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Trainerphilosophie schreiben: Werte, Entscheidungen, ein Beispiel

Die kurze Antwort

Eine Trainerphilosophie ist deine eigene Antwort auf drei Fragen: warum du trainierst, welche Werte dir wichtig sind und wie du sie in Training, Spiel und Spielzeit zeigst. Schreib sie auf einer halben Seite auf, mit konkreten Entscheidungen, damit du auch unter Druck und gegenüber Spielern und Eltern konsequent bleibst.

Eine Trainerphilosophie klingt nach etwas für einen Trainerlehrgang, bis du im dritten Satz zwischen Gewinnen und alle spielen lassen wählen musst. Dann zeigt sich, ob du eine hast. Dieser Artikel hilft dir, in fünf Schritten deine eigene Philosophie aufzuschreiben, mit einem Beispiel und den Stellen, an denen Spieler sie merken.

Lesezeit: 6 Min.

Was ist eine Trainerphilosophie?

Deine Trainerphilosophie ist persönlich: warum du trainierst, was dir wichtig ist und wie du danach handelst. Sie ist etwas anderes als die Dokumente deines Vereins. In einem Trainerhandbuch steht die Vision des Vereins und was er von Trainern erwartet. Im Ehrenkodex für Trainer steht, was nicht erlaubt ist. Deine Philosophie handelt vom Raum dazwischen: den Entscheidungen, die du innerhalb dieser Absprachen triffst.

Eine Philosophie ist auch kein Slogan. „Spaß steht an erster Stelle“ sagt nichts, solange du nicht aufschreibst, was du tust, wenn Spaß und Gewinnen kollidieren. Eine brauchbare Philosophie enthält Entscheidungen, auf die man dich später ansprechen kann.

Warum du sie aufschreibst

Deine Trainerphilosophie in fünf Schritten

  1. Schreib auf, warum du trainierst. Ein Satz, und ehrlich. „Weil meine Tochter im Team ist und es sonst keinen Trainer gab“ ist ein guter Anfang; er sagt dir, dass du die Gruppe vor allem zusammenhalten willst. „Weil ich Spieler besser machen will, als sie jetzt sind“ verlangt andere Entscheidungen als „weil ich aufsteigen will“.
  2. Wähl drei Werte, nicht zehn. Zum Beispiel Entwicklung, Einsatz, Mut, Zusammenhalt, Ehrlichkeit oder Gewinnen. Gewinnen darf drinstehen; das ist ehrlicher, als so zu tun, als sei es dir egal. Drei reichen, um sie dir zu merken, und sind zu wenige, um dich dahinter zu verstecken.
  3. Mach jeden Wert konkret. Schreib pro Wert auf, was du tust und was Spieler davon sehen. „Mut“ wird dann: „Ein harter Aufschlag, der ins Aus geht, kostet niemanden Spielzeit. Einen Sicherheitsaufschlag beim Satzball besprechen wir aber.“
  4. Triff die schwierigen Entscheidungen vorher. Wie verteilst du Spielzeit? Rotierst du Positionen oder wählst du feste Rollen? Was passiert, wenn sich jemand nicht abmeldet? Wer redet in der Auszeit? Was machst du, wenn ein Elternteil dich anspricht? Wie du Spielzeit fair verteilst, steht in Spielzeit fair verteilen.
  5. Teste sie an drei Situationen. Nimm drei Szenen aus einer echten Saison und schau, ob deine Philosophie eine Antwort gibt. Tut sie das nicht, ist sie noch zu vage.

Drei Testsituationen, die in fast jedem Team vorkommen:

Beispiel einer Trainerphilosophie für ein Jugendteam

So kann eine ausgearbeitete Philosophie für ein Team mit Spielern von 15 bis 17 Jahren aussehen. Es ist ein Beispiel, keine Vorlage: Deine Werte können andere sein.

Ich trainiere, weil ich will, dass diese Spieler in fünf Jahren noch Volleyball spielen und dann besser sind als jetzt. Dafür wähle ich drei Werte.

Entwicklung. Alle lernen baggern, pritschen und aufschlagen, auch die Mittelblocker. Bis zum Ende dieser Saison spielt jeder Spieler mindestens zwei Positionen. Im Training geht Lernen vor fehlerfreiem Spielen.

Mut. Wir schlagen auf und greifen an, um zu punkten. Ein Fehler aus Mut kostet keine Spielzeit; einen Fehler aus Nachlässigkeit, wie nicht rufen oder nicht sichern, bespreche ich nach dem Ballwechsel.

Zusammenhalt. Wir gewinnen und verlieren als Team. Wer auf der Bank sitzt, hat eine Aufgabe: zählen, rufen oder den Gegner beobachten. Nach einem verlorenen Spiel zeigt niemand auf einen anderen.

Spielzeit. Wer im Training war, spielt in der Liga in jedem Spiel mindestens einen Satz. In der Schlussphase eines Satzes wähle ich die Aufstellung, mit der wir die besten Chancen haben, und das erkläre ich. Wer sich nicht abmeldet, beginnt auf der Bank.

Eltern. Fragen zur Spielzeit bespreche ich gern, in einem ruhigen Moment und nicht direkt nach dem Spiel.

