Linienrichter im Volleyball: Aufgaben, Position und Fahnenzeichen
Die kurze Antwort
Ein Linienrichter im Volleyball steht an einer Ecke des Feldes und zeigt mit einer Fahne an, ob der Ball an seiner Linie im Feld oder aus ist, ob er berührt wurde, ob er außerhalb der Antenne über das Netz geht und ob der Aufschläger einen Fußfehler macht. Es gibt zwei oder vier; es entscheidet der 1. Schiedsrichter.
Ein Linienrichter im Volleyball hat eine überschaubare Aufgabe: eine oder zwei Linien, eine Fahne und fünf Zeichen. Trotzdem geht es bei Neulingen oft schief, weil sie auf den Ball schauen statt auf ihre Linie. Das verlangen die FIVB-Regeln von einem Linienrichter, und so machst du es in der Praxis.
Was macht ein Linienrichter?
Linienrichter gehören zum Schiedsgericht, neben dem 1. und dem 2. Schiedsrichter und dem Schreiber (Regel 22.1). Sie pfeifen nicht: Nur die Schiedsrichter dürfen während des Spiels pfeifen (Regel 22.2.1). Der Linienrichter zeigt mit einer Fahne von 40 x 40 Zentimetern, was er gesehen hat, und der 1. Schiedsrichter entscheidet. Er darf die Entscheidung eines Linienrichters auch aufheben, wenn er sieht, dass dieser sich irrt (Regel 23.2.1). Nach Regel 29.2.1 zeigst du an:
- ob der Ball im Feld oder aus ist, wenn er in der Nähe deiner Linie landet;
- ob ein Ball, der ins Aus geht, vorher noch von dem Team berührt wurde, zu dem er kam, zum Beispiel vom Block;
- ob der Ball die Antenne berührt, und ob der Aufschlag oder der zweite oder dritte Ball eines Teams außerhalb der Antennen über das Netz geht;
- ob ein Spieler, außer dem Aufschläger, im Moment des Aufschlags außerhalb seines Feldes steht;
- ob der Aufschläger einen Fußfehler begeht;
- ob ein Spieler beim Spielen des Balls den oberen Teil der Antenne berührt, die 80 Zentimeter über dem Netz, auf deiner Seite des Feldes.
Wie die Aufgaben im ganzen Schiedsgericht verteilt sind, vom 1. Schiedsrichter bis zum Schreiber, steht unter das Schiedsgericht im Volleyball. Ob es bei einem Spiel Linienrichter gibt und wer sie stellt, unterscheidet sich je nach Land und Liga. In vielen unteren Ligen gibt es keine, und der 1. Schiedsrichter beurteilt auch die Linien.
Wo stehst du: zwei oder vier Linienrichter
Die Regeln kennen zwei Aufstellungen (Regel 29.1):
| Aufstellung | Wo du stehst | Was du beurteilst |
|---|---|---|
| Zwei Linienrichter | An den Ecken, die der rechten Hand jedes Schiedsrichters am nächsten liegen, schräg hinter der Ecke in 1 bis 2 Metern Abstand. So steht ihr euch diagonal gegenüber. | Die Grundlinie und die Seitenlinie auf deiner Seite |
| Vier Linienrichter | In der Freizone, 1 bis 3 Meter von einer Ecke entfernt, in der Verlängerung der Linie, die du beurteilst | Eine Linie |
Die Regeln beschreiben die Aufstellung mit vier Linienrichtern für die Spiele der FIVB und für Welt- und offizielle Wettbewerbe. In der Verlängerung deiner Linie zu stehen hat einen Grund: Du schaust dann an der Linie entlang, und einen Ball, der ein paar Zentimeter daneben aufkommt, siehst du als Ball neben der Linie und nicht als Ball auf ihr. Steht ihr zu zweit schräg hinter einer Ecke, siehst du an beiden Linien gleichzeitig entlang. Steh still mit der Fahne in der Hand und bleib aus dem Laufweg von Spielern, die einem Ball hinterherlaufen.
