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Immer Ersatzbank: der Spieler, der fast nie spielt

Nach dem Spiel steht ein Spieler in der Kabine, der als Einziger noch trocken ist. Er ist bei jedem Training da, er fährt zu jedem Spiel mit, und heute hat er zwei Ballwechsel gespielt. Einen Ersatzspieler im Volleyball öfter spielen zu lassen, sieht nach einer Frage des Wechselns aus, aber ein Spieler, der Woche für Woche auf der Ersatzbank sitzt, verliert mehr als ein paar Ballwechsel. In diesem Text geht es um ihn — nicht um seine Eltern, nicht um deine Linie und nicht um die Zahl, sondern um das, was du ihm diese Woche gibst.

Lesezeit: 7 Min.

Was es mit einem Spieler macht, fast nie zu spielen

Er zieht sich um, macht das Aufwärmen mit und setzt sich hin. Irgendwann im zweiten Satz steht er zwei Ballwechsel auf dem Feld, und danach sitzt er wieder. Er sagt nichts dazu, und das macht es schwierig.

Was in diesen Monaten passiert, ist nicht nur, dass er Spielzeit verpasst. Als Erstes verschwindet der Grund, sich vorzubereiten. Wer weiß, dass er wahrscheinlich nicht spielt, schaut anders auf den Gegner und sitzt anders auf der Bank. Muss er dann doch aufs Feld, kommt er kalt in einen Ballwechsel — und alle sehen, dass es nicht läuft, er selbst zuerst.

Das Zweite ist, dass sich die Lücke selbst nährt. Spielen ist die härteste Form von Training, die es gibt: Auf der anderen Seite steht jemand, der dir nichts schenkt, es wird gezählt, und du musst entscheiden statt ausführen. Wer davon pro Saison ein paar Sätze bekommt, macht langsamere Fortschritte als der Rest — und damit wird dein Grund, ihn nicht aufzustellen, jede Woche ein bisschen stärker, ohne dass du etwas Neues entschieden hast.

Das Dritte geschieht am leisesten: Er steigt aus. Nicht mit einem Gespräch, sondern mit einer Absage für ein Training, dann einer zweiten und am Saisonende keiner Verlängerung.

Stimmt das überhaupt? Prüf es, bevor du es erklärst

Bevor du etwas erklärst oder versprichst: Stimmt das Bild? Das Trainergedächtnis ist hier unzuverlässig, und zwar in beide Richtungen. Du erinnerst dich an den Satz, in dem er doch auf dem Feld stand, denn der hat dich Überwindung gekostet. Er erinnert sich an die drei Spiele, in denen er nicht stand, denn die dauerten lange. Keiner von beiden lügt, und keiner von beiden hat gezählt.

In Koach steht die Zählung unter dem Spiel selbst: Im Block Spielzeit siehst du pro Spieler einen Balken mit der Zahl der Ballwechsel und Sätze, und auf dem Trainer-Dashboard steht dasselbe über die Saison, mit darunter, in wie vielen Spielen es gemessen wurde. Diese Liste steht mit der geringsten Spielzeit oben, samt der Frage, ob dieser Spieler beim nächsten Mal starten sollte. Wie diese Messung genau funktioniert und was mitzählt und was nicht, steht in dem Artikel über das Verfolgen der Spielzeit.

Zwei Dinge bestimmen, was du damit anfangen kannst. Erstens: Gezählt werden Ballwechsel und Sätze, keine Minuten. Das ist eine bewusste Entscheidung, und sie bedeutet, dass du das Gespräch über Ballwechsel führst, nicht über Minuten. Das Zweite ist unangenehmer: Die Messung gibt es nur für Spiele, die du live erfasst hast. Fängst du erst an dem Tag an zu zählen, an dem die Beschwerde kommt, hast du für die Monate davor nichts vorzuzeigen.

Verwechsle dabei zwei Listen nicht. Anwesenheit sagt, wer da war, Spielzeit, wer gespielt hat. Wer bei jedem Training da ist und fast nie spielt, steht auf der einen Liste oben und auf der anderen unten — und genau dieser Unterschied ist das Gespräch wert.

Das Wechselblatt während eines Spiels in der Koach-App, mit dem Spieler, der rausgeht, und den verfügbaren Auswechselspielern darunter
Das Wechselblatt während des Spiels: Wer rausgeht, steht oben, wer auf der Bank sitzt, darunter. Du siehst es in dem Moment, in dem du noch wechseln kannst, nicht erst hinterher.

Vier Momente, in denen dein Ersatzspieler spielt, ohne dass es das Spiel kostet

Die meisten Trainer warten auf den Moment, in dem nichts mehr auf dem Spiel steht, und dieser Moment kommt oft nicht. Diese vier hast du fast in jedem Spiel.

