Wie hoch springen Volleyballer? Angriffs- und Blockhöhe erklärt
Die kurze Antwort
Wie hoch springen Volleyballer? Bei den Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften von 2000 bis 2012 erreichten sie mit Anlauf im Schnitt 3,43 Meter (Männer) und 3,01 Meter (Frauen) mit der Hand: einen Meter beziehungsweise 77 Zentimeter über dem Netz. Mittelblocker und Diagonalspieler kommen am höchsten, Liberos am niedrigsten.
Wie hoch springen Volleyballer eigentlich? Wer ein Spitzenspiel sieht, sieht Angreifer, die den Ball weit über dem Netz treffen. Hier liest du, was Angriffshöhe und Blockhöhe bedeuten, wie hoch die Spitze je nach Position kommt und was diese Zahlen über deinen eigenen Sprung sagen.
Angriffshöhe, Blockhöhe und Sprunghöhe: drei verschiedene Zahlen
Im Volleyball spricht kaum jemand über die Sprunghöhe in Zentimetern. Teams, Verbände und Scouts nennen die Reichhöhe: den höchsten Punkt, den deine Hand erreicht, gemessen vom Boden. Das ist die Zahl, die zählt, denn die Frage ist nicht, wie hoch du springst, sondern wie weit über dem Netz du den Ball treffen kannst.
- Reichhöhe im Stand. Füße flach auf dem Boden, ein Arm so hoch wie möglich. Das hängt von deiner Körpergröße und deiner Armlänge ab und ändert sich nach dem Wachstum kaum noch.
- Angriffshöhe (im Englischen spike reach). Der höchste Punkt mit einer Hand, nach einem vollständigen Anlauf mit Armschwung. Das ist deine Reichhöhe als Angreifer.
- Blockhöhe (block reach). Der höchste Punkt mit beiden Händen, nach einem Sprung aus dem Stand oder nach ein paar Seitschritten. Sie liegt immer unter deiner Angriffshöhe, weil der Anlauf fehlt.
Die Sprunghöhe selbst ist die Differenz: Angriffshöhe minus Reichhöhe im Stand. Angenommen, du bist 1,80 Meter groß, reichst im Stand 2,33 Meter und tippst mit Anlauf auf 2,95 Meter. Dann springst du 62 Zentimeter und kommst mit der Hand 52 Zentimeter über ein Herrennetz von 2,43 Metern und 71 Zentimeter über ein Damennetz von 2,24 Metern. Diese Netzhöhen stehen in Regel 2.1 der Regeln der FIVB. Wie du deine eigenen Zahlen mit einer Wand und Kreide misst, steht in höher springen im Volleyball.
Wie hoch springen Volleyballer im Spitzenbereich?
Gute Vergleichszahlen stammen aus einer Studie von Palao, Manzanares und Valadés (2014) über alle Spieler der Olympischen Spiele und Weltmeisterschaften von 2000 bis einschließlich 2012, gut 1400 Männer und gut 1400 Frauen. Sie nutzten die Spielerdaten aus den Datenbanken der FIVB. Wie diese Werte gemessen wurden, steht nicht dabei, lies sie also als Richtwert. Im Schnitt pro Position:
| Position | Männer: Angriff / Block | Frauen: Angriff / Block |
|---|---|---|
| Mittelblocker | 3,48 / 3,30 m | 3,07 / 2,95 m |
| Diagonalspieler | 3,48 / 3,29 m | 3,07 / 2,93 m |
| Außenangreifer | 3,45 / 3,27 m | 3,05 / 2,92 m |
| Zuspieler | 3,35 / 3,18 m | 2,94 / 2,82 m |
| Libero | 3,26 / 3,10 m | 2,82 / 2,71 m |
| Alle Positionen | 3,43 / 3,25 m | 3,01 / 2,89 m |
Quelle: Palao, Manzanares und Valadés, Journal of Human Kinetics, 2014.
Ziehst du das Netz ab, siehst du, was diese Zahlen im Spiel bedeuten. Ein Spitzenspieler bei den Männern kommt mit der Hand im Schnitt einen Meter über das Netz (3,43 minus 2,43), eine Spitzenspielerin 77 Zentimeter (3,01 minus 2,24). Mit der Blockhöhe sind es 82 Zentimeter bei den Männern und 65 bei den Frauen. Die Reichhöhe ist der höchste Punkt der Hand. Den Ball selbst triffst du etwas tiefer und vor deinem Körper, aber wer so weit über die Netzkante hinauskommt, kann den Ball steil nach unten schlagen und über die Finger eines Blocks hinweg spielen.
Warum Mittelblocker am höchsten kommen und Liberos am niedrigsten
Die Unterschiede nach Position folgen den Aufgaben. Mittelblocker blocken in fast jedem Ballwechsel und schlagen kurze, schnelle Bälle, und Diagonalspieler sind oft der Angreifer, der den schwierigen Ball verwerten muss: Dort stehen die größten Spieler mit der größten Reichhöhe. Außenangreifer liegen knapp darunter; sie nehmen auch an und verteidigen, und das verlangt mehr als nur Höhe. Der Zuspieler blockt zwar, aber sein Wert liegt im Zuspiel. Der Libero darf laut Regeln nicht blocken und keinen Angriff mit einem Ball abschließen, der vollständig oberhalb der Netzkante ist (Regel 19.3.1), für ihn zählt die Reichhöhe also kaum. Er wird nach Annahme und Abwehr ausgewählt. Wie die Körpergröße nach Position verteilt ist und ob du groß sein musst, um Volleyball zu spielen, steht in Körpergröße und Volleyball.