Die fünf Fahnenzeichen
Die offiziellen Zeichen stehen in Diagramm 12 der Regeln. Du hältst jedes Zeichen einen Moment, damit der 1. Schiedsrichter es sieht (Regel 30.2).
| Zeichen | Bedeutung |
|---|---|
| Fahne nach unten zeigen | Ball im Feld |
| Fahne senkrecht nach oben | Ball aus |
| Fahne hoch und mit der Handfläche der freien Hand oben auf die Fahne tippen | Ball berührt: Der Ball ist aus, hat aber vorher einen Spieler des Teams berührt, zu dem er kam |
| Die Fahne über dem Kopf schwenken und auf die Antenne oder die betreffende Linie zeigen | Ball außerhalb der Antennen über das Netz oder an die Antenne, ein Spieler berührt den oberen Teil der Antenne, Ball an einen Gegenstand außerhalb des Feldes, oder ein Fußfehler beim Aufschlag (des Aufschlägers oder eines Spielers, der außerhalb seines Feldes steht) |
| Beide Arme hoch, Arme und Hände vor der Brust gekreuzt | Beurteilung unmöglich: Du konntest es nicht sehen |
Das vierte Zeichen ist für verschiedene Fehler gleich. Wohin du zeigst, macht den Unterschied: auf die Antenne, wenn der Ball außerhalb über das Netz ging oder jemand die Antenne berührt hat, auf die Grundlinie bei einem Fußfehler des Aufschlägers, auf die betreffende Linie bei einem Spieler, der beim Aufschlag außerhalb seines Feldes stand. Alle Handzeichen der Schiedsrichter selbst findest du unter Handzeichen der Schiedsrichter im Volleyball.
Wohin du schaust, Moment für Moment
- Vor dem Aufschlag. Prüfe, ob deine Linie frei ist und ob du selbst nicht im Weg stehst. Ist deine Grundlinie die des aufschlagenden Teams, schaust du auf die Füße des Aufschlägers. Berührt er beim Schlag oder beim Absprung zu einem Sprungaufschlag das Feld oder die Grundlinie, oder den Boden außerhalb der Aufschlagzone, ist das ein Fußfehler (Regel 12.4.3). Mehr dazu unter der Fußfehler beim Aufschlag.
- Beim Aufschlag. Schau, ob alle Spieler, außer dem Aufschläger, im Moment des Schlags in ihrem Feld stehen; das gilt für beide Teams. Danach folgst du dem Aufschlag: Geht er auf deiner Seite außerhalb der Antenne über das Netz oder berührt er die Antenne, zeigst du das an.
- Im Ballwechsel schaust du auf deine Linie, nicht auf den Ball. Folge dem Ball, bis er in deine Richtung kommt, und schau dann auf die Stelle, an der er landet. Dein Urteil betrifft den Moment, in dem der Ball den Boden berührt: Berührt ein Teil des Balls die Linie, ist er im Feld (Regel 8.3). Warum das so ist und wo die Kontaktfläche liegt, steht unter Ball auf der Linie: drin oder aus.
- Bei einem Angriff Richtung deiner Linie achtest du auf den Block. Geht der Ball ins Aus, schau, ob er unterwegs noch eine Hand eines Blockspielers oder Abwehrspielers berührt hat. Von deiner Ecke aus siehst du das oft besser als der 1. Schiedsrichter auf seinem Stuhl.
- An der Antenne wartest du einen Moment. Ein Ball, der nach dem ersten Kontakt eines Teams außerhalb der Antenne in die gegnerische Freizone geht, darf noch zurückgespielt werden, sofern er auch wieder außen herum zurückkommt (Regel 10.1.2). Schwenk also nicht zu früh. Nach dem zweiten oder dritten Kontakt ist so ein Ball sofort aus. Die Erklärung steht unter Ball außerhalb der Antenne.
- Nach deinem Zeichen schaust du zum 1. Schiedsrichter. Bittet er dich, das Zeichen zu wiederholen, tust du das (Regel 29.2.2). Diskutiere nicht mit Spielern oder der Bank. Ein Trainer, der an der Linie entlanggeht, darf deine Sicht übrigens nicht behindern (Regel 5.2.3.4).