  1. Der Satz, der schon entschieden ist. Bei einer deutlichen Führung oder einem deutlichen Rückstand ändert ein Wechsel das Ergebnis nicht mehr, aber er ändert, was dieser Spieler im Rest der Saison tut. Leg dir vor Satzbeginn eine Grenze fest, zum Beispiel einen Abstand von acht Punkten, damit du es im Moment nicht neu abwägen musst.
  2. Der Anfang eines Satzes statt des Endes. Beim 22:22 hereinzukommen ist die schwerste Aufgabe, die es gibt; in einen Satz zu starten die leichteste. Wer die erste Hälfte von Satz zwei spielt, bekommt in der Regel mehr Bälle als jemand, der dreimal kurz hereinkommt, und das unter normalem Druck.
  3. Sein eigener Abschnitt der Rotation. Bring ihn dort, wo er am meisten kann — oft der Aufschlagplatz und die hintere Reihe —, und wechsle ihn zurück, bevor er nach vorn kommt. Das ist keine Notlösung, sondern ganz normales Coaching. Wie viele Wechsel du pro Satz hast und wer für wen zurückdarf, steht in den Wechselregeln; zähl sie vorher, sonst hast du keinen Wechsel mehr in dem Moment, in dem du einen brauchst.
  4. Das Spiel, das weniger zählt. Jede Saison gibt es ein paar davon: ein Pokalspiel, ein Freundschaftsspiel, einen Gegner, der viel stärker oder viel schwächer ist. Stell dort nicht aus Gewohnheit deine stärksten sechs auf, sondern die, die sonst nicht spielen — und sag vorher, dass du das machst.

Was diese vier gemeinsam haben: Du entscheidest sie vor dem Spiel, nicht mittendrin. Im Spiel gewinnt immer das Argument, es nicht zu tun.

Was dein Ersatzspieler während des Spiels tut

Ein Spieler, der das ganze Spiel sitzt, tut das ganze Spiel nichts — es sei denn, du gibst ihm etwas. Das ist kein Trostpreis; es ist der Unterschied zwischen Zuschauen und Dazugehören.

Notiere nach dem Spiel in zwei Zeilen, was du gesehen hast, als er auf dem Feld stand. Das kostet eine Minute, und genau das hast du in sechs Wochen vergessen; wie du das leicht hältst, steht in Notizen pro Spieler führen.

Versprich keine Spielzeit, die du nicht in der Hand hast. Eine Zusage wie „nächste Woche spielst du einen Satz“ hängt am Spieltag von Verletzungen, Anwesenheit und Spielstand ab. Versprich, was du halten kannst: dass du es festhältst, dass du es ihm vorher sagst und dass du es erklärst, wenn es anders läuft.

Das Gespräch mit dem Spieler selbst — nicht mit seinen Eltern

Die Reihenfolge ist wichtiger als die Worte: Führ dieses Gespräch mit dem Spieler, bevor seine Eltern es mit dir führen. Nicht in der Kabine und nicht zwischen zwei Übungen, sondern fünf Minuten vor oder nach einem Training, am Rand.

Drei Sätze reichen. Was ich sehe: Du bist jede Woche da und spielst wenig, und das weiß ich. Woran es gerade liegt: eine konkrete Sache, im Verhalten und nicht im Charakter — der erste Schritt bei der Annahme, das Aufschlagen unter Druck, der Anlauf, der zu spät startet. Und wann wir neu schauen: Nenn einen Zeitpunkt, zum Beispiel in vier Spielen.

Was du nicht tust: das Gespräch so weichspülen, bis es nichts mehr sagt. „Du bist wichtig für die Gruppe“ ohne zweiten Satz klingt wie eine Absage mit Schleife drum. Sei auch ehrlich beim Ergebnis: Es darf sein, dass er auch in den nächsten Wochen wenig spielt. Der Unterschied ist, dass er dann weiß, warum.

Kommen die Eltern doch zuerst damit — und das passiert —, ist das ein anderes Gespräch. Was du dann auf den Tisch legst und in welcher Reihenfolge, steht in dem Interview über Eltern, die sagen, ihr Kind spiele zu wenig. Für das, was während des Spiels am Spielfeldrand passiert, ist Eltern am Spielfeldrand der richtige Ort.

Im Training ist er kein Ersatzspieler

Die Bank ist ein Phänomen des Spiels. Im Training sollte es sie nicht geben — und trotzdem passiert es unbemerkt: Derselbe Spieler wirft zu, steht hinten in der Reihe und spielt in der Spielform auf der Seite mit, der ein Spieler fehlt.

Drei Dinge halten das gerade. Lass die Zuwerferrolle in jeder Übung wechseln, damit niemand zweimal pro Abend dort steht. Stell ihn in der Spielform zur stärkeren Hälfte statt zur schwächeren, denn dort lernt er mehr, und es kostet dich nichts. Und gib ihm eine Zweitposition: Wer auch auf dem Platz eines anderen zurechtkommt, ist am Spieltag plötzlich in Situationen einsetzbar, in denen du jetzt nichts hast. Wie du das aufbaust, ohne seine erste Position zu beschädigen, steht in eine Zweitposition lernen.

