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Ratgeber · Technik

Annahme pritschen im Volleyball: erlaubt, und wann lohnt es sich?

Die kurze Antwort

Ja, du darfst die Annahme im Volleyball pritschen. Bei der ersten Ballberührung der Mannschaft darf der Ball laut FIVB-Regeln sogar in einer Aktion nacheinander mehrere Körperteile berühren; nur Fangen oder Werfen ist ein Fehler. Es lohnt sich vor allem bei Flatteraufschlägen ab Schulterhöhe, nicht bei hartem Topspin.

Annahme pritschen im Volleyball: In der Halle löst das oft dieselbe Frage aus, nämlich ob das überhaupt erlaubt ist. Die Antwort ist ja. Dieser Artikel erklärt, was das Regelwerk genau erlaubt, bei welchen Aufschlägen das Pritschen besser funktioniert als das Baggern, wie die Technik aufgebaut ist und wie du es deiner Annahme in vier Schritten beibringst.

Lesezeit: 7 Min.

Darfst du einen Aufschlag pritschen?

Ja. Das Regelwerk macht keinen Unterschied zwischen einer Annahme im Baggern und einer im oberen Zuspiel. Was zählt, sind zwei Regeln aus den Official Volleyball Rules 2025-2028 der FIVB:

Die Aufschlagannahme ist so eine erste Ballberührung der Mannschaft. Ein Ball, der beim Pritschen erst die eine Hand und einen Sekundenbruchteil später die andere berührt, ist also kein Fehler, solange es eine Bewegung ist und der Ball abprallt. Die Richtlinien für Schiedsrichter der Regelkommission der FIVB sagen es bei Regel 9 noch kürzer: Die erste Ballberührung der Mannschaft darf frei gespielt werden, außer der Spieler fängt oder wirft den Ball (Punkt 7.3 der Refereeing Guidelines and Instructions 2025). In denselben Richtlinien steht, dass der Schiedsrichter nicht nach dem Geräusch des Kontakts urteilen darf und ein oberes Zuspiel mit den Fingern erlauben muss, wenn es regelgerecht ist. In unteren Spielklassen wird eine gepritschte Annahme, die „klingt“, trotzdem noch manchmal abgepfiffen. Das ist eine Beurteilung des Schiedsrichters, aber deine Spieler müssen wissen, dass das Regelwerk auf ihrer Seite ist.

Drei Ausnahmen, die du kennen solltest:

Wann Pritschen in der Annahme besser ist als Baggern

Die Annahme zu pritschen ist kein Stil, sondern eine Entscheidung pro Ball. Der Vorteil: Einen Ball auf Schulterhöhe oder höher musst du nicht mehr mit den Unterarmen auffangen, wofür du in die Knie gehen oder zurückweichen müsstest. Du spielst ihn dort, wo er ist, mit der Genauigkeit eines Zuspiels. Der Nachteil: Deine Hände können weniger Tempo verarbeiten als deine Unterarme. Deshalb hängt die Wahl vom Aufschlag ab.

Der Aufschlag kommtWahlWarum
Flatter, flach, auf Schulterhöhe oder höherPritschenIm Baggern musst du tief gehen oder wegdrehen; gepritscht spielst du ihn direkt
Sprungflatter, straff auf Schulter- oder KopfhöhePritschen, wenn du früh hinter dem Ball bistEin hoher Bagger auf diesen Ball schießt oft durch
Flatter, der früh absackt, unter BrusthöheBaggernZum Pritschen müsstest du unter den Ball tauchen
Harter Topspin- oder SprungaufschlagBaggernZu viel Tempo für die Finger: Gefahr eines gehaltenen Balls oder eines verstauchten Fingers
Kurzer, hoher Aufschlag in die VorderzonePritschen erlaubt, Baggern ist sichererDer Ball ist langsam, aber du spielst ihn in der Bewegung nach vorn

Leg diese Wahl nicht bei jedem Annahmespieler gleich stark fest. Fang mit den Spielern an, die gut pritschen: deinem Libero, deinem Zuspieler, wenn er mit annimmt, und Außenangreifern mit festen Händen. Wer schon bei einem normalen Zuspiel im Pritschen unsicher ist, sollte es in der Annahme auf keinen Fall versuchen. Wie du einen Flatteraufschlag liest, bevor du wählst, steht unter einen Flatteraufschlag annehmen.

So nimmst du einen Aufschlag im Pritschen an

  1. Entscheide früh. Sobald du siehst, dass der Ball flach und hoch kommt, legst du dich fest. Auf halbem Weg noch von den Unterarmen auf die Hände umzuschalten, geht fast immer schief.
  2. Komm hinter den Ball. Kleine Schritte, Füße hüftbreit, ein Fuß etwas vorn. Die Schultern drehst du so weit wie möglich zum Zielpunkt deines Zuspielers, mit dem Körper hinter dem Ball.
  3. Hände früh hoch. Deine Hände stehen schon über und vor der Stirn, bevor der Ball da ist, Finger gespreizt, Daumen und Zeigefinger bilden ein Dreieck wie ein Fenster. Wer die Hände erst spät hebt, bekommt den Ball auf die Handflächen.
  4. Feste Hände, kurzes Federn. Beim Zuspiel fangen deine Finger den Ball kurz ab. Beim Aufschlag ist schon genug Tempo da: Halte Handgelenke und Finger fester und lass den Ball kürzer federn. Weiche Handgelenke ergeben einen Ball, der in die Hände sackt, und das ist der gehaltene Ball, den der Schiedsrichter sehr wohl pfeift.
  5. Wenig Kraft, viel Richtung. Streck dich leicht aus Beinen und Armen in Richtung Ziel. Ziel hoch genug und nicht straff ans Netz: etwa einen Meter vom Netz entfernt, zwischen Position 2 und 3, oder wo euer fester Zielpunkt liegt.
  6. Ruf. Wer pritschend annimmt, steht höher und oft tiefer im Feld als sein Nebenmann. Ruf früh, sonst gehen zwei Spieler zum selben Ball.

