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Ratgeber · Jugendvolleyball

Frühe Spezialisierung im Sport: nur Volleyball oder mehrere?

Die kurze Antwort

Frühe Spezialisierung im Sport heißt, dass ein Kind bis etwa zwölf Jahre den größten Teil des Jahres intensiv eine Sportart betreibt und andere aufgibt. Laut sportmedizinischen Konsenserklärungen bringt das in den meisten Sportarten, auch im Volleyball, keinen Vorteil, wohl aber mehr Risiko für Überlastung und Aufhören.

Frühe Spezialisierung im Sport ist eine Entscheidung, die Eltern und Trainern immer früher vorgelegt wird: Hört ein Kind mit elf mit dem Turnen oder dem Fußball auf, um alles auf Volleyball zu setzen? Hier steht, was sportmedizinische Organisationen und die Forschung dazu sagen, warum Volleyball keine Eile hat und wie du zwei Sportarten praktikabel kombinierst.

Lesezeit: 7 Min.

Was ist frühe Spezialisierung?

Die American Orthopaedic Society for Sports Medicine (AOSSM) nutzt in ihrer Konsenserklärung zur frühen Spezialisierung von 2016 drei Merkmale, die alle drei gleichzeitig gelten:

Ein zehnjähriges Kind, das zweimal pro Woche Volleyball spielt, daneben schwimmt und nach der Schule draußen spielt, ist also nicht spezialisiert. Ein Fünfzehnjähriger, der sich für Volleyball entscheidet, auch nicht: Er spezialisiert sich, aber nicht früh. Es geht um die Kombination aus jung, ganzjährig und ausschließlich. Die Spezialisierung auf eine Position innerhalb des Volleyballs ist ein anderes Thema; darum geht es in wann ein Jugendspieler eine feste Position bekommt.

Was sagen Sportärzte und Forschung zur frühen Spezialisierung?

Die großen sportmedizinischen Organisationen sind sich auffallend einig.

Dieser letzte Punkt erklärt, warum die Diskussion so hartnäckig ist. Frühe Spezialisierung kann einen Jugendtitel bringen, und den siehst du sofort. Was sie mit zwanzig kostet, siehst du erst Jahre später. Ehrlich ist auch: Die meiste Forschung ist beobachtend; sie zeigt Zusammenhänge, keine bewiesene Ursache. Aber wer ein Kind früh spezialisieren lässt, um es später besser zu machen, hat die Belege nicht auf seiner Seite.

Warum Volleyball keine Eile hat

Drei Gründe machen Volleyball zu einer Sportart, in der man spät wählen kann.

Wie viele Stunden pro Woche für ein Kind von zehn bis vierzehn vertretbar sind, wie viel Ruhe pro Woche und pro Jahr dazugehört und an welchen Signalen du Überlastung erkennst, steht in wie oft Jugendliche trainieren sollten. Hat ein Kind Schmerzen in Knien, Fersen oder Schultern, die nach ein paar Tagen Ruhe nicht weggehen oder immer wiederkommen, lass das von einem Hausarzt, Sportarzt oder Physiotherapeuten anschauen.

Zu viel Sport für ein Kind? So kombinierst du zwei Sportarten

Zwei Sportarten gehen gut, solange jemand die Summe im Blick behält. Jeder Trainer sieht seine eigenen zwei Trainings, und das wirkt wenig. Das Kind sieht vier, plus zwei Spiele am Wochenende. Fünf Absprachen halten es machbar:

  1. Zähl alles zusammen. Trainings, Spiele, Sportunterricht und ein zusätzliches Auswahltraining zählen alle mit. Wird die Summe zu viel, fällt etwas weg, statt dass etwas dazukommt.
  2. Leg keine zwei schweren Sprungtage hintereinander. Ein Basketballspiel am Samstag und ein Angriffstraining im Volleyball am Sonntag ist zweimal dasselbe. Wechsle schwere und leichte Tage ab.
  3. Vereinbart pro Phase, welche Sportart Vorrang hat. Hat die andere Sportart ein Turnier oder eine wichtige Reihe von Spielen, ist die Volleyballwoche leichter, und umgekehrt. Eine Absage, die vorher abgesprochen ist, ist kein Mangel an Einsatz.
  4. Halte mindestens einen Tag pro Woche ganz frei. Kein organisierter Sport, und ohne dass das Kind sich schuldig fühlt, weil es nichts tut.
  5. Lass das Kind mitentscheiden. Frag, was ihm an jeder Sportart Spaß macht und was es anstrengend findet. Die Antwort sagt dir mehr über die richtige Verteilung als jeder Plan.

Wann ist die Entscheidung für Volleyball sinnvoll?

