Darf ein Hinterspieler angreifen? Die Drei-Meter-Regeln | Koach
App öffnen
Wissensdatenbank · Spielregeln

Darf ein Hinterspieler angreifen? Die Drei-Meter-Regeln

Der harte Angriff aus dem Hinterfeld — die „Pipe“ — ist eine der schönsten Waffen im modernen Volleyball. Trotzdem pfeifen Schiedsrichter ihn Woche für Woche zurück, denn die Regeln rund um angreifende Hinterspieler sind genau genommen: alles dreht sich um den Ort deines Absprungs und die Höhe des Balls.

Lesezeit: 5 Min.

Die kurze Antwort: ja, unter zwei Bedingungen

Ein Hinterspieler (der Spieler auf Position 1, 5 oder 6) darf sehr wohl angreifen. Die Einschränkung gilt nur für Angriffe, bei denen sich der Ball im Moment der Berührung vollständig oberhalb der Netzkante befindet. Will ein Hinterspieler so einen Ball schlagen, muss er zwei Bedingungen erfüllen:

Ist der Ball im Kontaktmoment nicht vollständig über Netzhöhe, darf ein Hinterspieler ihn überall spielen, auch aus der Vorderzone. Ein Hinterspieler, der in der Vorderzone einen niedrigen Ball über das Netz schiebt, macht also nichts falsch — erst wenn der Ball über das Netzband hinausragt, greift die Drei-Meter-Regel.

Warum es diese Regel gibt

Ohne die Drei-Meter-Regel könnten alle sechs Spieler am Netz angreifen, und die größte Mannschaft würde fast immer gewinnen. Die Regel hält das Spiel im Gleichgewicht: drei Vorderspieler dürfen alles, drei Hinterspieler greifen nur mit Anlauf aus der Distanz an. Genau deshalb ist die Linie 3 Meter von der Mittellinie entfernt gezogen — den Aufbau des Feldes findest du in Abmessungen eines Volleyballfelds, und welche Nummern Hinterspieler sind, in Positionsnummern 1 bis 6.

Die Pipe: der Hinterfeldangriff als Waffe

Topteams nutzen die Regel gezielt zu ihrem Vorteil. Bei einer „Pipe“ greift der Spieler auf Position 6 durch die Mitte an, mit Absprung knapp hinter der Drei-Meter-Linie; der Diagonalangreifer macht dasselbe von Position 1 („D-Ball“ oder „A-Ball“). Der Angreifer hat einen langen Anlauf und trifft den Ball tief im Feld, wodurch der Block schwerer schließen kann. Für das Timing eines solchen Angriffs gilt derselbe Rhythmus wie vorne — siehe der Angriffsschritt: der 3-Schritt-Rhythmus — nur beginnt der Anlauf ein paar Meter früher.

Blocken: für Hinterspieler immer verboten

Während Angreifen aus dem Hinterfeld erlaubt ist, ist Blocken für Hinterspieler immer ein Fehler. Ein Hinterspieler darf nicht blocken und nicht einmal einen Blockversuch machen, der das Spiel beeinflusst. Auch die Beteiligung an einem erfolgreichen Gruppenblock — mit den Händen über der Netzkante den Ball des Gegners stoppen — führt zu einem Fehler, sobald ein Hinterspieler dabeisteht, der den Ball berührt oder nah am Ball über das Netz reicht. Für den Libero gilt die strengste Variante: er darf niemals blocken und nirgends einen Ball angreifen, der vollständig über der Netzkante ist, egal wo er steht — alle Besonderheiten in den Libero-Regeln.

So erkennst du den Fehler (und vermeidest ihn)

Wer achtet im Spiel darauf?

Der Schiedsrichter beurteilt bei einem Hinterfeldangriff zwei Dinge gleichzeitig: den Ort des Absprungs und die Höhe des Balls im Kontaktmoment. In der Praxis bekommt der Angreifer den Vorteil des Zweifels, solange der Absprung deutlich hinter der Linie liegt. Als Coach willst du es gar nicht erst auf Zweifel ankommen lassen: vereinbare mit deinen Hinterspielern einen festen Absprungpunkt, gut einen halben Meter hinter der Linie. Das kostet kaum Angriffskraft und verhindert, dass ein guter Ballwechsel mit einem gepfiffenen Drei-Meter-Fehler endet — eine der bittersten Arten, einen Punkt herzugeben.

Trainingsidee: lege in einer Spielform ein Band auf die Drei-Meter-Linie und lass Hinterspieler nur über die Pipe punkten. Spieler lernen so innerhalb eines Trainings, wo sie abspringen dürfen — und dein Team entdeckt eine zusätzliche Angriffsoption, die die meisten Gegner nicht verteidigen.

Die Drei-Meter-Regel ist einer der Fehler, die Schiedsrichter bei Anfängerteams am häufigsten pfeifen. Wie sie sich zu allen anderen Regeln verhält, siehst du im Überblick alle Volleyballregeln im Überblick.

Häufige Fragen

Darf ein Hinterspieler schmettern?

Ja, solange er hinter der Drei-Meter-Linie abspringt, wenn er den Ball vollständig über der Netzkante trifft. In der Vorderzone landen ist erlaubt. Springt er auf oder vor der Linie ab, ist es ein Fehler, und der Punkt geht an den Gegner.

Darf ein Hinterspieler blocken?

Nein, niemals. Ein Hinterspieler darf nicht blocken und nicht Teil eines erfolgreichen Blocks sein. Der Libero darf darüber hinaus nicht einmal einen Blockversuch machen und nirgends auf dem Feld einen Ball angreifen, der vollständig über der Netzkante ist.

Was ist eine Pipe im Volleyball?

Ein Angriff durch die Mitte aus dem Hinterfeld, meist durch den Spieler auf Position 6, mit Absprung knapp hinter der Drei-Meter-Linie. Die Pipe gibt einem Team eine vierte Angriffsoption und ist schwer zu blocken, weil sie tief aus dem Feld kommt.

Zählt die Drei-Meter-Linie zur Vorderzone oder zum Hinterfeld?

Die Linie gehört zur Vorderzone. Ein Hinterspieler, der mit einem Fuß auf der Linie abspringt, springt also in der Vorderzone ab und begeht einen Fehler, wenn er den Ball über der Netzkante angreift.

Probier es selbst in Koach aus

Weniger Verwaltung, mehr Coaching.

Mit Koach loslegen