Über den Preis der Live-Statistik: wie viele Blicke ein Punkt kostet, was während des Ballwechsels auf den Bildschirm darf und wann man das Tippen abgibt.
Der Einwand läuft fast immer auf dasselbe hinaus: Wer mit dem Handy coachen will, schaut der überhaupt noch aufs Spiel? Es ist die erste Frage von Trainerinnen und Trainern, die mit Live-Statistik liebäugeln, und sie ist berechtigt. Wer tippt, schaut kurz nicht hin. Und genau in dieser Sekunde fällt der Ball.
Dennis Boekhout, der Koach gebaut hat und selbst jede Woche eine Jugendmannschaft damit betreut, drückt sich in diesem Gespräch nicht um den Preis: was es kostet, wie klein er es gemacht hat und wann er das Erfassen einfach abgibt.
„Der Einwand ist berechtigt, und ich rede ihn nicht weg. Jeder Tipp kostet dich einen Blick. Wenn ich den ganzen Satz aufs Display schaue, bin ich kein Trainer, sondern ein Zähler. Dieser Satz ist zum Maßstab für alles geworden, was ich am Live-Erfassen gebaut habe.
„Die Frage war also nie ‚wie viel kann ich erfassen?’, sondern ‚mit wie wenig komme ich durch?’. Alles, was länger dauert als eine halbe Sekunde, hat in einem Spiel nichts verloren.“
„Ein Punkt für uns sind zwei Entscheidungen. Ich tippe auf das Plus unter unserem Stand, dann fährt ein Blatt hoch mit den sechs Spielern auf dem Feld: Wer hat den Punkt gemacht? Danach Schritt 2: wie er gefallen ist — Angriff, Block oder Aufschlag. Fertig, das Blatt schließt sich.
„Und ein Fehler des Gegners ist ein einziger Tipp: unten auf demselben Blatt steht ‚Fehler Gegner’, und damit ist der Punkt gebucht. Im Jugendbereich ist das der häufigste Punkt überhaupt, also musste er der kürzeste sein.“
„Dann kann es genauso kurz sein. War es einfach ein guter Ball von drüben, gibt es einen Button und sonst nichts — da braucht es keinen Spieler. Will ich den Fehler doch festhalten, wähle ich, wer ihn gemacht hat und was es war: Aufschlagfehler, Angriffsfehler, schlechte Annahme, zu spät, Netzfehler. Aber das ist eine Entscheidung, keine Pflicht.
„Es steht auch immer ‚Unbekannt / nicht zuweisen’ dabei, ganz bewusst, für die Ballwechsel, die man schlicht nicht gesehen hat. Der Stand stimmt trotzdem, der Fehler hängt nur an niemandem. Lieber so, als einem Spieler einen Fehler anzurechnen, den er nicht gemacht hat.“
„Nie, solange der Ball läuft, und das ist wahrscheinlich die wichtigste Antwort in diesem ganzen Gespräch. Ich tippe, wenn der Ball tot ist, in diesen paar Sekunden, in denen alle zurücklaufen und der Schiedsrichter zum Aufschlag zeigt. Diese Lücke gibt es in jedem Ballwechsel, auch in der Jugend.
„Verpasse ich doch einen, weil in der Halle etwas los ist, tippe ich zwei Punkte hintereinander ein. Die Reihenfolge stimmt dann immer noch — an einem Punkt hängt keine Uhr.“
„Fast nichts, und zwar absichtlich. Der Stand, wer Aufschlag hat, die Aufschlagreihenfolge als Reihe von Nummern und darunter die sechs Positionen mit den Namen. Unter der Anzeige läuft auch eine dünne Momentum-Linie mit, aber während eines Ballwechsels sehe ich nur die Zahlen.
„Eine Ausnahme habe ich mir selbst gelassen: Serviert derselbe Spieler drei Punkte in Folge, erscheint eine kleine Flamme mit seinem Namen und der Anzahl. Nicht weil es Statistik ist, sondern weil man so eine Serie in der Halle spürt und gern sieht, wie weit sie schon ist.“
„Stimmt. Während eines Satzes öffne ich kein Spielerprofil, keine Saisonzahlen, keine Grafik. Das ist Material für die Nachbesprechung. Wenn ich mitten im zweiten Satz nachlese, wie jemand in dieser Saison dasteht, mache ich das Falsche.