Üb es im Training. Stell während eines Trainingsspiels zwei Auswechselspieler mit einer Fahne oder einem Leibchen an die Ecken und lass sie bei jedem Ball an ihrer Linie ein Zeichen geben. Nach zwanzig Minuten sitzen die fünf Zeichen, und deine Spieler verstehen besser, warum der Schiedsrichter manchmal anders entscheidet, als sie dachten.
Fünf Fehler von neuen Linienrichtern
- Auf den Ball schauen statt auf die Linie. Wer dem Ball in der Luft folgt, sieht nicht, wo er landet.
- Ein Zeichen geben bei einem Ball weit weg von deiner Linie. Du zeigst nur etwas an, wenn der Ball in der Nähe deiner Linie landet. Ein Ball mitten im Feld ist Sache des Schiedsrichters.
- Raten. Hast du es nicht gesehen, zum Beispiel weil ein Spieler vor dir stand, gib das Zeichen für Beurteilung unmöglich. Ein ehrliches "nicht gesehen" hilft dem Schiedsrichter mehr als ein Tipp.
- Zu spät oder halbherzig. Gib dein Zeichen sofort und deutlich, mit der Fahne ganz nach oben oder ganz nach unten. Eine Fahne, die auf halber Höhe hängen bleibt, sagt nichts.
- Sich mitreißen lassen. Ein Linienrichter, der mit der Tribüne mitjubelt oder zu einer Bank schaut, hat seine Neutralität verloren, auch wenn sein Zeichen stimmt.
Die vollständigen Regeln stehen in den Official Volleyball Rules 2025-2028 der FIVB, und einen Überblick über alle Spielregeln findest du unter Volleyballregeln im Überblick. Nationale Verbände können für ihre eigenen Ligen zusätzliche Vorgaben zu Linienrichtern machen.
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Wie viele Linienrichter gibt es im Volleyball?
Die FIVB-Regeln kennen zwei oder vier Linienrichter. Bei zwei stehen sie an zwei diagonal gegenüberliegenden Ecken, und jeder beurteilt die Grundlinie und die Seitenlinie auf seiner Seite. Bei vier steht an jeder Ecke einer, der eine Linie beurteilt. In vielen unteren Ligen gibt es keine Linienrichter, und der 1. Schiedsrichter beurteilt auch die Linien.
Was bedeutet es, wenn der Linienrichter die Fahne schwenkt?
Schwenkt der Linienrichter die Fahne über dem Kopf und zeigt auf die Antenne, ging der Ball außerhalb der Antennen über das Netz oder berührte die Antenne. Zeigt er auf eine Linie, ging es um einen Fußfehler beim Aufschlag: des Aufschlägers auf der Grundlinie oder eines Spielers, der beim Aufschlag außerhalb seines Feldes stand. Dasselbe Zeichen gilt für einen Ball, der einen Gegenstand außerhalb des Feldes berührt hat.
Was bedeutet es, wenn der Linienrichter auf seine Fahne tippt?
Hält der Linienrichter die Fahne hoch und tippt mit der freien Hand oben darauf, war der Ball aus, hat aber vorher noch einen Spieler des Teams berührt, zu dem er kam, meist einen Blockspieler. Der Punkt geht dann an das Team, das den Ball geschlagen hat. Die endgültige Entscheidung trifft der 1. Schiedsrichter.
Wer darf im Volleyball Linienrichter sein?
Die Regeln stellen keine Anforderungen daran, wer Linienrichter ist; das legt der Verband oder der Veranstalter der Liga fest. Auf hohem Niveau arbeiten Verbände mit ausgebildeten Offiziellen. Wird dein Verein gebeten, Linienrichter zu stellen, wähle Leute, die die Regeln zu drin und aus, zur Antenne und zum Fußfehler kennen, und lass sie die fünf Fahnenzeichen vorher üben.
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