Der obere Kontakt selbst ähnelt dem Zuspiel, nur mit festeren Händen; das Gegenstück im Baggern steht unter das Baggern. Wer die Grundtechniken im Zusammenhang sehen will, findet sie unter Volleyballtechnik lernen.

Wo es schiefgeht

So trainierst du es in vier Schritten

  1. Zuwurf. Der Trainer wirft von der anderen Seite einen straffen Ball auf Stirnhöhe. Der Annahmespieler pritscht zu einem Ziel am Netz, zehn Bälle pro Spieler. Ziel: Hände früh hoch und feste Handgelenke.
  2. Flatter aus kurzer Distanz. Ein Aufschläger schlägt Flatteraufschläge aus sechs Metern Abstand zum Netz. Alles, was über den Schultern ankommt, wird gepritscht; der Rest gebaggert.
  3. Wahlform. Der Aufschläger wechselt hoch und tief, kurz und lang, von der Aufschlaglinie. Der Annahmespieler wählt selbst, und der Trainer sagt vorher nichts. Zähl pro Annahme: aufs Ziel zwei Punkte, spielbar einer, Fehler null.
  4. Spielform. Annahme gegen echte Aufschläge mit einem Angriff dahinter, wobei das annehmende Team einen Punkt für jeden gewonnenen Ballwechsel aus der eigenen Annahme bekommt. Jetzt zählt nicht die Technik, sondern ob die Wahl Punkte bringt.

Lass jeden Annahmespieler zwei Aufschläge nennen. Frag nach der Spielform jeden Annahmespieler, welche zwei Aufschläge er künftig pritscht, zum Beispiel den kurzen Flatter und den Sprungflatter auf Schulterhöhe. So wird die gepritschte Annahme eine feste Absprache statt eines Ratespiels im Ballwechsel.

Siehst du, ob sich deine Annahme verbessert?

Ob die gepritschte Annahme deinem Team etwas bringt, siehst du erst im Spiel. In Koach erfasst du das im Modus Experte: Bei jedem Aufschlag des Gegners gibst du der Annahme eine Note von 0 bis 5 (Fehler, Übers Netz, 1 Option, Kein Schnell, Gut, Perfekt) und tippst an, wer den Ball angenommen hat. Was diese Noten bedeuten und was ein guter Durchschnitt ist, steht unter die Annahmenote von 0 bis 5. Im Spielerprofil siehst du danach unter Statistik bei Noten 0-5 pro Fertigkeit den Anteil guter Noten, neben dem des Teams.

Spielerprofil in Koach, Reiter Statistik: pro Fertigkeit der Anteil guter Noten 3-5 im Vergleich zum Team, mit der Annahme ganz oben
Noten 0-5 im Spielerprofil: ganz oben die Annahme dieses Spielers neben der des Teams.

Koach hält nicht fest, ob eine Annahme gepritscht oder gebaggert war. Vergleich deshalb die Annahmenoten eines Spielers aus ein paar Spielen, bevor er pritschend angenommen hat, mit den Spielen danach. Was Koach nach den 14 Gratistagen kostet, steht auf der Preisseite.

14 Tage gratis, ohne Kreditkarte. Gib am Samstag jeder Annahme eine Note und sieh nach drei Spielen, wer die Flatteraufschläge besser pritscht.

Verfolge deine Annahme in Koach

Häufige Fragen

Ist eine Doppelberührung bei der Annahme ein Fehler?

Nein, nicht wenn sie in einer Aktion geschieht. Bei der ersten Ballberührung der Mannschaft, also auch bei der Aufschlagannahme, darf der Ball nach Regel 9.2.3.2 der FIVB-Regeln nacheinander mehrere Körperteile berühren. Auch im oberen Zuspiel. Ein Fehler bleibt ein gefangener oder geworfener Ball: Der Ball muss abprallen und darf in deinen Händen nicht zur Ruhe kommen.

Warum baggern die meisten Spieler den Aufschlag trotzdem?

Weil die Unterarme viel mehr Tempo verarbeiten können als die Finger und weil die meisten Aufschläge unter Schulterhöhe ankommen. Gegen einen harten Topspin- oder Sprungaufschlag ist Baggern auch sicherer für deine Finger. Die gepritschte Annahme ist eine Ergänzung für hohe, flache Flatteraufschläge, kein Ersatz für das Baggern.

Darf der Libero einen Aufschlag pritschen?

Ja. Der Libero darf überall pritschen. Es gibt eine Einschränkung: Spielt er den Ball oben mit den Fingern, während er in der Vorderzone steht, darf ein Mitspieler diesen Ball nicht angreifen, wenn er sich vollständig oberhalb der Netzkante befindet. In der Annahme steht der Libero fast immer hinter der Angriffslinie, dort spielt das also selten eine Rolle.

Darfst du im Beachvolleyball einen Aufschlag pritschen?

Ja, aber der Kontakt muss sauber sein. Im Sand gilt die Freiheit der ersten Ballberührung nicht für ein oberes Zuspiel mit den Fingern: Berührt der Ball deine Hände nacheinander, ist es eine Doppelberührung. Deshalb siehst du Beachspieler einen Aufschlag öfter baggern und nur dann pritschen, wenn sie ganz hinter dem Ball stehen.

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