mal nicht da bin, kann ich einen Spieler beauftragen, den Spielstand zu führen. Der sieht dann bei genau diesem Spiel einen Startknopf. Das ist eine Aufgabe, kein Einblick: Er bekommt dadurch keine einzige Zahl über jemand anderen.“
„Meine Notizen. Alles, was ich mir zu einem Spieler notiere, bleibt in meiner App. Genauso die Sterne, die ich nach einem Training vergebe: Ein Spieler sieht nirgends eine Einsatzbewertung, auch nicht seine eigene.
„Dafür haben wir sogar den Export-Knopf entfernt. Der schreibt die Daten eines Spielers in eine Datei, und in dieser Datei stehen meine Notizen. Ein Spieler, der seine eigene Karte öffnet, würde sie so doch lesen. Also steht dieser Knopf bei ihm nicht da.“
„Dann fragt er mich. Genau so ist es gedacht. Mir ist viel lieber, er bleibt nach dem Training kurz stehen, als dass er abends allein versucht, aus einer Grafik eine Antwort zu holen.
„Eine Zahl ohne Trainer daneben wird meistens zur falschen Schlussfolgerung. Seinen eigenen Verlauf darf er den ganzen Tag anschauen – seine Saison, seine Anwesenheit, seine Entwicklung. Das geht um ihn, und damit kann er selbst etwas anfangen.“
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