„Das Aufstellungsbrett öffne ich schon, aber nur zu den Momenten, zu denen es gehört: bei einem Wechsel und in der Satzpause. Sechs Wechsel pro Satz geben dir die Regeln — das sind sechs kurze Momente, kein Dauergespräch mit dem Handy.“
„Ja, und das ist vielleicht die ehrlichste Lösung. Unten im Spielbildschirm gibt es den Block Spielstand-Erfassung. Dort berechtige ich ein Mitglied mit verknüpftem Konto: eine verletzte Spielerin, die daneben sitzt, oder jemanden, der an dem Abend nicht spielt. Diese Person erfasst auf dem eigenen Handy den Spielstand und die Statistiken dieses Spiels.
„Bei mir kommt es einfach in der App an, ich muss selbst nichts tun. Sie sieht übrigens einen anderen Bildschirm als ich: zwei Buttons, Punkt für uns und Punkt für den Gegner, danach wer und wie. Kein Feld, keine Aufstellung — das muss sie nicht verstehen.“
„Punkte und Fehler pro Spieler kommen trotzdem an, die Nachbesprechung steht also. Was fehlt, ist alles, was vom Feld abhängt: Einsatzzeit pro Spieler, die längste Aufschlagserie, Side-out pro Rotation. Dafür müsste man wissen, wer in dem Moment wo stand, und das weiß ihr Bildschirm nicht.
„Das ist für mich ein guter Tausch. Lieber den größten Teil der Zahlen und ein Trainer, der hinschaut, als jede letzte Zahl und ein Trainer, der den ganzen Satz nach unten starrt.“
„Dann erfasse ich nicht live. Punkt. Das ist erlaubt, und ich mache es selbst: Bei einem Turnier mit fünf kurzen Spielen hintereinander halte ich gar nichts fest. Hinterher trage ich das Ergebnis von Hand ein — auch Tage später noch. Du tippst die Satzergebnisse ein, und danach öffnet sich direkt das Blatt für Punkte und Fehler pro Spieler.
„Dann gibt es keine Geschichte Ballwechsel für Ballwechsel, kein Momentum, kein Side-out pro Rotation. Aber das Spiel steht drin, das Ergebnis zählt in der Saison, und die Spielerin sieht es in ihrem Profil. Das ist unendlich viel besser als ein Loch in der Saison, weil man an dem Tag keine Lust auf sein Handy hatte.“
„Die Auszeit. Du hast zwei pro Satz und dreißig Sekunden Zeit. Wenn ich eine nehme, klappt eine Karte auf mit dem, was seit Satzbeginn — oder seit der letzten Auszeit — passiert ist: wie viele Ballwechsel, Punkte für uns und gegen uns, welcher Fehler am häufigsten war und welche Rotation am schlechtesten läuft.
„Das sind genau die Dinge, die ich im Kopf nicht zuverlässig mitführe. Ich denke ‚wir machen viele Aufschlagfehler’, dabei sind zwei Leute zu spät gekommen. Wenn ich dreißig Sekunden habe, um etwas zu sagen, soll es stimmen. Danach tippe ich auf Weiterspielen, und der Bildschirm ist wieder weg.“
„Das ist der zweite Moment. Zwischen zwei Sätzen bekomme ich einen Satzpausen-Bildschirm: die bisherigen Satzergebnisse, wer zuerst aufschlägt, und das Brett, um die sechs Positionen neu zu besetzen. Solange der Aufstellungszettel noch nicht abgegeben ist, ist eine neue Startaufstellung kein Wechsel — sie kostet dich also keinen.
„Da darf sich der Bildschirm Zeit nehmen, denn es wird nicht gespielt. Genau das ist die Idee: Der Bildschirm bekommt die Momente, in denen der Ball ruht, und sonst nichts.“
„Mach einen Satz. Nicht das ganze Spiel, einen Satz. Innerhalb von zwanzig Minuten weißt du, ob es dich aus dem Spiel holt oder nicht, und du gehst mit etwas in die Satzpause, das du sagen kannst.
„Und wenn es sich weiter falsch anfühlt: gib es ab oder lass es sein. Die App ist dafür da, dir mehr Aufmerksamkeit für deine Spieler zu geben, nicht weniger. Tut sie das nicht, macht sie ihre Arbeit nicht.“
Koach kannst du kostenlos ausprobieren. Richte dein Team ein, erfasse einen einzigen Satz und sieh selbst, ob es dich aus dem Spiel holt — oder ob du endlich etwas für die Satzpause hast.
Koach kostenlos testen