Für ein Erwachsenenteam in einer leistungsorientierten Liga sieht es anders aus, zum Beispiel: „Wir spielen, um zu gewinnen, innerhalb der Absprachen, die wir gemeinsam treffen. Spielzeit folgt dem, was ich im Training sehe, und ich erkläre jede Entscheidung.“ Beides ist ehrlich, solange du tust, was dasteht.

Wo Spieler deine Philosophie merken

Spieler lesen deine Philosophie nicht, sie sehen sie. Daran, was du im Training belohnst, wer in der Schlussphase auf dem Feld steht und was du nach einem verlorenen Satz sagst. Ein paar Beispiele:

WertIm TrainingIm Spiel
EntwicklungJeder spielt auch mal den zweiten BallAuch bei einem klaren Vorsprung bekommen Auswechselspieler ihre Sätze
MutEin harter Aufschlag, der knapp ins Aus geht, zählt in einer Spielform nicht als FehlerKein Wechsel nach einem Aufschlagfehler
ZusammenhaltWer nicht auf dem Feld steht, zählt oder coacht mitIn der Auszeit sagen Spieler zuerst selbst, was sie sehen
EinsatzAbgemeldet wird vorher, nicht im Gruppenchat am selben TagWer sich nicht abmeldet, beginnt auf der Bank, auch wenn er der Beste ist

Deine Philosophie sagt, was du willst und warum. Wie du führst, steuernd, coachend oder loslassend, ist dein Trainerstil. Beides muss zusammenpassen: Wer sagt, dass Spieler selbst denken lernen sollen, aber jeden Ballwechsel von der Bank dirigiert, widerspricht sich selbst.

Lies deine Philosophie vor dem Spiel, nicht danach. Speichere deine drei Werte und deine Spielzeitregel im Handy und lies sie am Morgen eines wichtigen Spiels. Unter Druck vergisst du, was du im September aufgeschrieben hast, es sei denn, du hast es gerade noch gelesen.

Deine Philosophie teilen und anpassen

Fängst du gerade als Trainer an, ist deine erste Version ein Anfang, kein Endpunkt; als Volleyballtrainer anfangen hilft dir durch die erste Saison.

Deine Philosophie in der App wiederfinden

Zwei Entscheidungen aus deiner Philosophie kannst du in Koach überprüfen oder einstellen. Die erste ist Spielzeit: Nach einem Spiel, das du live erfasst hast, steht unter Spieler der Block Spielzeit, mit der Zahl der Ballwechsel und Sätze pro Spieler und wer am wenigsten gespielt hat. So siehst du schwarz auf weiß, ob du deine eigene Spielzeitregel eingehalten hast. Die zweite betrifft Fehler. Unter Team steht bei Teameinstellungen der Schalter Spieler sehen eigene Fehler. Gehört zu deiner Philosophie, dass Spieler aus ihren eigenen Zahlen lernen, lass ihn an. Wirken Fehler in der Statistik bei deinem jungen Team vor allem entmutigend, schalte ihn aus. Trainer sehen die Fehler immer, Eltern bei ihrem eigenen Kind.

Team-Tab in Koach mit der Spielerliste und unter Teameinstellungen dem Schalter Spieler sehen eigene Fehler
Unter Teameinstellungen legst du fest, ob Spieler ihre eigenen Fehler in den Zahlen sehen; Trainer sehen sie immer.

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Häufige Fragen

Wie lang ist eine Trainerphilosophie?

Eine halbe Seite reicht: ein Satz dazu, warum du trainierst, drei Werte und pro Wert, was du konkret tust, plus deine Entscheidungen zu Spielzeit, Abmelden und dem Kontakt mit Eltern. Länger macht sie nicht besser. Eine Philosophie, die du nicht auswendig kennst, nutzt du nicht in dem Moment, in dem es darauf ankommt.

Was ist der Unterschied zwischen Trainerphilosophie und Trainerstil?

Deine Trainerphilosophie sagt, warum du trainierst und welche Werte und Entscheidungen dazugehören, etwa wie du Spielzeit verteilst. Dein Trainerstil ist, wie du führst: steuernd, coachend oder loslassend, je nach Team und Moment. Die Philosophie ist das Was und Warum, der Stil das Wie. Beides muss zusammenpassen.

Solltest du deine Trainerphilosophie mit Eltern teilen?

Bei einem Jugendteam ja, zumindest den Kern: deine drei Werte, wie du Spielzeit verteilst und wann Eltern dich ansprechen können. Mach das zu Beginn der Saison, zum Beispiel bei einem Elternabend oder in einem kurzen Brief. Wer vorher weiß, wie du entscheidest, muss hinterher weniger fragen.

Darf Gewinnen in deiner Trainerphilosophie stehen?

Ja. Bei einem Erwachsenenteam in einer leistungsorientierten Liga ist Gewinnen oft ein ehrlicher Wert. Schreib dann aber dazu, was es für Spielzeit und Entwicklung bedeutet und wo die Grenze liegt. Bei einem Jugendteam steht Gewinnen meistens hinter Entwicklung, aber auch dort darfst du gewinnen wollen, solange du aufschreibst, wann es Vorrang hat.

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