Bewerte ihn auch nach dem, was er im Training zeigt, statt nur nach dem, was er im Spiel gemacht hat. Einsatz und Arbeitseinstellung hältst du pro Training fest, und über Wochen ergeben sie eine Linie, die mit Spielzeit nichts zu tun hat; siehe Einsatz nach dem Training bewerten. Dass er seinen eigenen Fortschritt sieht, statt nur dein Urteil zu hören, hilft hier mehr als bei jedem anderen — siehe Badges und Meilensteine als Motivation und die App aus Sicht der Spieler.

Wann es keine Wechselfrage mehr ist, sondern eine Grundsatzfrage

Es gibt einen Punkt, an dem es nicht mehr um dieses eine Spiel geht. Drei Signale zeigen in diese Richtung: Derselbe Spieler steht die ganze Saison unten auf der Liste, und der Abstand zum Nächsten darüber ist groß; du kannst nicht in einem Satz erklären, wonach du verteilst; oder du merkst, dass du bei jedem Wechsel neu abwägst, was du eigentlich schon viel früher hättest entscheiden müssen.

Dann ist es eine Grundsatzfrage, und die löst du nicht mit einem zusätzlichen Wechsel. Wonach du Spielzeit verteilst und warum fair nicht dasselbe ist wie gleich, steht in Spielzeit fair verteilen. Geht es tiefer — dauerhaft mehr Spieler als Plätze oder ein Niveauunterschied, der zu groß geworden ist —, dann liegt die Frage in der Zusammensetzung; siehe einen Kader zusammenstellen.

Und es gibt ein Ergebnis, das selten laut ausgesprochen wird, aber manchmal das richtige ist: dass dieser Spieler in einem anderen Team oder auf einem anderen Niveau mehr spielen und mehr lernen würde. Das ist kein Abschieben, vorausgesetzt, du schlägst es selbst vor und erklärst es, bevor er schon ausgestiegen ist.

Probier es selbst in Koach aus

Was dieses Thema wirklich verändert, ist, dass du es nachvollziehbar machst. Erfasse ein Spiel live in Koach, und du hast pro Spieler die Ballwechsel und die Sätze; nach einer Reihe von Spielen siehst du, wer dauerhaft unten steht, statt wer dich zuletzt angesprochen hat. Das macht das Gespräch nicht leichter — aber es wird ein Gespräch über dieselbe Sache. Die Testphase dauert vierzehn Tage, und das erste erfasste Spiel zeigt schon, wie der Block aussieht.

Häufige Fragen

Wie viel muss ein Ersatzspieler mindestens spielen?

Dafür gibt es keine allgemeine Norm. Was es gibt, unterscheidet sich je nach Verband, Niveau und Altersklasse, und manchmal ist es nicht festgelegt, sondern innerhalb des Vereins vereinbart. Schau also zuerst, was für deine Liga gilt, und triff danach deine eigene Absprache — und mach sie vorher bekannt, denn eine Norm, die erst zur Sprache kommt, wenn sich jemand beschwert, klingt wie eine Ausrede.

Muss ich in der Jugend alle gleich viel spielen lassen?

Bei den Jüngsten ist gleichmäßiges Verteilen gut vertretbar, weil Spielen dort die wichtigste Form des Lernens ist und das Ergebnis am wenigsten bedeutet. Je älter die Spieler werden und je höher das Niveau, desto mehr verschiebt sich das meistens zum Verteilen nach dem, was jemand gerade zeigt. Beides ist vertretbar; was nicht funktioniert, ist, mitten in der Saison unbemerkt vom einen zum anderen zu wechseln, ohne es zu sagen.

Was sage ich einem Spieler, der fragt, warum er nicht spielt?

Nenn einen konkreten Grund im Verhalten, nicht im Charakter, und sag gleich dazu, wann du neu schaust. Also nicht „du musst bissiger werden“, sondern zum Beispiel „du startest zu spät in deinen Anlauf, daran arbeiten wir die nächsten vier Trainings, und dann schaue ich neu“. Wenn du diesen einen Grund nicht formulieren kannst, ist das die eigentliche Antwort: Dann ist es eine Entscheidung, die du noch nicht erklärt hast, auch dir selbst nicht.

Kann ein Spieler selbst sehen, wie viel er gespielt hat?

Seine eigene Spielzeit schon. In Koach sieht ein Spieler mit eigenem Konto unter einem live erfassten Spiel seinen eigenen Balken mit Ballwechseln und Sätzen, nicht den seiner Mitspieler. Die Saisonübersicht mit der ganzen Gruppe steht nur auf dem Trainer-Dashboard. Was Eltern in der App zu sehen bekommen, liest du in der Erklärung der App für Eltern; für alles gilt, dass es nur bei Spielen etwas zu sehen gibt, die live erfasst wurden.

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