Dein erstes Training mit einem Jugendteam: Aufbau und Beispiel
Nächste Woche stehst du zum ersten Mal vor einer Gruppe von zehn Kindern mit so viel Energie wie ein Popkonzert. Was machst du in der ersten Stunde? Dieser Artikel gibt dir einen kompletten, bewährten Aufbau für dein erstes Jugendtraining – inklusive Beispielplan und der Fehler, die jeder Einsteiger macht.
Bevor du die Halle betrittst: drei Dinge regeln
- Kenne die Namen. Frag die Mitgliederliste an und lerne die Vornamen auswendig. „Hey, Sem!“ funktioniert hundertmal besser als „du da“. Eine Anwesenheitsliste, die du jede Woche abhakst, hilft dir, die Namen und die Beteiligung im Kopf zu behalten.
- Kenne das Niveau. Frag den vorherigen Trainer oder Koordinator, welches CMV-Niveau (CMV: Cool Moves Volley, das niederländische Minivolleyball-Format für Kinder) oder welche Altersklasse es ist – das bestimmt deinen gesamten Übungsstoff.
- Plane zu viel. Bereite mehr Übungen vor, als du brauchst. Nichts ist unangenehmer, als zehn Kinder anzuschauen, während du überlegst, was jetzt kommt.
Der feste Aufbau eines Jugendtrainings
Jedes gute Jugendtraining folgt grob demselben Skelett – die Füllung wechselt, die Struktur nicht:
- Ankommen und Start (5 Min.): festes Ritual – Kreis, Namen, was machen wir heute. Kurz halten.
- Aufwärmen als Spiel (10 Min.): Fangspiel oder Staffel mit Ball. Keine Runden laufen; das Aufwärmen darf bei Kindern immer spielerisch sein.
- Ballfertigkeit (15 Min.): das Technikthema des Tages, in Paaren oder kleinen Gruppen mit vielen Wiederholungen.
- Spielform mit dem Thema (15 Min.): dieselbe Fertigkeit, jetzt im Spiel mit angepassten Regeln, die das Thema erzwingen.
- Freies Spiel (10 Min.): ein Match – darauf warten sie die ganze Woche. Lass das nie ausfallen; es ist der Motor unter allem.
- Abschluss (5 Min.): Kreis, ein Kompliment pro Kind oder an die Gruppe, Ausblick. Gemeinsames Aufräumen der Bälle gehört dazu.
Beispielplan: erstes Training, 8–10 Jahre
Eine ausgearbeitete Stunde mit dem Thema Baggern:
- 0–5 Min. – Kreis und Namensspiel: Wirf den Ball herum; wer fängt, sagt seinen Namen und eine Sache, die er mag. Du merkst dir Namen, sie gewöhnen sich an dich.
- 5–15 Min. – Überlaufspiel mit Ball: prellend die Halle überqueren, ohne getickt zu werden. Alle bewegen sich, alle haben einen Ball.
- 15–30 Min. – Baggern in Paaren: Einer wirft einen Bogenball, einer baggert zurück; nach zehn Bällen wechseln. Erweiterung für die, die es können: erst mit der Hand auf den Boden klatschen, dann baggern – das erzwingt die Bereitschaftshaltung.
- 30–45 Min. – Spielform 3 gegen 3: kleine Felder, ein Punkt zählt doppelt, wenn ein Bagger im Ballwechsel vorkommt. So belohnt das Spiel dein Thema von selbst.
- 45–55 Min. – König des Feldes: Das Gewinnerteam bleibt stehen, Herausforderer kommen aufs Feld. Hohes Tempo, viele Wechsel.
- 55–60 Min. – Kreis und Abschluss: eine Frage („Was hat heute besser geklappt als am Anfang?“), gemeinsam aufräumen, High Fives an der Tür.
Ordnung halten, ohne zu schreien
Zehn Kinder und eine Halle voller Bälle: Ohne Absprachen wird das ein Spielplatz. Drei Dinge, die ab Training eins funktionieren: ein festes Ruhesignal (Pfiff oder Hand hoch – Ball festhalten, Augen zu dir), Bälle still an der Hüfte, sobald du sprichst, und Erklärungen immer in maximal drei Sätzen. Konsequenz in Woche eins erspart dir Diskussionen in Woche zehn. Und heb die Stimme nicht: Wer leiser spricht, bekommt Kinder, die besser zuhören.
Danach: zwei Minuten für dich selbst
Nimm dir direkt nach dem Training kurz Zeit, drei Dinge zu notieren: welche Übung gut lief, welche tot fiel und welches Kind extra Aufmerksamkeit braucht. Diese Notizen sind Gold für dein nächstes Training – und nach ein paar Wochen siehst du Muster, die dir im Moment entgehen. Wer seine Trainings und Beobachtungen aufbewahrt, baut in einer Saison ein eigenes Nachschlagewerk auf, von dem du jahrelang zehrst. Frag außerdem ab und zu die Kinder selbst, welche Übung ihnen am besten gefallen hat: Kinder sind überraschend ehrlich, und ihre Antwort verrät genau, wo der Lerneffekt und der Spaß steckten.
Die fünf Stolperfallen für Einsteiger im Jugendtraining
- Zu lange erklären. Nach dreißig Sekunden Reden hört niemand mehr zu. Vormachen, starten, nachsteuern.
- Reihen und Warteschlangen. Ein Ball und zehn wartende Kinder ist Chaos im Anmarsch. Kleine Gruppen, viele Bälle.
- Zu schwer anfangen. Lieber eine Übung, die sich als zu leicht herausstellt (Regel dazu, fertig), als Frust in Minute fünf.
- Nur korrigieren. Benenne pro Kind mindestens eine Sache, die gut lief. Kinder wachsen an dem, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest.
- Ohne Plan ankommen. Schreib dein Training aus, gelernte Lektionen dazu, und verwende wieder, was funktioniert – in ein paar Wochen hast du eine eigene Bibliothek.
Realistische Erwartung: Dein erstes Training wird chaotisch, und das ist normal. Kinder erinnern sich nicht daran, ob deine Übung perfekt lief – wohl aber, ob es Spaß gemacht hat und ob du ihren Namen kanntest. Den Rest lernst du Woche für Woche.
Häufige Fragen
Wie lang sollte ein Jugendtraining dauern?
Für die jüngsten Gruppen ist eine Stunde völlig ausreichend; ab etwa zwölf Jahren sind anderthalb Stunden üblich. Lieber eine Stunde voller Energie als anderthalb, von denen die letzte halbe Stunde zerfasert.
Was mache ich mit einem Kind, das nicht mitmachen will?
Nicht zwingen und nicht ignorieren: Gib ihm eine Rolle (Bälle anreichen, Punkte zählen) und hole es über das Spiel wieder in die Gruppe. Kehrt das Muster immer wieder zurück, besprich es in Ruhe mit den Eltern.
Brauche ich einen Trainerschein, um Jugendtraining zu geben?
Nein, ein Schein ist nicht verpflichtend. Die Nevobo (der niederländische Volleyballverband) und die Vereine bieten aber Trainerkurse an, die dir viele praktische Werkzeuge mitgeben – für Einsteiger im Jugendtraining ist so ein Grundkurs sehr zu empfehlen.
Wie viele Übungen sollte ich vorbereiten?
Rechne mit vier bis sechs Übungen pro Stunde, plus zwei in Reserve. Dauert eine Übung, die gut läuft, länger? Prima – eine gut laufende Übung dem Zeitplan zuliebe abzubrechen ist schade.

