Unterer Aufschlag: die richtige Technik für Anfänger
Jeder Volleyballer beginnt bei derselben Technik: dem unteren Aufschlag. Er wirkt simpel — und genau das ist seine Stärke. Wer den unteren Aufschlag gut lernt, kann ab dem ersten Training bei Spielformen mitmachen und legt die Basis für alles, was danach kommt.
Warum der untere Aufschlag der richtige Start ist
Der untere Aufschlag verlangt wenig Kraft, ist schnell erlernt und geht bei Anfängern viel öfter rein als ein oberer Versuch. Letzteres ist wichtiger, als es scheint: im Minivolleyball und bei beginnenden Mannschaften entscheidet der Aufschlag das Spiel. Eine Mannschaft, die zuverlässig aufschlägt, spielt mehr Ballwechsel — und von Ballwechseln lernt man Volleyball. In den jüngsten CMV-Stufen (dem niederländischen Minivolleyball) ist der untere Aufschlag deshalb der Standard.
Die Technik Schritt für Schritt
- Füße: für einen rechtshändigen Spieler steht der linke Fuß vorne, der rechte hinten. Die Schultern zeigen zum Zielfeld.
- Ballhaltung: der Ball liegt still auf der linken Handfläche, auf Hüfthöhe vor deiner rechten Hüfte. Der linke Arm ist leicht gestreckt.
- Schwung: der rechte Arm schwingt gestreckt nach hinten und dann wie ein Pendel nach vorne, dicht am Körper vorbei.
- Kontakt: triff den Ball mit dem Handballen oder einer festen Faust, unter der Mitte des Balls. Der Ball wird von der Hand geschlagen — nicht erst hochgeworfen.
- Gewicht und Ausschwung: steige während des Schwungs mit dem hinteren Bein ein und schwinge den Arm durch Richtung Ziel. Der Aufschlag endet mit deinem Gewicht auf dem vorderen Fuß.
Die drei häufigsten Fehler
- Den Ball hochwerfen. Mit Abstand Fehler Nummer eins. Ein hochgeworfener Ball bewegt sich, und einen bewegten Ball triffst du schief. Der Ball bleibt auf der Hand liegen bis zum Kontakt — die Schlaghand kommt zum Ball, nicht umgekehrt.
- Quer zum Netz stehen. Wer mit den Schultern parallel zum Netz steht, schwingt den Arm quer am Körper vorbei und schlägt strukturell nach links oder rechts. Schultern zum Ziel, Schwung gerade nach vorne.
- Nur aus dem Arm schlagen. Ohne Gewichtsverlagerung schafft der Aufschlag das Netz nicht und Spieler beginnen zu "werfen". Die Kraft kommt aus dem Einsteigen plus dem Schwung, nicht aus den Armmuskeln.
Tipp für Trainer: lass Anfänger zuerst von der Drei-Meter-Linie aufschlagen und schiebe pro Erfolgserlebnis einen Schritt zurück. Zehn Aufschläge von sieben Metern, die reingehen, lehren mehr als zehn misslungene Versuche von der Grundlinie.
Aufbauen zu mehr Distanz und Richtung
Funktioniert die Bewegung? Dann baust du in dieser Reihenfolge aus: erst Distanz (pro zwei Meter zurück Richtung Grundlinie), dann Richtung (Aufschlag auf die linke oder rechte Hälfte, danach auf Matten in den Ecken), dann Druck (Serien holen, Wettkampfformen, in denen ein Aufschlagfehler eine Konsequenz hat). Nutze Spielformen aus den Aufschlagübungen, um das Wiederholen unterhaltsam zu halten — hundert trockene Aufschläge hintereinander langweilen, ein Aufschlag-Bingo nicht.
Wenn es weiter schiefgeht: so löst du es
Manche Spieler kämpfen auch nach Wochen des Übens mit dem unteren Aufschlag. Fast immer sitzt das Problem in einem dieser drei Dinge — und jedes hat ein einfaches Gegenmittel:
- Der Ball wird schief getroffen: die Ballhand bewegt sich während des Schlags mit. Lass den Spieler den Ball auf eine ausgestreckte, stillstehende Hand legen und laut "still… schlagen" zählen — die Ballhand darf erst nach dem Kontakt sinken.
- Der Aufschlag geht zu hoch und zu kurz: der Kontakt sitzt zu weit unter dem Ball, oft weil der Spieler "schöpfen" will. Lass ihn auf einen Punkt auf dem Ball knapp unter der Mitte zielen und den Ausschwung Richtung Netz statt Richtung Decke machen.
- Der Aufschlag ist zu schwach für die Distanz: Kraft wird aus der Schulter gepresst statt aus der Gewichtsverlagerung. Übertreibe das Einsteigen — ein großer Schritt nach vorne während des Schwungs — und der Ball kommt ohne extra Armkraft Meter weiter.
Klappt es dann noch nicht, schau eine Ebene tiefer: steht der Spieler stabil, schaut er zum Zielfeld, ist der Ball nicht zu schwer für die Altersgruppe? Bei der jüngsten Jugend bewirkt ein leichterer Ball oder eine kürzere Distanz oft mehr als hundert technische Anweisungen.
Und wann weiter zum oberen Aufschlag?
Der untere Aufschlag ist ein Startpunkt, keine Endstation. Sobald ein Spieler den Ball kräftig und kontrolliert schlagen kann — meist irgendwo zwischen zehn und zwölf Jahren — beginnt der Umstieg auf den oberen Aufschlag. Tu das erst im Training und lass den Spieler in Spielen noch eine Weile unten aufschlagen, bis die neue Technik zuverlässig ist. Nichts zerstört Selbstvertrauen so schnell wie fünf obere Fehlversuche hintereinander in einem echten Spiel. Hältst du die Aufschlagzahlen fest, etwa in einer App wie Koach, siehst du genau, wann die obere Variante die Effizienz der unteren überflügelt.
Wie du diese ganze Lernlinie in deine Jugendtrainings einbettest, liest du in Jugendvolleyball trainieren pro Altersgruppe.
Häufige Fragen
Darf man im Wettkampf unten aufschlagen?
Ja, auf jedem Niveau — die Spielregeln stellen keine Anforderungen an die Aufschlagtechnik, solange der Ball innerhalb von acht Sekunden mit einer Hand oder einem Arm geschlagen wird. Auf höheren Niveaus ist unten nur taktisch unklug, weil der Aufschlag leicht anzunehmen ist.
Schlägt man einen unteren Aufschlag mit Faust oder offener Hand?
Beides ist erlaubt. Der Ballen der offenen Hand gibt die meiste Kontrolle und die größte Trefffläche; eine lockere Faust funktioniert auch gut. Vermeide Kontakt mit den Fingern — das macht den Aufschlag schwach und ungenau.
Warum kommt mein unterer Aufschlag nicht über das Netz?
Meist fehlt die Gewichtsverlagerung: du schlägst nur mit dem Arm. Steige während des Schwungs mit dem hinteren Bein ein und triff den Ball etwas unter der Mitte. Es hilft auch, den Ball etwas weiter vor dem Körper zu halten.