Auffällig in derselben Studie: Bei den Männern lag die Reichhöhe der vier besten Teams eines Turniers nur 3 Zentimeter über der der Teams ab Platz neun (3,44 gegenüber 3,41 Meter). Was die besten Männerteams tatsächlich unterschied, war das Alter ihrer Spieler, und die Forscher nennen Erfahrung dort einen Schlüsselfaktor. Bei den Frauen hatten die besten Teams sehr wohl die größere Reichhöhe (3,06 gegenüber 2,98 Meter). Bei den Männern springt auf diesem Niveau also jeder hoch, und der Unterschied liegt woanders.
Und auf Vereinsebene?
Für Vereinsspieler gibt es keine verlässliche internationale Tabelle. Vereine messen unterschiedlich, und was online kursiert, sind oft einzelne Angaben ohne Messmethode. Klar ist aber, dass das Niveau eine Rolle spielt: In einer slowenischen Studie mit 253 Spielern aus der ersten und zweiten Liga sprangen die Spieler aus der ersten Liga höher, bei den Männern unterschieden sich Außenangreifer und Zuspieler in der Sprunghöhe (bei den Frauen nicht), und Männer holten mehr aus ihrem Armschwung heraus als Frauen (Sattler und Kollegen, 2015).
Vergleich dich deshalb nicht mit den Zahlen einer WM, sondern mit zwei Dingen: dem Netz, an dem du spielst, und deiner eigenen letzten Messung. Für die Jugend hängt das Netz tiefer; welche Höhe das ist, unterscheidet sich nach Land und Alter, schau also in die Regeln deines eigenen Wettbewerbs. Kommst du mit deiner Angriffshöhe kaum über die Netzkante, gewinnst du mehr mit Timing und Platzierung als mit hartem Schlagen. Wie du das angehst, liest du in schmettern, wenn du klein bist.
Rechne deinen eigenen Raum über dem Netz aus. Miss deine Angriffshöhe und zieh die Netzhöhe deines Wettbewerbs ab. Diese Zahl sagt mehr darüber, was du als Angreifer kannst, als deine Sprunghöhe in Zentimetern, und du siehst sofort, was zehn Zentimeter mehr für dich bedeuten würden.
Wie kommen Profis so hoch?
- Körpergröße und Armlänge. Der größte Teil der Reichhöhe steckt schon in der Reichhöhe im Stand. Auf dem Spitzenniveau aus der Tabelle waren die Männer im Schnitt 1,97 Meter und die Frauen 1,82 Meter groß (Palao und Kollegen, 2014). Darauf wird ausgewählt, und daran kannst du nichts trainieren.
- Der Anlauf und der Armschwung. Ein guter Anlauf wandelt Tempo in Höhe um, und der Armschwung hilft beim Absprung. Bei vielen Vereinsspielern steckt hier viel Potenzial; den Rhythmus findest du in dem Angriffsschritt.
- Jahre Kraft- und Sprungtraining. Eine Übersichtsarbeit über 32 Studien kam zu dem Schluss, dass Spieler besserer Teams höher springen, dass Programme mit Plyometrie den Sprung verbessern können und dass du dieses Training die ganze Saison über fortsetzen musst, um den Gewinn zu halten (Ziv und Lidor, 2010). Wie du das aufbaust, steht in höher springen im Volleyball.
- Wiederholung und Timing. Ein Profi hat jahrelang in jedem Training auf echte Zuspiele angegriffen. Dadurch trifft er den Ball am höchsten Punkt seines Sprungs, und das ist etwas anderes, als nur hoch zu springen. Wer zu früh oder zu spät ist, verliert einen Teil seiner Reichhöhe.
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Teste Koach mit deinem TeamHäufige Fragen
Wie hoch springt ein Volleyballer im Durchschnitt?
Das hängt stark von Niveau und Position ab. Bei den Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften von 2000 bis 2012 erreichten Männer mit Anlauf im Schnitt 3,43 Meter mit der Hand und Frauen 3,01 Meter, laut einer Studie von Palao und Kollegen (2014) auf Basis von FIVB-Daten. Wie viele Zentimeter Sprung das sind, hängt von der Reichhöhe im Stand ab. Für Vereinsspieler gibt es keinen verlässlichen internationalen Durchschnitt.
Was ist der Unterschied zwischen Angriffshöhe und Blockhöhe?
Die Angriffshöhe ist der höchste Punkt, den du mit einer Hand nach einem vollständigen Anlauf mit Armschwung erreichst. Die Blockhöhe ist der höchste Punkt mit beiden Händen nach einem Sprung aus dem Stand oder nach ein paar Seitschritten. Die Blockhöhe liegt niedriger, weil du ohne Anlauf springst; bei den Spitzenspielern aus der Studie von Palao waren es im Schnitt 18 Zentimeter bei den Männern und 12 bei den Frauen.
Wie weit über dem Netz schlägt ein Volleyballer den Ball?
Bei den Männern im Spitzenbereich kommt die Hand im Schnitt etwa einen Meter über das Netz von 2,43 Metern, bei den Frauen etwa 77 Zentimeter über das Netz von 2,24 Metern. Den Ball selbst triffst du etwas tiefer und vor deinem Körper. Auf Vereinsebene ist das oft viel weniger, und dort bringen Timing und Platzierung mehr Punkte als reine Höhe.
Warum springt ein Libero weniger hoch?
Ein Libero muss nicht hoch springen. Laut Regeln darf er nicht blocken und keinen Angriff mit einem Ball abschließen, der vollständig oberhalb der Netzkante ist. Er wird nach Annahme, Abwehr und Übersicht ausgewählt und ist deshalb meist kleiner als die Angreifer. Im Spitzenbereich hatte der Libero denn auch die geringste Reichhöhe aller Positionen.
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