AlterWas passtWorauf achten
Bis etwa 12 JahreMehrere Sportarten und viel freies Spielen, mit Volleyball als einer der SportartenKein ganzjähriges Programm in einer Sportart
12 bis 15 JahreVolleyball kann die Hauptsportart werden, mit einer zweiten Sportart oder Aktivität dazuDie Gesamtbelastung und der Wachstumsschub
Ab 15 oder 16 JahrenDie Entscheidung für Volleyball ist möglich, wenn der Spieler es selbst willEine Ruhephase pro Jahr und aufgebaute Kraft

Die Grenzen folgen der AOSSM (bis etwa zwölf Jahre) und der AAP (um 15 oder 16 Jahre). Es sind Richtwerte, keine harten Altersgrenzen. Ein Spieler ist so weit, wenn der Wunsch von ihm selbst kommt und nicht von den Eltern, wenn der Wachstumsschub größtenteils hinter ihm liegt und wenn neben der Halle Platz für Schule und Freunde bleibt. Auch nach der Entscheidung bleibt Abwechslung wertvoll: eine andere Sportart im Sommer, oder Kraft und Kondition mit anderen Bewegungen als in der Halle. Wie diese lange Linie pro Alter verläuft, steht in langfristiger Leistungsaufbau im Volleyball und in Jugendvolleyball nach Altersgruppe trainieren.

Was du als Trainer oder Verein tun kannst

Frag in der ersten Woche nach der anderen Sportart. Notier pro Spieler, welche Sportart er noch betreibt, an welchen Tagen und wann dort die wichtigen Spiele sind. Zwei Minuten Arbeit, und du weißt, warum jemand donnerstags müde hereinkommt oder sich für ein Turnier abmeldet.

Zwei Sportarten in einem Kalender

Wer zwei Sportarten kombiniert, hat vor allem ein Planungsproblem: zwei Pläne, zwei Gruppenchats und zwei Trainer, die jeweils nur ihre eigene Woche sehen. In Koach stehen die Trainings und Spiele des Volleyballteams unter Termine in einem Kalender, und Eltern melden ihr Kind pro Training oder Spiel an oder ab, auf Wunsch mit einem Grund, den die Trainer lesen. Eine Absage, weil die andere Sportart ein Spiel hat, siehst du als Trainer also vorher. Mit dem Synchronisierungssymbol oben im Kalender legt ein Elternteil den Kalender-Feed des Teams in seinen eigenen Kalender bei Google, Apple oder Outlook, sodass Volleyball dort neben der anderen Sportart steht und Änderungen automatisch mitkommen.

Kalender eines Elternteils in Koach mit dem Monatsraster, den Filtern Training und Liga und den nächsten Spielen mit Zu- und Absageknöpfen
Der Kalender, wie ein Elternteil ihn sieht: Trainings und Spiele pro Monat, Zu- und Absagen pro Spiel und oben rechts das Symbol, um den Kalender zu synchronisieren.

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Häufige Fragen

Ab welchem Alter darf sich ein Kind auf eine Sportart spezialisieren?

Für die meisten Sportarten rät die amerikanische Kinderärztevereinigung AAP, sich erst nach der Pubertät zu spezialisieren, in der späten Adoleszenz, um 15 oder 16 Jahre. Volleyball ist keine Sportart, in der Sportler schon jung ihr höchstes Niveau erreichen, es gibt also keinen Grund, früher zu wählen. Bis etwa zwölf Jahre sind mehrere Sportarten und freies Spielen eine gute Grundlage; danach kann Volleyball schrittweise die Hauptsportart werden.

Ist es schlecht, wenn mein Kind nur Volleyball spielt?

Nicht automatisch. Das Risiko liegt in der Kombination aus jung, ganzjährig und intensiv. Ein Kind, das zweimal pro Woche Volleyball spielt und daneben Rad fährt, draußen spielt und Sportunterricht hat, bewegt sich abwechslungsreich genug. Achte vor allem auf die Gesamtzahl der Stunden, mindestens einen freien Tag pro Woche und eine Phase pro Jahr ohne Volleyball.

Welche Sportarten passen gut zu Volleyball?

Jede Sportart, die dem Kind Spaß macht. Sportarten mit anderen Bewegungen ergänzen Volleyball gut, etwa Schwimmen, Fußball, Leichtathletik, Turnen oder Badminton. Basketball und Handball ähneln Volleyball mehr und verlangen auch viele Sprünge; das geht gut, aber dann behältst du besonders im Blick, wie viele Sprungtage es pro Woche sind, und legst sie nicht hintereinander.

Wird mein Kind schlechter, wenn es zwei Sportarten betreibt?

Kurzfristig hat ein Kind mit zwei Sportarten weniger Volleyballstunden, und in der Jugend kann das ein paar Spiele ausmachen. Langfristig weist die Forschung in die andere Richtung: Laut einer großen Metaanalyse von 2022 haben erwachsene Weltklassesportler als Kind mehr verschiedene Sportarten betrieben und später mit ihrer Hauptsportart angefangen als Sportler, die das nationale Niveau erreichten.

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